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Published: 2018-04-06T10:18:57Z

 



Neue Bauordnung 2018

2018-04-06T03:16:00Z

In Städten, in Wien zu leben ist beliebt. Seine Bevölkerung wächst stark. Derzeit um ca 30 000 Menschen pro Jahr. Wien erlebt deswegen die baulich expansivste Phase seiner Stadtgeschichte. In den nächsten 10-12 Jahren wird in Wien mehr "Stadt gebaut" werden, als in Österreichs zweitgrößter Stadt Graz gebaut ist. Die Bauordnung, ein Landesgesetz, regelt die Kriterien, nach denen gebaut wird. Jetzt haben wir in der rot/grünen Landesregierung in sehr langen Verhandlungen eine große Reform dieses Regelwerkes ausgearbeitet, Hier vorweg das mir Wichtigste: 1.) Klimaschutz Wie wird geheizt? Ist eine Wärmewende möglich? Kann bei Heizung/Kühlung aus der Fossilwirtschaft ausgestiegen werden? Hier gehen wir einen riesigen Schritt Richtund Dekarbonisierung. Neue Gebäude werden in Zukunft weitestgehend ohne fossile Verbrennung beheizt werden. Nicht nur Ölheizungen werden in neu zu errichteten Häusern untersagt, sondern auch Gasthermen in Wohnungen. Vorrang wird der Abwärmenutzung, erneuerbaren Energieträgern und Passivhäusern gegeben. Dafür werden wir Energieraumplanung im Ressort Stadt- und Energieplanung verankern. Weiters wird im § 1 der Bauordnung, der die Ziele definiert, Klimaschutz klar verankert. Das ermöglicht der Stadt in städtebaulichen Verträgen, die bei sehr vielen Stadterweiterungsprojekten abgeschlossen werden, klare Vereinbarungen zur dekarbonisierten Wärmeversorgung zu vereinbaren. (Details dazu weiter unten) 2.) Stadtbildschutz Der Charakter des gründerzeitlichen Wiens prägt unsere Stadt. Aus gewinnmaximierenden Gründen werden aber immer häufiger Gründerzeithäuser abgerissen. Allein im Vorjahr 2017 waren es rund 115 Häuser. Die zwei Hauptgründe der Abrisse: Bei Gründerzeithäusern gilt das Mietrechtsgesetz und deckelt die Mieten, im Neubau nicht. Die meisten Gründerzeithäuser haben hohe Räume, was auch ihre Qualität ausmacht. Durch Abriss und Neubau können in derselben gewidmeten Bauhöhe mehr vermiet/verkaufbare Flächen geschaffen werden. Deswegen ist Abriss wirtschaftlich attraktiv. Bisher war das weitgehend bewilligungsfrei möglich. In Zukunft bedarf es für den Abriss eines Gebäudes, das vor 1945 errichtet wrde es einer positiven Stellungnahme der für Stadtbildschutz zuständigen MA 19. Diese ist im Ressort Stadtplanung angesiedelt. Wir glauben, allein mit dieser Maßnahme den Abriss von wertvoller Gründerzeitsubstanz signifikant eindämmen zu können. 3.) Leistbares Wohnen Auch dies wird im §1 als Ziel verankert. Es ermöglicht der Stadt, bei Neubauvorhaben privater Entwickler und Grundeigentümer Verträge darüber abzuschließen, dass auch im ausreichenden Ausmaß leistbarer Wohnraum angeboten wird, und nicht va. teure Eigentumswohnungen, die für die Mehrheit der Wiener/innen unerschwinglich sind. Damit soll eine zentrale und bedrohte Qualität Wiens, eine sozial gemischte Stadtentwicklung, aufrecht erhalten werden. 4.) Einschränkungen von "gewerblichem Wohnen" wie Airbnb Nicht nur In Barcelona, Paris oder New York, auch in Wien werden immer mehr Wohnungen der klassischen Nutzung für Stadtbewohner/innen entzogen und zur Gänze touristisch als "Hotelzimmer" genutzt. Dem wollen wir einen Riegel vorschieben. Vor einigen Jahrzehnten wurde das Instrument der "Wohnzone" für die gründerzeitliche Stadt in der Bauornung verankert. Dies diente Ende des 20 Jahrhunderts dazu, die Umwandlung von günstigem Wohn- in Büroraum zu unterbinden. Jetzt wird festgelegt: In diesen Wohnzonen ist gewerbliches Vermieten ganzer Wohnungen nicht mehr möglich. Die gelegentliche Untervermietung schon, solange kein Gewerbeschein notwendig ist. 5.) Schluss mit den platzverschwenderischen Einkaufsschachteln samt ebenerdiger Parkplätze (darüber habe ich hier schon öfters geschrieben) Bisher war es ohne eigene Widmung möglich, in Betriebs- oder Gewerbegebieten Einkaufszentren bis zur Grösse von 2500 m2 Fläche zu errichten. Das Ergebnis ist an den Rändern der Stadt zu besichtigen. Eine Schachtel neben der anderen, Gewebegebiete wachsen so zu unkoordinierten stadtunverträglichen E[...]



Deutschland: Ein schlichter Vorschlag zur Regierungsbildung

2017-11-20T11:30:00Z

Der Anlass für diesen Blogpost ist das Scheitern der Jamaika-Sondierungen in Deutschland.
Der Grund ist tieferlegend und betrifft auch Österreich und viele andere Demokratien.
Es geht um die Regierungsbildung nach einer Wahl.
Da wird in Koalitionsverhandlungen oder auch nur "Sondierungen" in akribischer Genauigkeit geregelt, welche Änderungen das Parlament in den nächsten Jahren beschliessen soll.
Schärfer formuliert: Durch einen penibel genauen Koalitionspakt wird das Parlament entmachtet, und eine wesentliche Säule der Verfassung, die Gewaltenteilung zwischen Gesetzgebung (Parlament) und Vollziehung (Regierung) ausgehebelt.
Es ginge auch ganz anders, einfach indem man die bestehende Verfassung ernstnimmt.
Eine Regierung vollzieht die bestehenden Gesetze. Punkt und aus. Das ist viel, aber doch viel weniger als derzeit Praxis.
Gesetze (z.B. für den Kohleausstieg, Änderungen der Asylpolitik, Steuerreformen etc.) beschliesst das Parlament.
Ja, und das ist den Knackpunkt: Warum nicht mit wechselnden Mehrheiten?
Um "Stabilität" zu erhöhen, könnten Parteien für ihr Herzensprojekt Mehrheiten vereinbaren und im Gegenzug Misstrauensanträge ausschliessen.
Folge:
Parlamentarismus wird lebendiger.
Parteien müssen sich dann nicht verbiegen, sondern können zu ihren Kernwerten stehen.
Es ist ja in der Tat absurd, zwei (legitime) Pole der dt. Parteienlandschaft, CSU und Grüne auf eine gemeinsame Politik in allen Politikbereichen auf 4 Jahre zu verpflichten.
Verantwortung käme so auf alle Pareien zu.
Opposition wäre dann nicht eine 4 jährige Dauergegnerschaft, sondern von Fall zu Fall von unterschiedlichen Parteien getragen.
Kontroverse Debatten würden aus Talkshows ins Parlament zurückgetragen.
Ich seh fast nur Gewinner.
Dagegen spricht nur eins: "Haben wir so noch nie gemacht".
Hallo Deutschland: Macht doch den Versuch!



Ithuba

2017-10-26T06:08:00Z

Gestern Mittwoch Abend erschien ein Artikel im Kurier, der viele Fragen ("Beigeschmack") aufwirft. Diese möchte ich hier in der notwendigen Ausführlichkeit beleuchten. .) Was ist S2arch, was ist Ithuba? S2arch ist ein von mir 2004 gegründeter Verein, der in seiner ersten Phase 2004-2007 europäische Architekturfakultäten vernetzt und unterstützt, die in südafrikanischen townships va Kindergärten bauen. Das Prinzip: Studierende planen im Zuge ihrer Ausbildung ein Gebäude, und fahren dann selbst ins township, um es in rund 8 Wochen zu errichten. "Build together- learn together" war und ist unser Motto. Unser Verein stellt die Verbindungen ins township her und hilft bei Koordination und Finanzierung. So wurde ca. 10 verschiedene Projekte (va Kindergärten) realisiert. Ab 2007 reifte die Idee, nicht nur bauliche Hüllen zu errichten, sondern selbst eine Schule zu entwickeln und zu betreiben, um innovative Lern- und Lehrangebote in einem Teil der Welt umzusetzen, wo genau das Mangelware ist. So entstand ab 2007 nahe Johannesburg das "Ithuba Community College" (Ithuba ist der Zulu Name für Chance), ab 2010 (dank eines Kooperationsangebotes der Bank Austria, dazu später) das "Ithuba wild Coast College" im eastern cape, der ärmsten der 9 Provinzen Südafrikas. Heute, 2017 werden in diesen beiden Schulen rund 500 Schüler/innen unterrichtet und in Summe (va Lehrer/innen, Haustechniker, Köche, Reinigung etc.) sind 58 Personen beschäftigt. .) Welche Personen leiten s2arch bzw die zwei Ithuba Schulen? S2arch ist ein österreichischer Verein, der von drei Personen ehrenamtlich geführt wird. Hans Staudinger, ein langjähriger Freund von mir, der hier arbeitet, sowie Florian Pomper, der bei der Caritas arbeitet und den ich über ein Tanzprojekt, das wir von Österreich in unsere Schulen gebracht haben kennengelernt habe, sowie ich. Die beiden Schulen in Südafrika sind nach südafrikanischem Recht registriert, und haben jeweils eigene lokale Leitungen. Wesentlich scheint mir noch hinzuzufügen, dass das Bundesministerium für Bildung durch die österreichische Botschaft in Südafrika auf Ithuba aufmerksam gemacht wurde, und wegen der Qualität der Leistungen heute zwei österreichische Beamte zur Weiterentwicklung va der Berufsausbildung von Ithuba nach Südafrika an unsere Schulen entsandt hat. .) Wer sind die Hauptsponsoren dieser Projekte? Seit 2003 (das war 7 Jahre bevor wir Grüne in Wien Regierungsverantwortung übernahmen) gibt es eine breite Palette von Unterstützern, teils von s2arch teils direkt von den Universitäten, den Studierenden selbst bzw deren Familien und Freunden. Die drei mit Abstand grössten Einzelpender sind Willi Hemetsberger,Gründer von ithuba, die Bank Austria, sowie die Stadt Wien. Letztere hat lange vor unserem Regierungseintritt S2arch, wie viele andere entwicklungspolitische Initiativen unterstützt. Diese Unterstützungen wurden transparent vom Wr Gemeinderat beschlossen, soweit ich mich erinnern kann manchmal einstimmig. Seit die Stadt Wien deutlich sparen muss, hat s2arch keine Förderung mehr beantragt. Zu Willi Hemetsberger. 2008 (nochmals, da hier vieles vermischt wird, das war 2 Jahre vor unserem Regierungseintritt) feierte er seinen 50 Geburtstag. Bis dahin kannte ich ihn nur aus den Medien: "roter Willi". Eine Freundin von ihm, die von unserem Projekt hörte fragte mich, ob sie und ihre Freunde ihm nicht etwas Passendes zu Geburtstag schenken könnten. Es wurde ein eigenes Gebäude: Willis Holzwerkstatt. Er besuchte daraufhin Ithuba, und ist seither unser wichtigster Mentor und Vernetzer. Er kennt viele, auch sehr wohlhabende Menschen, die er seinerseits auf Ithuba anspricht. Um seine Verbundenheit zu unserem Projekt auch öffentlich zu bekunden, benannte er sein Unternehmen auf Ithuba um. Hier hat auch eines der Gerüchte seinen Ursprung. Willi Hemetsberger hat 2007 sein heutiges Unternehmen von Michael Tojner gekauft. Damals 2008 kannte ich weder Herrn Tojner, noch wusste ich irgendetwas über die Genese[...]



Meine erste Analyse

2017-10-17T15:09:00Z

3,8%. Östereichweit Zweidrittel unserer Wähler/innen verloren. Nach 31 Jahren aus dem Parlament herausgewählt. Debakel ist ein Hilfsausdruck. Ich habe Schlimmes befürchtet. Mein interner Wahltip war 5,7%. Mir war klar, dass wir verlieren werden. Dass es so schlimm kommt nicht. Seit Sonntag wechseln sich Wut, Enttäuschung und grosse Traurigkeit ab. Gestern und heute hab ich etwas getan, was ich noch nie gemacht habe. Diverse interviews abgelehnt. Denn was hätte ich auf all die erwartbaren Fragen nach dem „Warum?“ und „wie jetzt weiter?“ viel anderes sagen können, als „Ich weiss es nicht“. Gleichzeitig rattert der Kopf. Gefühle zuzulassen und nicht wegzudrücken ist wichtig, sonst wird man ein Politzombie und Politphrasendrescher wie es viele gibt. Aber nach zweimal (sehr schlecht) schlafen kann und will ich mich nicht weiter verstecken. Denn es hat nicht dieser vernichtenden Wahlniederlage bedurft, um zu sehen und zu hören, dass vieles nicht gut läuft. Dass viele Wähler/innen enttäuscht sind. Jetzt versuche ich im Schreiben, das ich immer schon sehr geschätzt habe, mein Denken zu präzisieren, den Gründen nachzuspüren und erste Wege aufzuzeigen, die wir überlegen sollten. Ich möchte gleich einschränken: Das ist meine Analyse. Es gibt sicherlich auch andere. Wir sollten aber die bittere Tatsache, dass es uns jetzt nicht mehr als parlamentarische Vertretung auf Bundesebe gibt, nutzen, um gut nachzudenken und dort, wo es notwendig ist, tiefgreifend umgestalten. Die hier angeführten Punkte mögen den Beginn einer Diskussion darstellen. Sie sind weder vollständig, noch stellt die Reihenfolge eine Priorität dar. 1.) Zeit- dafür radikal Auch wenn Wähler/innen wie Medien jetzt schnelle Antworten wollen. Die gibt es nicht. Wir sollen uns die notwendige Zeit nehmen. Die nächsten Wahlen auf Bundesebene findet im Mai 2019 statt. Die Europawahl. Bis dahin sollte wir erst grundsätzlich (und sicher schmerzhaft) das aufzählen, was 2/3 der Wähler/innen verjagt hat, dann die notwendigen, ich glaube auch radikalen (an die Wurzel gehenden) Veränderungen vornehmen. Also: Jetzt brauchen wir keine Schnellschüsse 2.) Unsere Inhalte Das kann ich kurz halten: unsere zwei Eckpunkte stehen fest. Bei allen Grünen weltweit: Die Klimakrise als total unterschätzte globale Bedrohung,. Die Notwendigkeit in kürzester Zeit aus der Fossilwirtschaft in eine erneuerbare umzusteigen. Sowie als 2. Säule: Eine gerechtere faire Verteilung von Einkommen, Vermögen und Lebenschancen. Ausserdem: Fairness zwischen Mann und Frau (von der wir noch immer weit entfernt sind) sowie Verteidigung und Ausbau einer offenen Gesellschaft. Inhaltlich gilt es zu präzisieren, in Details abzustimmen, aber kurz: Die grüne Programmatik ist nicht unser Problem. Und das ist schon viel Aber 3.) Diese Kritik begegnet mir oft, sehr oft: Und da hat einen wahren Kern. Wir könnten, und ich glaube wir sollten ein paar uralte Tugenden in unserem politischen Diskurs neu beleben. V.a. Respekt. Wenn jemand nicht unsere Meinungen, unsere Positionen teilt kann ein Gespräch auch uns weiterbringen.Weil wir etwas dazulernen können. Weil viele Menschen wie auch wir mit Widersprüchen leben. Weil der Kompromiss, und nicht der Sieg über den anderen den Kern einer freien demokratie ausmacht. Denn Hand aufs Herz: Auch wir haben schon paar mal ziemlich geirrt. Auch ich. Was bei diesen „Stilfragen“ jedenfalls weiterhilft: Neugier statt Belehrung. 4.) Die innerparteiliche Kontroverse ist ebenso schwierig wie notwendig Gerade um unseren Außenauftritt klarer und wiedererkennbar zu machen, was in den letzten Jahren auch gelungen ist, wurde in einem wesentlichen Punkt übers Ziel hinausgeschossen. „Nur kein Streit!“ Damit wurden auch notwendige öffentliche Klärungen unterbunden. Aber genau das macht eine Demokratie lebendig, und sollte gerade bei uns Grünen kultiviert werden. Um eine Position in einer gesellschaftlich relevanten Frage zu erringen, kann und muss in der [...]



Apokalypse ist eine schlechte Strategie

2017-09-06T07:32:00Z

diesen Artikel habe ich vor rund 10 Jahren geschrieben. diese Gedanken scheinen mir auch heute noch sehr wichtig. Apokalypse ist eine schlechte Strategie Nein, ich habe nicht die Seiten gewechselt. Im Gegenteil. Die Reduktion der Treibhausgase ist eine der wichtigsten globalen Herausforderungen. Aber ein zentraler Widerspruch muss zum Nachdenken anregen. Ehrliches Nachdenken bedingt, die eigene Strategie grundlegend in Frage zu stellen. Insbesondere dann, wenn seit Jahren (die Konsequenzen des sich beschleunigenden Klimawandels sind ja schon viele Jahre bekannt) die eigene Strategie nichts, im globalen Massstab gemessen, gar nichts bewirkt. Um es zynisch zu formulieren: Je mehr wir über die Auswirkungen der Klimaveränderung wissen, desto stärker wächst der Ausstoss der Treibhausgase. Derzeit deutet alles darauf hin, dass weltweit die Emissionen von CO2 und Methan nicht sinken, was technisch leicht möglich wäre, sondern weiter steigen. Allen Katastrophenszenarios zum Trotz. Vielleicht liegt das aber nicht nur am langsamen Lernen der Menschheit und an der Lobbyismen der Öl- und Autoindustrie, sondern vielleicht war auch die Strategie von uns Umweltschützern und Grünen falsch. Denn eine Strategie, die dauernd das Gegenteil dessen bewirkt, was intendiert ist, muss doch einmal hinterfragt werden. Der Kern dieser Strategie war und ist, das zeigen Wortwahl und Bilder, das Apokalyptische. Wahlweise geht, „wenn wir so weiter machen“, entweder „die Menschheit“ unter, oder gleich „der ganze Planet“. Tief moralisch ist diese Strategie, und seit Jahrzehnten ist es „fünf vor zwölf“. Die Natur bekommt nach dieser Stategie eine quasireligiöse Identität, sie muss „beschützt“ und „bewahrt“ werden, sonst „schlägt sie zurück“. War es erst die Natur, die wir schützen musste, so ist es jetzt das Klima. „Klimaschutz“ wird überall beschworen, das Gegenteil passiert. Ich bin inzwischen tief überzeugt, dass diese Strategie der Apokalypse ebenso falsch ist, wie auch diese Analyse des Untergangs, und vielleicht liegt darin der Schlüssel für eine rationale, statt einer apokalyptischen Begründung. Machen wir ein Gedankenexperiment: Innerhalb der nächsten zehn Jahre, die „uns“ nach Meinung vieler Klimatologen „noch zur Umkehr bleiben,“, geht es schlicht weiter wie bisher: Noch mehr Öl- Gas- und Kohleverbrauch, noch mehr Treibhausemissionen , deutliche Erhöhung des CO2 Gehalts der Atmosphäre.Stellen wir uns schlicht das worst-case Szenario vor. Es wird dann weder die Erde untergehen, noch die Menschheit. Um in Bildern zu bleiben: Dem Meeresspiegel ist es völlig egal, ob er zwei Meter höher ist oder nicht. Klimawandel war in der Erdgeschichte die Regel. Der Meeresspiegel war schon Dutzende Meter höher, und ebenso viele Meter tiefer. Es war schon einmal viel wärmer, und ebenso viel kälter Die Welt wird auch ohne den Eisbären weiterexistieren. 99% aller Arten, die im Laufe der Evolution entstanden sind, existieren heute nicht mehr. Wo heute fruchtbares Land ist, waren einst Wüsten und umgekehrt. Und wenn über das zukünftige Klima eines klar ist: in einigen Tausend Jahren kommt die nächste Eiszeit, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe bedingte Klimaerwärmung ist erdgeschichtlich geradezu läppisch. Das Problem ist nicht, dass wir „der Natur“, „dem Klima“ irgendetwas Böses antun, es schädigen. Das Problem ist ein zutiefst gesellschaftliches. Die zentrale Frage ist nicht, ob „die Menschheit“ bedroht ist (sie ist es mit Sicherheit nicht), Menschen können, das zeigt unsere Geschichte und Gegenwart, unter unglaublich schrecklichen Bedingungen existieren. Die zentrale Frage ist vielmehr: Wie wollen wir leben? Und: Was ist uns wertvoll? Was der Klimawandel höchst wahrscheinlich bedroht, ist eine bestimmte Art – unsere - menschlicher Zivilisation. Wenn der Meeresspiegel deutlich steigt, werden z.B. weite Teile Bangladeshs unbewohnbar werden. Die Zahl der Flüchtlinge wird in [...]



Besuch im Passivhaus

2017-08-31T06:29:00Z

Im Winter warm ohne fossile Brennstoffe.
Im Sommer angenehm temperiert.
Treibhauseffekt und überhitzte Städte sind kein Schicksal.
Watch:

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Asylanträge in Afrika: Eine Riesenchance

2017-08-29T08:47:00Z

Grosse politische Verschiebungen kündigen sich oft leise an.
Obwohl bei Nachdenken sichtbar sein könnte, dass sich Neues auftut.
Und gerade weil im Zusammenhang zwischen der EU und der Füchtlingskrise (zurecht) viel, sehr viel kritisiert wird, möchte ich den jüngsten Schritt ausdrücklich loben.
Dieser kann eine völlig neue, positive Entwicklung einleiten.
Worum gehts?
Macron, Merkel & Co streben an, dass es in hoffentlich baldiger Zukunft möglich ist, schon in afrikanischen Ländern Asyl zu beantragen.
Derzeit müssen Flüchtlinge übers Meer, ihr Leben gefährdend, denn nur hier, in der EU kann ein Asylantrag gestellt werden.
Wenn es gelingt, das zu ändern, wäre es eine gewaltige Weichenstellung, welche die so gefähliche Fahrt über das Mittelmeer und das dreckige Geschäft der Schlepper wenn schon nicht beenden, so doch dämpfen könnte.
Wesentlich schint mir jedoch, dass sich daraus viel weitreichendere Perspektiven eröffnen könnten.
Denn um in Nigeria/Tschad/Libyen oder Niger Asyl zu beantragen braucht es keine eigenen "Lager".
Es wird wohl in veränderter Form soetwas wie das Botschaftsasyl sein, welches es früher gab.
Diese Asylanträge werden wahrscheinlich in Städten gestellt werden.
Damit rücken uns Europäern diese Städte ein bisschen näher. Denn derzeit sind sie sehr, sehr fern. (Wer kann schnell auch nur ein paar Städte in diesen Ländern nennen?)
Um dieses "Näherrücken" auch zu begleiten, um Wohn- und vielleicht auch Arbeitsmöglichkeiten für die Asylwerber, ebenso auch für die einheimsiche Bevölkerung (auch wegen der Akzeptanz) zu schaffen, könnten europäische Städte diesen Städten beim Naheliegenden helfen: Kanal, Strom, Wasser, Abwasser, Bildung, öffentlicher Verkehr.
Hier möchte ich an diesen meinen Beitrag vor drei Jahren erinnern.
So könnte eine grosse weltpolitische Weichenstellung geschehen.
In dem Ausmass, indem sich die USA als Weltmacht zurückzieht, was sie nicht erst mit Trump sondern schon unter Obama gemacht hat, könnte die EU als andere, nicht primär militärisch getriebene Kraft, quasi als "softpower" Verantwortung für unsere nähere Umgebung übernehmen.
Eine neue afrikanisch/arabisch/europäische Zusammenarbeit könnte entstehen.
Dieser Aufbau geschieht nicht in wenigen Monaten, sondern wird Jahre dauern.
Diese Zusammenarbeit könnte auch so weitergehen:
Warum nicht legale und zahlenmässig begrenzte Einwanderungskontingente vergeben, um auch jenen, die kaum Chance auf Asyl haben, die so gefähliche Mittelmeerüberfahrt zu ersparen?
Dann sollte es in diesen afrikanisch/arabischen Städten Sprachkurse ebenso geben , wie Berufsausbildungen an deren positiven Abschluss eine höhere Chance für ein Einwanderungsticket gekoppelt ist.
Schliesslich ist es unstrittig, dass gute Bildungsangebote auch für die einheimische Bevölkerung, welche nicht fliehen/auswandern will, unabdingbare Voraussetzung einer gedeihlichen Staats-und Wirtschaftsentwicklung darstellen.
Das kann, muss nicht so kommen.
Aber der Beschluss von Macron, Merkel & Co eröffnet für uns Europäer/innen die grosse Chance, aus dem bisherigen Teufelskreis herauszukommen.
Das ausdrücklich positiv hervorzuheben ist mir ein Bedürfnis.



adelige Wutbürger verhindern Otto Wagners Stadtmuseum am Karlsplatz

2017-05-04T16:58:00Z

Fast, fast hätte 1901 Otto Wagner am Karlsplatz ein "Stadtmuseum" gebaut, das so ausgesehen hätte:

(image)

Aber eben nur fast.
Denn mit adeligen Wutbürgern war nicht zu spassen. Sie fanden Otto Wagners Architektur viel zu modern und schlicht hässlich. An die Spitze der Wutbüger/innen setzte sich die Fürstin Pauline Metternich und sammelte rund 6000 Unterschriften.
Um zu zeigen, wie dieses Projekt "wirklich aussieht" wurde Otto Wagner genötigt, am Karlsplatz eine 1:1 Schablone seiner Fassade aufzubauen.
Das sah damals so aus.

(image)

Damit wars dann vorbei.
Bürgermeister Lueger lavierte herum, und fand nicht den Mut das Projekt durchzusetzen.
Der Rest ist Geschichte.

Hier sei nicht Otto Wagners Stadtmuseum mit dem Neubau am Heumarkt von Isay Weinfeld verglichen. Was architektonische Qualität hat, wird oft erst Generationen später unstrittig gestellt.
Aus der Zeit heraus jedoch, und das ist mein Punkt, wurde Otto Wagners Architektur von vielen als abstossend und hässlich abqualifiziert. Und ihr Widerstand war erfolgreich.



Zum Tod eines siebenjährigen Mädchens

2017-04-06T04:48:00Z

Fall 1
Ein siebenjähriges Mädchen ist am Dienstag in Wien am Weg zur Schule von einem Auto getötet worden.
Öffentliche Reaktion darauf: gering.
Politische Konsequenzen?
Keine.
Genauer: Falls sie gezogen werden (Temporeduktion, Geschwindigkeitsüberwachung, Fußgängerzonen), werden sie va von Boulevard heftig bekämpft.
Das Mädchen war nicht das erste Todesopfer heuer.
Und ich fürchte: Sie wird nicht das letze gewesen sein

Fall 2
Irgendwo in Europa ereignet sich ein Terroranschlag.
Menschen werden getötet.
Öffentliche Reaktion: Schlagzeilen und Debatten überall
Politische Konsequenzen: Umfangreich. Freiheitsrechte werden eingeschränkt, Überwachung ausgebaut, Demokratie abgebaut

Was ist der Unterschied zwischen Fall 1 und Fall 2
Auf den ersten Blick ist es eindeutig:
Beim Terroranschlag wären vorsätzlich Menschen getötet.
Beim tödlichen Autounfall wollte das keiner.

Jedoch:
Es ist unstrittig, dass politische Massnahmen die Zahl der Verkehrstoten drastische reduzieren könnten.
Nur: Es ist nicht gewollt, ja, diese Maßnahmen (für die ich politisch eintrete) werden heftig bekämpft.
Anderes (unbehinderte Fahrt für Autofahrer) scheint wichtiger.

Ist das Leid der Eltern des Mädchen geringer als jenes der Eltern der Terroropfer?

Ich will diese Ignoranz nicht hinnehmen.
Diese skandalöse Akzeptanz struktureller Gewalt.
Die Tatsache, dass Kindern in Städten und auch am Land die Freiheit geraubt wird, sich in ihrer Wohnumgebung frei zu bewegen.
Denn sie könnten dabei getötet werden.
Und es lässt alle kalt.
Auch Schweigen auf social media zu Fall 1.
Vielleicht bin ich grad besonders sensibel mit meinen zwei kleinen Kindern.
Und meiner Angst, wenn sie allein am Gehsteig zu laufen beginnen.
Sie könnten ja auf die Strasse abbiegen.

Warum muß die Straße Todeszone sein?
Ich akzeptiere das nicht.
Ja, nennt mich in dieser Frage Fundi.

Abschliessend eine Zahl und eine Frage:
In der EU sterben jährlich bei Verkehrsunfällen 25 000 Menschen.

Hätten wir noch eine Demokratie, wäre die Opferzahl durch Terroranschlägen auch nur 10% davon?



Heumarkt

2017-03-25T05:46:00Z

Die Wiener Zeitung hat mich gebeten, meinen Standpunkt zum heftig diskutierten Heumarktprojekt ausführlicher zu begründen.
Hier ist der Link:
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtpolitik/881670_Schon-frueher-wurde-hoch-gebaut.html




Wien Museum- Winterthurgebäude Eine Chronologie

2017-02-13T07:10:00Z

Gestern Sonntag überraschte Bürgermeister Häupl rund um die Diskussion Wien-Museum - Winterthurgebäude mit einem neuen Vorschlag, kommuniziert in ähnlich lautenden Interviews in Österreich und Kronenzeitung: Frage: Was ist Ihr Vorschlag für den Streit um die drohende Verschandelung des Karlsplatzes? Michael Häupl: Ich habe ja da eine ganz andere Idee als die bisher diskutierten. Auch wenn Finanzstadträtin Renate Brauner das jetzt vielleicht nicht gerne hört: Eine Versicherung wie die Zürich-Kosmos kann ihr Gebäude überall in Wien aufstellen. Das muss nicht am Karlsplatz sein. Würde die Stadt der Versicherung den Grund ablösen, könnte man in einem völlig neuen Projekt das Wien Museum so erweitern, wie es ohnehin eigentlich notwendig wäre. ÖSTERREICH: Wobei dann auch bei der Neuplanung ein entsprechender Schutz der Karlskirche vorgesehen wäre? Häupl: Dann könnte man etwas völlig Neues planen, das das Ensemble am Karlsplatz nicht stört. Vielleicht sagt man mir ja, dass das eine Schnapsidee ist. Aber als Wissenschaftler bin ich gewöhnt, dass ich meine Ideen frei zur Diskussion stelle - das tue ich hiermit. Die Karlskirche, der Karlsplatz und vor allem das Wien Museum, das endlich genug Platz hätte - alle würden profitieren. Bevor ich das bewerten möchte, eine kurze, trockene Chronologie. Die geht zumindest bis zum Jahr 2012 zurück. Im Sommer 2012 blieben nach längerer Standortsuche für das Wien Museum Neu zwei Standorte über: Am Hauptbahnhof (Arsenalstraße, schräg vis a vis vom 21er-Haus) sowie der bestehende Standort Karlsplatz. Im Architekturzentrum wurde eine Fachenquete durchgeführt, bei der 40 ExpertInnen (Museumsleute, ArchitektInnen, WissenschafterInnen, etc.) aufgefordert waren, ein kurzes Plädoyer jeweils für den einen oder den anderen Standort zu halten. Die überwiegende Anzahl der TeilnehmerInnen sprach sich für den Karlsplatz aus. Um eine umfassende und fundierte Entscheidungsgrundlage zu haben, wurden in Abstimmung zwischen den Geschäftsgruppen Kultur und Stadtentwicklung im Herbst 2012 zwei städtebauliche Studien in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten und Potentiale dieser Standorte zu untersuchen. Den Standort am Hauptbahnhof wurde vom Wiener Büro querkraft untersucht, der Standort Karlsplatz vom Berliner Büro kuehn malvezzi gemeinsam mit dem Wiener Büro für Landschaftsarchitektur D/D (Detzlhofer und Dessovic). Diese beiden Studien wurden kurz vor Weihnachten 2012 den beiden ressortverantwortlichen StadträtInnen Mailath und Vassilakou präsentiert. Das Ergebnis dieser Studie zum Karlsplatz war, dass der Umbau des Wien Museums genutzt werden sollte, um den östlichen Abschluss des Karlsplatzes aufzuwerten. Stadträumlich solle dabei die für die Karlskirche konstituierende städtebauliche Achse Herrengasse – Karlskirche gestärkt werden, die durch den Bau der Ringstraße (Staatsoper) und die Wien-Flussregulierung sowie den Bau der U-Bahn beeinträchtigt war. Ebenso sollte der ursprüngliche, solitäre Charakter des Wien-Museums wieder herausgearbeitet werden, das mit dem Anbau des Winterthur-Gebäudes in eine vermeintliche Blockrandbebauung integriert worden war. Der Denkmalschutz für das Bestandsgebäude war vom Bundesdenkmalamt vorgegeben. Unter Beibehaltung des landschaftsplanerischen Konzeptes des schwedischen Gartenarchitekten Sven Ingvar Anderson von 1969 für den Karlsplatz wurden drei Entwicklungsszenarien ausgearbeitet: eine rein unterirdische Erweiterung des Wien Museums, eine Aufstockung des bestehenden Gebäudes und der Bau eines Solitärs vor dem bestehenden Bau, der mit diesem unterirdisch verbunden wäre. In Bezug auf das Winterthur-Gebäude empfahl die Studie, dessen Verbindung zum Wien Museum abzubrechen, und es als Teil dieses städtebaulichen Projektes einzubeziehen[...]



Intercont. Warum?

2017-02-02T07:20:00Z

Viele fragen uns, warum wir für das Hochhaus beim Intercont sind.
Ich habe versucht, darauf Antworten zu geben.
18 min Im Gemeinderat.

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Kern und die Gemeinnützigkeit

2017-01-12T10:53:00Z

Der Bundeskanzler hat eine beachtenswerte Grundsatzrede gehalten.
Hier sei auf einen Punkt hingewiesen, der bisher kaum beachtet wurde.
Kerns Ambition, die Wohnungsgemeinnützigkeit aufzuweichen.
Ich danke Martin Orner, selbst Chef eines gemeinnützigen Wohnbauunternehmens, der EBG für seine genaue Analyse.
Hier, (mit seinem Einverständnis) seine wichtigen Hintergrundinformationen:

Ich habe mir im „Plan A“ zuerste einmal das Kapitel „Wohnen“ angesehen. Neben einigen sehr sinnvollen Vorschlägen findet sich dort auch folgende Formulierung:

"Gemeinnützige Wohnbauträger spielen eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von leistbaren Wohnungen. Im Moment können institutionelle Anleger (wie Versicherungen) allerdings nur sehr eingeschränkt in gemeinnützige Wohnbauträger investieren, da solche Anteile nur eingeschränkt handelbar sind. Durch entsprechende Anpassungen könnte die Investition in gemeinnützige Wohnbauträger für institutionelle Anleger deutlich interessanter werden. ExpertInnen gehen von einem Potential von ca. 2 Milliarden Euro pro Jahr bis 2020 aus, was jährlich etwa 10.000 zusätzlichen Wonungen entspricht."

Klingt gut – ist es aber nicht. Hintergrund dieser Forderung: Die Wiener Städtische Versicherung ist (über verschachtelte Beteiligungen) Mehrheitseigentümerin der Sozialbau-Gruppe, das ist das größte Gemeinnützige Wohnbauunternehmen in Österreich mit über 50.000 Wohnungen.

Die gesetzlichen Regelungen in der Wohnungsgemeinnützigkeit sind sehr streng, sie sehen unter anderem vor, dass Gewinne zwar in beschränktem Umfang erzielt werden dürfen, diese jedoch nur sehr beschränkt (im Ausmaß von dzt 3,5 % des Stammkapitals) an den Eigentümer ausgeschüttet werden dürfen. Die restlichen Gewinne haben im Unternehmen zu verbleiben und sind dort im Sinne des Generationenausgleichs (§ 1 Abs 3 WGG) für Neubau und Sanierung zu verwenden. Das ist auch durch die im Gesetz verankerte Baupflicht sichergestellt und nennt sich auch das Prinzip der Vermögensbindung. Eine sehr sinnvolle Regelung – ihr haben wir zu verdanken, dass die Gemeinnützigkeit so einen hohen Stellenwert in Österreich hat, mit dem Ergebnis, dass ein großer Teil der Bevölkerung mit relativ günstigen Wohnungen versorgt werden kann.

Die Formulierung im „Plan A“ soll Folgendes verschleiern: Die Wr. Städtische ist – und das ist kein Geheimnis – unzufrieden mit der beschränkten Gewinnausschüttung, ihre Aktionäre würden gerne die in der Sozialbau erzielten Gewinne abschöpfen und einstecken. Im Zuge der WGG-Novelle 2016 ist bereits einmal ein Versuch gescheitert, diese Regelungen aufzuweichen. Man hat dazugelernt, die Versicherung hat einen ehemaligen Bundeskanzler in dieser Angelegenheit als Lobbyisten engagiert, dessen ehemaliger Staatssekretär ist übrigens gerade in den Vorstand der Sozialbau eingezogen.

Inhaltlich ist das natürlich Unfug. Dass die Sozialbau mehr Wohnungen bauen kann, wenn man ihre Gewinne abschöpft kann auch ein von betriebswirtschaftlichen Kenntnissen völlig Unbeleckter nicht glauben.

Sollten diese Regeln tatsächlich aufgeweicht werden, würde das langfristig die Investitionsfähigkeit der Gemeinnützigen Wohnbauträger deutlich einschränken, das Kreislaufsystem, dass die Gemeinnützigkeit im Interesse der BewohnerInnen so erfolgreich gemacht hat würde untergraben werden.

Hoffentlich gibt es hier auch einen Plan B.



Wo habe ich mich geirrt?

2017-01-04T11:13:00Z

Was sehe ich heute anders als noch vor 10 Jahren? Oder selbstkritischer formuliert: Wo habe ich mich geirrt? Diese Fragen sollten sich alle Menschen gelegentlich stellen und auch zu beantworten versuchen, auch wenns vielleicht schmerzhaft ist. Wir Politiker sollten es auch öffentlich versuchen. Auslöser dieser Gedanken ist dieses Interview mit Franz Fischler: „In meinem Denken hat sich Fundamentales verändert. Der Zerfall der EU war für mich undenkbar. Heute muss ich sagen: Dies war ein großer Fehler meiner Politikergenerration.“ Also denke ich nach. Was hab ich vor (rund 10) Jahren anders gesehen? Wo habe ich mich geirrt? Und ich widerstehe dem starken Drang, hinzuzufügen, wo ich recht behalten habe. Auch wenn es schwer fällt. Da es jetzt nicht um eine vollständige „Gewissenserforschung“ geht, sind das nur erste Beispiele. Sie werden in nächster Zeit ergänzt werden. Was mir als erstes einfällt: Meine völlige, wunschbedingte Fehleinschätzung des arabischen Frühlings. Bravo, wenn Diktatoren durch einen Volksaufstand fallen, kann nur etwas Besseres nachfolgen. Was für ein Fehler! Es kann noch viel schlimmer kommen. Viel, viel schlimmer. Ich blicke heute nach Ägypten oder gar nach Syrien. Und bemerke heute meinen gewachsenen Konservativismus: Ermöglichten nicht die (brutalen) Diktatoren Hussein, Mubarak, Gadaffi deutlich bessere Lebensbedingungen als das, was heute dort ist? Ich erschrecke geradezu vor folgendem Gedanken: Sollen wir nicht froh sein, dass Putin für Stabilität in Russland sorgt? Stellen wir uns in diesem Vielvölkerstaat Revolutionen vor. Einen Wegfall staatlicher Ordnung. In einem mit Atomsprengköpfen bestückten Riesenterretorium. Und schon bin ich beim Zweiten, meiner geänderten Meinung über die plebiszitäre Demokratie. Als 1960 Geborener, dessen Einstieg ins politische Denken die Auseinandersetzung und letztlich der Sieg bei der Volksabstimmung über das Kernkraftwerk Zwentendorf mein politisches Denken geprägt hat, habe ich lange an der Forderung: „Mehr Volksabstimmungen“ festgehalten. Heute sehe ich Kampagnen vor Volksabstimmungen, ihr Ausmass an Desinformation, und schätze immer mehr die Zivilisierung politischer Konflikte durch eine oft langweilige repräsentative Demokratie. Weil sich die meisten Fragen nicht auf ein simples Ja/Nein reduzieren lassen. Weil der Kompromiss die Quintessenz der Demokratie ist. Weil es „den Volkswillen“ nicht gibt, sondern er durch viele Verhandlungen und Kompromisse erst hergestellt werden muss. Jetzt zwei Fehleinschätzungen in meinen Kernbereichen, der Energie - und Verkehrspolitik: +) Peakoil, das Maximum der Erdölförderung ist bald erreicht. Hier habe ich die technischen Möglichkeiten der Ölgewinnung (shale-oil) total unterschätzt. Das war total falsch. Dass jetzt (wahrscheinlich) Peak-oil-demand kommen wird, die Ölnachfrage weltweit aus vielerlei Gründen zurückgehen wird, macht meine Fehleinschätzung nicht richtiger +) Aus dem Elektroauto wird nie etwas! Wenn schon die Batterie mehr kostet als ein ganzes konventionelles Auto, und man damit kaum 150km fahren kann, kann das nix werden. Grandiose Fehleinschätzung. Einmal mehr den technischen Fortschritt unterschätzt. Tesla hupfte vor, alle Autokonzerne investieren jetzt Mrd-Summen, Batterien werden immer leistungsfähiger und billiger, 2019/2020 scheint der grosse Durchbruch zu kommen, Auch deswegen wird Ölverbrauch zurückgehen. Oder irre ich wieder? Wo ich vielleicht nicht geirrt habe, aber Grundlegendes anders sehe als noch vor 10 Jahren: Unsere Demokratie halte ich heute nicht mehr für gesichert. Ob es die EU in 5 Jahren noch geben wird, weiss ich nicht. DIE grosse Herausforderung Europas ist die Unterstützung/[...]



Weltkulturerbe

2016-12-13T14:26:00Z

Es gibt drei Kriterien für die Aufnahme von Wien
in die Welterbeliste der UNESCO

1
Die städtebaulichen und
architektonischen Qualitäten
des historischen Zentrums von
Wien sind überragende Zeug-
nisse eines fortwährenden
Wandels von Werten während
des 2. Jah tausends.

2
Drei Hauptperioden euro-
päischer Kultur und poli tischer
Entwicklung – Mittelalter,
Barock und Gründerzeit –
werden in außergewöhnlicher
Form durch das städtebauliche
und architektonische Erbe
des historischen Zentrums von
Wien dargestellt.

3
Seit dem 16. Jahrhundert ist
Wien weltweit als die
musi kalische Hauptstadt
Europas anerkannt.


Quelle

Bei diesen drei Kriterien wird nirgendwo die Höhe von Gebäuden erwähnt.
Und v.a.: Wenn der "Wandel von Werten während des 2. Jahrtausends" ein Kriterium ist, warum sollte es dann mit dem Weltkulturerbe unvereinbar sein, in einer prägenden Wachstumsperiode der Stadt, respektvoll Neubauten hinzuzufügen?