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Haltungsturnen



Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz.



Updated: 2017-04-28T16:41:24.625+02:00

 



Rossballett

2017-04-28T10:06:27.524+02:00

Das Requiem gehört (neben den Streichquartetten aber die auch nur vom Alban-Berg-Quartett gespielt) zu den wenigen Werken von Mozart, die ich immer und uneingeschränkt liebte. Und es bleibt für mich ein unvergessenes Erlebnis, als wir das mit unserer Kantorei damals sangen.

Als Rossballett ist es noch etwas besondererer, oder? Irre. Love it.

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Wahrheit

2017-03-23T18:05:38.148+01:00

Ein Gedanke von Michael Seemann hat mich in den letzten Wochen elektrisiert und nicht mehr losgelassen. Sein mehrteiliger und erst höchstens halbfertiger Essay über "demokratische Wahrheit" lohnt eine intensive Lektüre - am besten wirklich von Teil I an und da durchhangeln und auf die Teile V bis VIII oder so warten.Die Idee, vergröbert und verkürzt, dass Wahrheit heute gefühlt und – vor allem – wirkmächtig einer Demokratisierung unterworfen sei, verstört, ist für mich aber überzeugend und erklärt einiges, was sonst schwer zu erklären ist.Wahrheit, nämlichTatsächlich aber lohnt es sich, diesen Gedanken einmal bis zum Ende durchzudeklinieren. Er ist ein Kontrapunkt zur liberalen Selbstgewissheit, dass die Anhängerinnen von Verschwörungsideen, die Leute, die Russia Today Deutsch für Nachrichten halten, die Fehlgeleiteten, die an Lügenpresse und die Merkeldiktatur glauben, dass alle diese eigentlich nur dumm seien oder überzeugt werden könnten, wenn wir nur mit den richtigen Argumenten kämen.Vor allem aber hilft die Idee der "demokratischen Wahrheit", besser zu verstehen, warum wir nicht dialog-, noch nicht einmal sprechfähig sind. Im Kern ist es ja auch folgerichtig, dass nach und nach alle Lebensbereiche und Weltbereiche demokratisiert werden. Im Kern ist das etwas, das unsere Gesellschaft, das vor allem der liberale Teil unserer Gesellschaft, für richtig, für "gut" hält.Wer sich vom Internet, damals, seit den 90ern, Demokratisierung versprochen hat, Zugang zu Wissen und Informationen, das Ende der Torwächterinnen für Wissen und Nachrichten, kann kaum wirklich überrascht oder auch nur dagegen sein, dass dieses jetzt auf einmal anders als gedacht wirklich wird. Was "wahr" ist, wird einem demokratischen Prozess ausgeliefert. Menge, Mehrheit, gefühlte Mehrheit – all das entscheidet über Wahrheit.Ich habe es im Internet gelesen.Viele Leute haben es gesagt, retweetet, geteilt.Also muss es wahr sein.Der liberale Mainstream hat sich angewöhnt, über diese Argumentation zu lachen. Aber ist sie unlogisch? Ist sie (ethisch) schlecht?Wahrheit, אמת, kann ja recht eigentlich nur dann "objektiv" sein, wenn es eine Instanz gibt, die über sie entscheidet. Hier sind wir Jüdinnen und Christinnen in einer (sozusagen) "besseren" Situation als die Liberalen – denn genau davon sind wir überzeugt.Vielleicht sind es deshalb die organisierten Religionen, in unserem Land vor allem die christlichen Kirchen, die besonders wahrnehmbar und laut gegen das Regime der demokratischen Wahrheit und gegen die Autoritären ihre Stimme erheben.Mir ist, das merke ich in den letzten Wochen, in denen ich über den Gedanken dieser Demokratischen Wahrheit nachdenke, die Idee nicht nur unsympathisch, dass Wahrheit über demokratische Prozesse bestimmt werden könnte. Sie macht mir auch Angst, wenn ich ehrlich bin.Ich weiß die Wahrheit nicht, sie ist mir entzogen, ich werde, so hoffe und glaube ich, nach meinem Leben in dieser Welt die Wahrheit erkennen. Aber ich bin mir sicher, dass es eine Wahrheit gibt. Und dass mein Gott sie kennt und dass Gott versucht, sie uns zu zeigen. Was wir in meiner religiösen Tradition mit dem Heiligen Geist zu erklären versuchen.Dieses Wissen, dieses Glauben, diese Hoffnung verhindern, dass ich Wahrheiten auf den Leim gehe, die ihre Legitimation aus einem demokratischen Prozess beziehen. Wie das aber für eine ganze Gesellschaft funktionieren soll, wenn einmal die Demokratie "losgelassen" ist, weiß ich nicht. Und ich fürchte, dass wir uns als Gesellschaft daran werden gewöhnen müssen, dass es mehrere demokratische Wahrheiten gibt.Was für ein Grauen.[...]



Murmeln

2017-02-03T16:11:03.376+01:00

Zuerst hielt ich es für etwas albern, aber habe trotzdem mitgemacht, denn es passte andererseits in die Situation. Inzwischen freue ich mich jeden Tag daran.Weihnachten hatten wir es endlich einmal geschafft, in die sehr schöne Kirche bei uns in Eutin zu gehen. Der Propst predigte und der wunderbare Kirchenmusiker leitete seine erstaunlich jung klingende Kantorei. Was tolle Musik doch für einen Unterschied macht in einem Gottesdienst, vor allem die Orgelvorspiele von Martin West (der, kaum dass wir ihn entdeckten, in den Ruhestand ging, Pech), die mich an die inspirierende Zeit von Klaus Vetter in Bramfeld erinnerten.Zu Beginn der Weihnachtspredigt ließ der Propst den Klingelbeutel rumgehen – und jede Besucherin sollte sich eine Murmel rausnehmen und gut festhalten. Irritation in den Kirchenbänken war garantiert.Sinngemäß sagte er: "Nehmen Sie die Murmel mit. Stecken Sie die in die Tasche. Und wenn Sie darauf treffen in den nächsten Tagen, erinnern Sie sich daran, wie es war, ein Kind zu sein, das Leben und die Welt mit Kinderaugen zu betrachten." So ungefähr jedenfalls. Es ging ihm nicht um Weltflucht, im Gegenteil. Sondern um die Freude und das Staunen von Kindern gegenüber der Welt. Und das Vertrauen. Und den Lebensmut und die Hoffnung und Zukunftserwartung, wenn man so will (auch wenn Kinder es nicht so nennen würden).Seit Heiligabend trage ich die Murmel tatsächlich in der rechten Hosentasche mit mir herum, packe sie ganz gewissenhaft aus und wieder ein, in Jeans, in Anzughosen, sogar in Reithosen. Und spüre ihr nach über den Tag hinweg. Und jedes Mal, wenn ich die Murmel anfasse, erinnert sich etwas in mir daran, was sie mir sagen will.Das Verrückte ist, dass es funktioniert. Ich weiß, ich werde sie irgendwann verlieren, werde sie mit Kleingeld, das ich in der gleichen Hosentasche mit mir rumtrage, herausziehen und fallen lassen, sie wird unter einen Schrank rollen oder in einen Gulli. Bis dahin aber passe ich auf sie auf. Und erinnere mich daran, was Gott Noah versprochen hat. Und dass es sich lohnt zu leben und zu arbeiten. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass eine Kleinigkeit wie diese Murmel wertvoll für die ersten Wochen dieses Jahres, für die Weihnachtszeit, die gestern zu Ende ging, sein könnte. Dass sie einen Gedanken weiterträgt in mein Leben, den jemand in einer Situation in mich gepflanzt hat, in der ich dafür aufnahmebereit war. Und dafür bin ich dankbar.Und werde versuchen, die Murmel, so lange es irgendwie geht, eben gerade nicht zu verlieren.#DNKGTT[...]



Sondersteuer für Frauen

2017-02-03T16:15:07.328+01:00

Obwohl ich selbst Pferde halte und ein bisschen züchte, war ich lange unentschieden in der intensiven Diskussion um die Pferdesteuer. Grundsätzlich irgendworauf Steuern zu erheben, ist ja ok (wenn man wie ich Steuern und die Finanzierung staatlicher Aufgaben sinnvoll findet).

Inzwischen bin ich überzeugt, dass es eine schlechte und sogar dumme Idee ist. Vor allem aus drei Gründen:

1. Das Neid-Argument.
Es stimmt einfach nicht, dass Reiten und sogar das Halten von Pferden eine "Reichen-Sache" ist. Ja, unter Wohlhabenden gibt es welche, die Pferde auf einem bestimmten Niveau haben oder einen sauteuren Sport wie Polo spielen. Aber unter den Ponybesitzerinnen sind viele mit sehr kleinen Einkommen, die sich das Pferd vom Mund absparen oder einen Zweitjob nur für das Pferd haben. Schülerinnen, die alle Geschenke und ihren Nebenjob in ihr Hobby stecken und so weiter. Und die Kinder, die "nur" reiten, geben dafür weniger aus als ein Fitnesstudio kostet und nur wenig mehr als die Mitgliedschaft in einem Sportverein. 
Für alle diese wäre die Pferdesteuer hart und für viele das Ende ihres Sports oder Hobbys. Wenn die Reitstunde von 10 EUR auf 13 EUR steigt (zusätzlich zu den Erhöhungen, die durch die steigenden Heupreise entstehen, die auch politisch induziert sind, weil immer mehr Grünflächen für die Energieerzeugung genutzt werden), dann ist das für Leute wie mich verschmerzbar. Für viele andere aber nicht. 

2. Die Milchmädchenrechnung.
Da die Pferdesteuer eine Gemeindesteuer ist, werden die Betriebe die Gemeinde verlassen. Die Reitställe beispielsweise in Tangstedt (wo die SPD die Steuer durchsetzen will) werden nach Bargfeld gehen oder nach Norderstedt. 
Es kommt also nicht nur keine Pferdesteuer in die Kasse, es brechen auch noch Gewerbesteuern weg. Dumm. 

3. Die Sondersteuer für Frauen.
Das wichtigste Argument aber — weil das dazu führen wird, dass die Gerichte die Steuer am Ende kassieren werden — kommt daher, dass mehr als 80% aller von dieser Steuer Betroffenen Frauen sind. Weil Frauen so extrem viel häufiger als Männer Pferde besitzen. Faktisch ist eine Pferdesteuer eine Sondersteuer für Frauen. 
Dass nur ein Sport mit einer Sondersteuer belegt wird, der fast ausschließlich von Frauen betrieben wird, dürfte eher schwer mit europäischem Recht vereinbar sein. Und sagt darüber hinaus auch viel über die Gedankenwelt der Initiatoren. 



Und dann auch noch Knut Kiesewetter...

2016-12-31T17:11:18.380+01:00

Was war das für ein Jahr. Im ersten Moment geht es wahrscheinlich nicht nur mir so, dass ich es geballt empfunden habe. Vieles, was Angst macht. Mir zumindest. Vieles, was traurig macht. Mich zumindest. Ein nicht mehr zu verdrängender langanhaltender Teil des Weltkriegs, der seit einiger Zeit herrscht. Beängstigende autoritäre Bewegungen und Führer, die ihre Macht autokratisch umbauen oder demokratisch an die Macht kommen. Viele Idole meiner Jugend oder zumindest solche, mit denen ich aufwuchs, starben. Und das alles nur die Vorhut für ein Jahr, das zumindest in meinem Land noch viel schlimmer werden wird und die Gesellschaft zu zerreißen oder zu zerstören droht.

Und dann kam die Weihnachtspost. Und mit ihr etwas, das eine Tradition in unseren Familien ist: die Jahresbriefe. So wie wir auch den unseren kurz vor Weihnachten verschickt hatten. Und in diesen Briefen war von einem ganz anderen Jahr die Rede. Einem, das gut war, in dem viel geklappt hat, Kinder groß wurden, konfirmiert, Abitur machten, geboren wurden. Reisen, die Familien unternommen haben. Neuanfänge und Veränderungen. Neue Beziehungen. Beförderungen. Neue Berufe. Berufseinstiege. Engagement. Hoffnung.

2016 war für sehr viele Menschen in meinem Umfeld, mich eingeschlossen, ein wirklich gutes Jahr. Eines, in dem viel richtig lief in all dem Chaos, das um uns herum herrschte.

Ich will dies nie vergessen. Mich immer wieder daran erinnern, wenn die Verzweiflung oder die Trauer oder die Angst überhand zu nehmen droht. Und die Briefe, die bei uns an einer Wäscheleine hängen, die einmal quer durch die Wohnküche geht, wieder und wieder zur Hand nehmen. Als Zeugnis eines Lebens in Fülle und einer Hoffnung auf einen Sonnenaufgang am Ende der Nacht.

Wie passend, dass die Tage wieder länger werden.

Ein gesegnetes Jahr 2017 wünsche ich euch, eines, in dem ihr immer wieder Hoffnung und Gelingen sehen könnt. In dem wir gemeinsam stark sind in allen Anfechtungen, die kommen und schon zu sehen sind. Erinnert mich daran, wenn es besonders schlimm ist, bitte.

(image)
Und dann ist da die Hoffnung und die Sonne geht wieder auf




Wie Twitter unseren Hund rettete

2016-12-14T16:45:54.021+01:00

terror, m., lat. – Furcht, Schrecken, Angst

Vorbemerkung:
(image) Ich schreibe hier über meine widerstreitenden Gefühle. Über etwas, das mir tatsächlich zu schaffen macht. Das wiederum macht mich verletzlich, ich weiß. Aber da dies Blog ein sehr wichtiger Teil meines Lebens- und Heimatraumes ist, ist es mir wichtig, dies genau hier zu teilen. Darf ich dazu eine einzige Bitte äußern? Wenn ihr - hier oder woanders - darauf antworten wollt, mögt ihr dann auch von euch reden? Und nicht allgemein oder in Beschimpfungen abgleiten oder so was? Ist viel verlangt, aber es ist für mich auch ein Experiment. Dazu, ob ich neben aller Angst auch noch Hoffnung haben darf.
Anderes lösche ich auch, davon mal abgesehen.


Vom Zorn, dem manchmal gerechten

Ich bin leicht erregbar, war ich schon immer. Wenn etwas ungerecht ist oder jemand einfach nicht auf Argumente hören will beispielsweise. Oder wenn ich etwas als böse empfinde. Terror im Wortsinne macht mich zornig. Also wenn jemand Angst und Schrecken verbreitet, ob körperlich oder mit Worten. Ob online oder in der Kohlenstoffwelt. Unredlichkeit macht mich zornig.

In meiner religiösen Tradition kennen wir so etwas wie einen gerechten Zorn. Die Bibel unterscheidet gerechten und ungerechten Zorn. Gott zürnt oft, aber nie ohne Barmherzigkeit. Das ist eher schwer für uns, für mich. Aber aus Zorn entsteht eben auch Kraft, Energie, Aktion. Wenn er ein Ventil findet, wenn er sich auf eine Veränderung richten kann.

Oft rufe ich meinen Zorn hinaus, hier, auf Twitter, woanders. Sage, was mich zornig macht, was terror verursacht oder ich als terror erlebe. Oft gab es in den letzten
Und hier die gesamte Gala, meine Geschichte kommt fast am Ende:

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¡No pasaran!

2016-02-18T22:12:12.110+01:00

Foto von Thierry Ehrmann, cc-by-2.0    Wir Menschen in der PR stehen ja nicht ganz zu Unrecht im Ruf einer recht großen – sagen wir mal – ethischen Flexibilität. Das ist auch ganz ok, weil es die für Beratung auch braucht. Umso wichtiger finde ich es, mich mit meinen Mitarbeiterinnen zusammen immer mal wieder der Grenzen dieser Flexibilität zu versichern. Beispielsweise würde ich nicht für Waffenhersteller oder -händler arbeiten und nicht für die Tabakindustrie. Wobei letzteres für eine Agentur, die einen großen Schwerpunkt im Bereich Gesundheit und Pharma hat, ja eh ausgeschlossen ist.Zugleich gibt es für mich Grenzen dessen, was ich an Positionen und Meinungen akzeptabel finde. Das Leugnen des Klimawandels gehört dazu. Auf Verschwörungstheorien beruhende Impfgegnerschaft auch. Und Roland Tichy. Womit wir beim Thema wären. Nach nur zwei Absätzen.Ich bin ab sofort nicht mehr Kolumnist für das PR Magazin –weil Redaktion und Verlag lieber Roland Tichy als Kolumnisten behalten wollen. Das ist ok, das sagt ja auch was aus. Deswegen habe ich sie ja auch gefragt. Es sagt nicht nur, dass er ein bekannter Ex-Journalist ist und ich nur das Deutschlandgeschäft einer mittelgroßen Agentur leite. Sondern auch, dass die "Positionen", die Tichy seit seiner massiven Radikalisierung vertritt, für Redaktion und Verlag noch zum Akzeptablen gehören.Zu Tichy und dem, was er an Propaganda und Hetze auf seinem Blog verbreitet und - noch radikaler - von anderen verbreiten lässt, kann sich jede durch Lektüre der Seite eine Meinung bilden. Selbst Journalistinnen konservativer Publikationen wie der FAZ erscheint Tichy obskur und rechts. Dabei werden die Frankfurter  von dem unbestritten Konservativen Bernd Ziesemer (den ich seit 15 Jahren sehr schätze, seit wir zusammen auf Podien saßen) gerade als allzusehr mit dem Reaktionären liebäugelnd bezeichnet. Lesenswert finde ich auch die unaufgeregte Analyse bei uebermedien.de. Ich persönlich finde es tragisch und mehr als nur bedauerlich, wie einige frühere Konservative dem Trend der weinerlichen Selbstviktimisierung aufsitzen und ins radikale Lager abwandern. Zusammen mit der wird-man-ja-wohl-sagen-dürfen-Attitüde, die bei erfolgreichen Journalisten, die gar als Chefredakteur Blätter gemacht haben, auch doppelt lächerlich wirkt. Und zusammen mit Verschwörungstheorien, die von einer behaupteten Diktatur (Merkel-Regime) bis zu einer Instrumentalisierung des Wetters (Karneval) gehen. Alle diese Positionen finden sich bei Autorinnen in Tichys Blog reichlich, besonders feiert er selbst ja auf Twitter immer die Artikel von David Berger. (Genau, jenem Ex-Journalisten, der von seinem Verleger als Chefredakteur entlassen wurde, nachdem er nach etlicher Kritik, er sei islamophob, einen Ausschwitz relativierenden Artikel in einen Kanal des Blattes gehoben hatte.)Auch an den Kolumnen, die Tichy für das PR Magazin schreibt, lässt sich die Entwicklung erkennen – sie begannen als "normale" konservative Wirtschafts- und Politikkommentare. Und sind inzwischen bei radikaler, mit Verschwörungstheorien gespickter Hetze angekommen, die sich raunend im Gleichsetzen von Pegida mit der DDR-Bürgerbewegung von 1989 ergeht.Het|ze, die. https://t.co/XocyOFowmn pic.twitter.com/qRdDxevNoM— Wolfgang Lünenbürger (@luebue) February 16, 2016Dass er bei kritischen Nachfragen und Diskussionsversuchen den Nazi-Mob unter seinen Lesern und Twitterfans auf mich hetzt, ist da nur noch eine Petitesse. Dass er das mit Falschzitaten in seinem Blog macht, schon nicht mehr ganz.Ich bin nicht so schnell damit, Entscheidungen und Schnitte zu verlangen. Und ich liebe harte und klare Auseinandersetzungen, habe nicht mal etwas dagegen, wenn es dabei hoch her geht oder auch mal jemand verletzt wird. Oft finden sich Lösungen gerade durch diese Diskussionen. Als jemand, der selbst ein konservativer Gogarten'scher Lutheraner [...]



Deine Schuld, wenn sie so bleibt

2016-02-15T09:36:24.558+01:00

Quarta, 10, ist genervt, wenn dieses Liedchen im Radio läuft. Das singen auch ganz viele in der Schule immer, vor allem die Jungs, sagt sie, ich finde das aber doof.

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Sie vergleicht es mit ihrem Lieblingslied. Dem hier.

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Und dabei kommt sie zu dem Schluss, dass die Ärzte Mut machen. Beide reden darüber, was schief läuft in der Welt, was auch die Tochter schlecht findet. Aber während die einen eben Mut machen, daran etwas zu ändern, wollen die anderen fliehen. Das ist doch bescheuert, um mal eines ihrer Worte dafür zu nutzen.

Wir fuhren im Auto, als sie sich gar nicht wieder einkriegen konnte. Weglaufen ist doch keine Lösung, sagt sie. Das finde ich so toll an den Ärzten, dass sie mir Mut machen. Ich kann doch was ändern. Und muss das auch tun.
___________

Mich fasziniert ja, wie sehr die Ärzte jedes meiner Kinder wieder neu ansprechen. Und ungefähr in diesem Alter. Secundus ist dann irgendwann zu richtigem deutschen Punk weiter gezogen, Tertius war vor allem vom stummen Schrei nach Liebe angetan, das er mit seinem besten Freund des ganzen Tag grölen konnte.

Und mich macht glücklich, dass die Kinder nicht einfach nur deprimiert auf die Welt gucken, sondern sicher sind, dass sie in dieser Welt eine Aufgabe haben. Dass wir also offenbar nicht alles falsch gemacht haben.



Vater sein dagegen sehr

2016-02-08T13:20:01.931+01:00

Ich reibe mir verwundert die Augen. Dinge, über die ich nicht mal reden würde, sind auf einmal "feministische Vaterschaft" (unbedingt die Kommentare ansehen, das ist sehr, sehr traurig). Witzigerweise habe ich mir tatsächlich noch nie Gedanken über so etwas wie feministische Vaterschaft gemacht. Und auch noch nie über die Dinge, die in dem verlinkten Artikel beschrieben werden. Darum war ich zuerst auch so perplex und habe den Text angesichts der Überschrift als "blöd" bezeichnet.Ich kenne Jochen König nicht, vielleicht ist er Feminist. Aber unter der Überschrift doch erstaunlich blöder Text. https://t.co/jpEl5C22tE— Wolfgang Lünenbürger (@luebue) February 8, 2016Das ist aber eigentlich ja unfair. Denn der Text ist, wenn man es genau betrachtet, nicht blöd, er hat nur die falsche Überschrift. Was Jochen König beschreibt, sind Selbstverständlichkeiten, die offenbar nicht selbstverständlich sind. So wie es auch immer noch die Arschlöcher unter den Vätern gibt, die sich als "neue Väter" feiern, weil sie die zwei Monate Elternzeit für eine Weltreise mit Frau und Kleinkind nutzen oder weil sie hin und wieder ihr Kind vom Kindergarten abholen, wenn die böse Mutter sie lässt (alles fein, aber "neue Väter"? Haaalllloooo?). Ich übertreibe unfair, ja, aber ihr glaubt gar nicht, was man so alles erlebt, wenn man mit Leuten zusammen trifft, die sich "neue Väter" nennen oder welche sein wollen oder so. Aber hin und wieder liest man ja auch mal gutes zu dem Thema und nicht nur so einen Blödsinn wie neulich in diesem Spiegeldingens.Feministische Vaterschaft?Was sollte das eigentlich sein? Und: worauf sollte Mann da stolz sein? Ich selbst habe auch erst in der allerletzten Zeit angefangen, mich als Feministen zu bezeichnen. Das kam mir vorher immer eher albern vor. Mein eigenes Aufwachsen, das ich teilweise immer mal wieder hier im Blog beschrieb, war so selbstverständlich feministisch geprägt, dass ich auch wirklich erst auf die Idee kam, ich sei Feminist, als ich die feministische Subkultur verließ, in der ich aufwuchs. Das war ein Schock.Lustigerweise kam er zeitlich ungefähr zu der Zeit, als ich das erste Mal Vater wurde (eigentlich sogar noch später, aber im Erleben dessen, wie ich Vater war, und dem, wie andere Vater waren, entstanden die ersten Risse). Ich habe beispielsweise nie ein Gewese um das gemacht, wie wir als Paar Eltern waren und wie wir gemeinsam anfingen, eine Familie zu sein, darum findet sich auch in meinen Texten und meinem Blog so wenig darüber. Erst später lernte ich, das Erstaunen (und bei den Freundinnen der Frau die Begeisterung) anderer einzuschätzen, wenn wir über unser Leben und unsere Familienarbeit sprachen.Dies hat übrigens nichts, aber auch gar nichts mit der Frage zu tun, wer wie viel der Familienarbeit verrichtet. Das mag einige überraschen - aber auch die Beispiele, die Jochen König anführt, haben nichts zu tun mit der Aufteilung der Arbeiten zwischen den Eltern (also der Verteilung von Erwerbsarbeit und Familienarbeit). Jochen schreibt - und nennt dies Fragen auf dem Weg zu einer feministischen Vaterschaft:Wer bleibt zuhause, wenn das Kind krank ist? Wer wird vom Kindergarten angerufen, wenn es dem Kind nicht gut geht? Wer hat im Blick, wann die nächste Impfung oder Vorsorgeuntersuchung bei der Kinderärztin ansteht und ob sich noch genügend passende Klamotten im Kinderkleiderschrank befinden? Wer geht mit dem Kind neue Schuhe (auch Hausschuhe für die Kita) kaufen? Wer besorgt das Geburtstagsgeschenk für den Kindergeburtstag? Und wer fordert immer wieder Gespräche darüber ein, wie das Ganze aufzuteilen ist?Ich könnte alle diese Fragen für mich beantworten, wahrscheinlich überwiegend so, dass der Eindruck entstünde, ich kümmerte mich um die Familienarbeit - und trotzdem mache ich viel weniger konkrete Familienarbeit als die Frau[...]



Arabischer Frühling, deutscher Winter

2016-02-04T15:40:21.180+01:00

Nein, vor fünf Jahren, das war keine "Facebook-Revolution". Und nein, gerade finden keine "Facebook-Pogrome" statt. Aber es fällt doch auf, wie sehr Social Media mit Veränderungen in der Gesellschaft zu tun haben. So sehr, dass der hellsichtige und intelligente Christian Buggisch sogar von Facebook als Propaganda-Maschine spricht. Und so sehr ich ihm beim Unbehagen zustimme, denke ich, er irrt mit dieser Einschätzung. Oder zumindest mit diesem Wort. Und das hängt mit der Überschrift dieses Textes zusammen, damit, dass ich Gemeinsamkeiten erkenne, auch weit über diese beiden Themen hinaus.Ein kurzer Einschub zu Literatur, die meinem Denken und meiner Analyse zugrunde liegt. Auf drei Bücher sei verwiesen, die mich heute prägen in diesem Zusammenhang. Drei Bücher übrigens, die ich jenseits der wenigen Worte dieses Textes sehr allen denen empfehle, die sich mit Kommunikation und Gesellschaft beschäftigen. Also mindestens allen Menschen, die mit Marketing und PR zu tun haben (wollen): Zum einen Marcuses wirkmächtiges Buch Der eindimensionale Mensch, das vielleicht das wichtigste philosophische Buch des 20. Jahrhunderts war und ohne das meines Erachtens fast nichts zu verstehen ist, was wir heute vorfinden. Brillante Analyse. Zum anderen, auch schon älter, das wichtiges Basiswerk zu Open Source, Raymonds Die Kathedrale und der Basar, das mich seit fast zwanzig Jahren inspiriert. Und zum dritten, das jüngste in dieser Runde, Writing on the Wall von Tom Standage. Dies letzte ist schnell gelesen, macht das unbedingt, sehr erhellend, um Linien zu sehen, wo ihr noch keine seht.Soziale Medien vs lineare MedienNach meiner Beobachtung sehen wir in der Zusammenrottung von Menschen, die eine Pogromstimmung erzeugen, ein Phänomen, das - zunächst einmal wertneutral betrachtet - typisch ist für Umbruchsituationen und für neue Medienformen. Wenn es soziale Medien sind, also Medien, die entlang von sozialen Signalen verbreitet werden (wie Briefe, Flugschriften, Facebook/Twitter), dann ist das meines Erachtens übrigens tatsächlich das Gegenteil von Propaganda, für das die Macht lineare Medien braucht (wie Plakate, TV, Radio). Soziale Medien haben in politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen exakt den gegenteiligen Effekt von Propaganda - nämlich das Sichtbarmachen von Haltungen und Meinungen, die vom vermeintlichen Mainstream abweichen. Was übrigens ja weder gut noch schlecht ist, was diese Meinungen vor allem nicht besser macht als andere. Denn es kann zu Umstürzen in Diktaturen führen (1989, 2011) oder eben zu Pogromen (2016). Was aber passiert durch soziale Medien - und was wir auch in Deutschland gerade erleben - ist das, was ich "Synchronisation von Meinungen" nenne.Deutscher WinterWas wir das gesamte letzte Jahr erlebt haben und gerade aktuell auch für die meisten sichtbar wird, die kaum Menschen in ihren Netzwerken hatten, die sich an der Pogromstimmung beteiligen, ist aus meiner Sicht genau diese "Synchronisierung von Meinungen". Das ist nicht die "Schuld" von sozialen Medien (darum auch meine These, dass es eben nicht "Facebook-Pogrome" oder "Facebook-Faschismus" seien), denn die Meinungen sind ja unabhängig von sozialen Medien da. Aber soziale Medien - und heute eben vor allem Facebook - spielen eine entscheidende Rolle. Und die Stimmung, die wir erleben, die ich bis in Bekanntenkreise und Nachbarschaft hinein erlebe, wäre ohne Facebook so weder entstanden noch möglich.Der Deutsche Winter, den wir gerade erleben, bringt Haltungen und Meinungen an die Oberfläche, die schon seit Jahren da sind. Diejenigen, die sich mit dem verfestigten rechtsextremen Weltbild schon länger beschäftigen, das ein erschreckend großer Teil der Menschen (überwiegend Männer) in Deutschland hat, sind davon nicht überrascht sondern höchstens ein bisschen bet[...]