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Fontanefan





Updated: 2018-02-19T17:31:02.133+01:00

 



Supercomputer zielen auf Hirne von Kindern

2018-02-10T07:58:30.788+01:00

Computeroptimierte Werbung  könnte exploratives Verhalten von Kindern zerstören.In der ZEIT:http://www.zeit.de/2018/07/internet-algorithmen-youtube-kids-videos-facebook"Bridle steht nicht im Verdacht, ein Technikfeind zu sein. Seit seinem 13. Lebensjahr nutzt der heute 30-Jährige das Internet; im Selbststudium hat er sich die Techniken beigebracht, mit denen selbstfahrende Autos funktionieren. Sein Zorn richtete sich auch nicht primär gegen mangelnden Datenschutz oder nervige Online-Werbung. James Bridle, selbst kinderlos, sorgte sich um die Kinder." (ZEIT)"Tristan Harris, der früher als Ethiker bei Google gearbeitet hat, sagte der New York Times: "Die größten Supercomputer der Welt stehen in zwei Konzernen – bei Google und Facebook – und worauf sind sie gerichtet? Wir zielen damit auf die Hirne von Menschen, von Kindern."" (ZEIT)Original:https://medium.com/@jamesbridle/something-is-wrong-on-the-internet-c39c471271d2"As someone who grew up on the internet, I credit it as one of the most important influences on who I am today. I had a computer with internet access in my bedroom from the age of 13. It gave me access to a lot of things which were totally inappropriate for a young teenager, but it was OK. The culture, politics, and interpersonal relationships which I consider to be central to my identity were shaped by the internet, in ways that I have always considered to be beneficial to me personally. I have always been a critical proponent of the internet and everything it has brought, and broadly considered it to be emancipatory and beneficial." (Bridle in Medium)In der ZEIT:Das Geschäft mit KindervideosDie Kritik, die hier geübt wird, ist etwas anderes als die Kritik daran, kritiklos auf die Leistung von Computern zu vertrauen, oder die Warnung vor der Verführbarkeit unserer intellektuellen Elite durch extrem interessante und extrem anspruchsvolle Aufgaben und auch als die Warnung vor der "Wüste Internet", die mediale Erfahrungen an die Stelle von Erfahrungen aus der Lebenswelt setzt. (Es gibt gute Gründe, weshalb es nicht sinnvoll ist, auf einem Planeten mit einer Bevölkerung von etwa 7,5 Mrd. Menschen in denen die Liebe zur unberührten Natur zu wecken. Denn je mehr Menschen diese Liebe entdecken, desto rascher wird selbst die scheinbar unberührte (Klimawandel, Plastik) verschwunden sein. Diese Natur darf also nur medial vermittelt werden.)Hier geht es darum, dass vermutlich Kleinkindern ihr exploratives Verhalten in ihrer Lebenswelt abtrainiert wird und das computergesteuert. Das bedeutete, dass eine Internetsucht erzeugt würde, bevor der in unserer Zivilisation inzwischen für den Durchschnittsmenschen unvermeidliche Umgang mit dem Internet überhaupt einsetzt. Ist auch das eine Kritik, die die großen Segnungen des wertneutralen Werkzeugs Internets verkennt?[...]



Sollte das Internet nicht mehr böse sein?

2018-02-03T19:02:33.180+01:00

Herr Rau schreibt:"[...] Das Internet war plötzlich kein Ort des Bösen mehr, sondern auch ein Ort der Verwirklichung, der Kommunikation und Zusammenarbeit. Das war ja bereits die Sicht der Minderheit, die 2005 im Web war - bevor dann das Internet Massenphänomen wurde und Facebook das Web 2.0 kaputt gemacht hat. Ganz kaputt? Nein, die Urgesteine von damals gab und gibt es immer noch." (Lehrerzimmer 3.2.18)Es lohnt sich, den vollständigen Artikel zu lesen.Ich war damals noch kein Blogger, sondern nur bei Wikipedia und ZUM-Wiki, aber Facebook empfand ich auch (wie die Kultusminister) als einen argen Angriff auf die Privatsphäre. Dazu habe ich 2011 geschrieben:"Facebook lehne ich ab. Die Beseitigung von Privatheit (dazu jetzt auch Computerbild), die Facebook aggressiv betreibt, widerspricht m.E. eindeutig dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung. [...]" (19.11.11)Jetzt haben Google und andere nachgezogen; aber die Vorzüge des Netzes sind weitgehend geblieben.Was schlechter und was besser geworden ist, zähle ich aber nicht auf. Viel zu viel!Bei Gelegenheit äußere ich mich vielleicht zu meinem subjektiven Eindruck.Nur so viel. Dass die Wikipedia inzwischen nicht zu schlecht, sondern für viele Schüler zu anspruchsvoll  geworden ist, hat ebenso Vor- wie Nachteile.[...]



Wie für Wirtschaftskunde geworben wird

2018-02-09T08:29:39.834+01:00

Nicht selten geht es dabei um Lobbyismus*und die Verführung zur Unmündigkeit*.meine Reaktion:Das Wirtschaftsquiz in der ZEIT vom 1.2.2018, S.22 dient vor allem der Einschüchterung, weil die Fragen zu  ökonomischem Denken und zu Steuern, die Sie stellen, vom Durchschnittsbürger selbstverständlich weitgehend falsch beantwortet werden. Wer kennt sich mit dem genauen aktuellen Stand des Arbeitslosengeldes aus, wenn er nicht selbst davon betroffen ist, wer kennt sich mit der Steuerquote von Alleinstehenden in 6 verschiedenen Einkommensstufen aus, wenn er verheiratet ist und sich nur für den Bereich seines Jahreseinkommens interessiert?Dass heute der Absatz von Produkten mehr von Werbung und aktueller Einkommenslage als vom Preis abhängt, weiß man. Ob dennoch nur nach der abstrakten Relation von Angebot und Nachfrage gefragt ist, ist nicht klar. "Schnelles und langsames Denken" kennt nicht jeder und wird so in Fallen gelockt. Ihr Quiz ist ähnlich gut wie dir Frage nach den Rechtschreibkenntnissen von Kultusministern. Für politisches Urteil braucht man weder Rechtschreibkenntnisse noch die genaue Kenntnis über den aktuellen Hartz-IV-Regelsatz.Als Erläuterung dazu:Im Wirtschaftskundeunterricht habe ich jahrelang mit kostenlosem Material vom Bank-Verlag gearbeitet, in dem viele verfälschende Graphiken (Säcke dargestellt, die 9-faches Volumen suggerierten, wo nur 3-fache Menge vorlag; Graphiken, die eine extreme Steigerung vorgaukelten, weil bei Bewegungen im Bereich von 600 und 610 die unteren 590 abgeschnitten waren). Im Textteil gab es Entsprechendes, aber wegen geringerer Anschaulichkeit habe ich die Techniken nicht mehr so genau im Kopf. Für mich war das Anschauungsmaterial, an dem ich Verfälschung demonstrieren konnte. Aber da die korrekten Lehrbücher (aus Kostengründen) überaltert waren, habe ich damit auch Ideologie transportiert. Denn Anschauung (schnelles Denken) geht oft über Aufklärung (langsames Denken). Angesichts der Unterfinanzierung im Bildungsbereich (z.B. Grundschullehrermangel) werden zugelassene Lehrmaterialien weiterhin veraltet sein. Und sich stets aktuelle Materialien aus dem Internet zu holen verbietet sich für die meisten Lehrer nicht nur wegen der fehlenden Computer (alles auszudrucken kommt zu teuer), sondern auch wegen des Arbeitsaufwandes aufgrund unzureichenden Angebots in Bildungsservern.Wie sich einseitiges Unterrichtsmaterial flächendeckend auswirkt, kann man sich leicht ausmalen.  Trotzdem dazu noch ein Kommentar aus der ZEIT:  Ein Kniefall vor den Arbeitgebern ZEIT online 16.11.15* und ein paar konkrete Beispiele.* "Dabei wird beansprucht, mit Modellierungen der ökonomischen Verhaltenslehre die soziale Welt zu erklären. Dies soll quasi eine Alternative zu den diskursiven Formen sein, in denen sich die Unterrichtsfächer der politischen Bildung bislang mit ökonomischen Phänomenen auseinandergesetzt haben."Dabei geht es um die Lehrpläne. Das verfälschende Unterrichtsmaterial ist dabei nicht einmal berücksichtigt. *Insbesondere nachhaltiges Wirtschaften wird in der Wirtschaftsdidaktik völlig vernachlässigt. Begriffe wie Ressourceneffizienz ‎ und Kreislaufwirtschaft ‎sind noch nicht in Schulbücher aufgenommen bzw. völlig ohne Kontext. In aktuellen Diskussionen sind sie ständig präsent:  #Ressourceneffizienz, #Kreislaufwirtschaft und tagesaktuell #Dieselskandal (mehr dazu: bei LobbyControl). Dagegen ist #Wirtschaftskunde als Stichwort eher ein Langweiler, der nur von Lobbyisten in die Schulen getragen wird. (vgl. Ein Kniefall vor den Arbeitgebern ZEIT online 16.11.15)Das Planspiel Börse, ein Musterfall von Lobbyismus, beherrscht im Dezember 2017 die Tweets zu Wirtschaftskunde bei denen zu 2018 finden sich  bisher nur meine Tweets.Zum Stichwort Kreislaufwirtschaft:Gegenwärtig überlässt man die Rückführung von Plastik i[...]



Lehrerarbeitszeit

2018-02-12T08:44:35.897+01:00

"Lange Zeit wurde die Ermittlung der Arbeitszeit von Lehrkräften für unbestimmbar gehalten. Die neue Studie kommt jetzt zum gegenteiligen Ergebnis: Sie ist sehr wohl bestimmbar. Und sie ist im Durchschnitt deutlich zu hoch", kritisiert die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. (Spiegel online 29.1.18 zu GEW-Studie)ArbeitszeitbestimmungIch habe es nie fertig gebracht, meine durchschnittliche Arbeitszeit zu bestimmen. Sie variierte zu sehr. Die kurzen Unterbrechungen, die nötig waren, um mich wieder zu konzentrieren, die unterschiedlichen Tätigkeiten beim Lesen (war es privates Interesse oder notwendige Vorbereitung für meine Arbeit, wenn ich mich politisch informierte oder z.B. Studien über Lehrerarbeitszeit las?). Die verknüpften Tätigkeiten beim Aufräumen, beim Organisieren, beim Einkaufen. Klar war mir, dass ich meine Zeit selbst einteilen und mich z.B. um meine Kinder kümmern konnte, wenn ich es für nützlich hielt. Andererseits waren oft über viele Wochen die Wochenenden voll für Korrekturen eingeplant, und Unterrichtsvorbereitungen mussten zurückstehen, wenn wieder Korrekturen, die Ausarbeitung von Abiturvorschlägen und die Korrektur der Abiturvorschläge meines Fachbereichs anstanden.SchneeurlaubWährend ich in meiner Anfangszeit ohne weiteres bis in die Nacht korrigieren konnte, kam es später vor, dass ich bei der zweiten Durchsicht einer Korrektur feststellen musste, dass ich bei dem ersten Durchgang nicht nur etwas übersehen, sondern offenbar im Schlaf weiter korrigiert hatte. Das mir bis dahin unbekannte Wort "Schneeurlaub" fand ich einmal in meiner Schrift am Rande einer Schülerarbeit. Dabei "hätte ich schwören können", "nicht einmal im Traum" fiele es mir ein, solch ein Wort als "Verbesserung" an den Rand einer Arbeit zu schreiben.Natürlich wäre niemand auf die Idee gekommen, mir so etwas zu unterstellen; deshalb kam ich auch nicht in die Verlegenheit, es abstreiten zu müssen. Die Erfahrung bedeutete aber, dass ich entweder mehr Pausen machen musste oder doppelte Arbeit. In der Praxis lief es natürlich auf ein sowohl als auch hinaus und noch weniger Freizeit. Freizeit oder Arbeitszeit?Die Freizeit einer genauen Berechnung meiner Arbeitszeit zu opfern, mag ich mal geträumt haben, wer weiß? Aber ich habe sie lieber verwendet, neue Unterrichtsideen kennen zu lernen, zu recherchieren und mich mit der Formulierung von Wikipediaartikeln zu meinen Fachgebieten zu befassen, wenn ich feststellte, dass es zu einem Sachgebiet etwas gelernt hatte, was dort noch nicht festgehalten war.Da habe ich dann eines Abends bis in den Morgen einen wichtigen Wikipediaartikel, dessen Löschung angekündigt war, umformuliert, umgebaut, ergänzt. Mit Sicherheit keine Unterrichtsvorbereitung, aber die Grundlage dafür, dass ich meine Schüler in die Arbeit mit Wikis einführen konnte, als es noch ganz ungebräuchlich war.  (Wenn ich schon gewusst hätte, dass das Lemma viel zu wichtig war, als dass der Artikel vollständig gelöscht worden wäre, hätte mir das viel Arbeit erspart, mich freilich auch wichtige Lernerfahrungen gekostet.A- B- und C-ZeitenSo viel war sicher: Während Unterrichtsstunden in "schwierigen" Klassen, drohte ich nie, einzuschlafen. Dafür war aber manches Mal am Rest des Tages keine Spannkraft mehr vorhanden, während anregende Stunden die weitere Beschäftigung mit dem Thema zur reinen Freude machten. Und mit Sicherheit habe ich - wenn auch im Rückblick viel zu selten - in einer Zeit, wo ich sehr gut arbeitsfähig gewesen wäre, etwas getan, was ich nur um meiner selbst und gar nicht im Hinblick auf Unterricht getan habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich oft über 50 Stunden in der Woche allein auf die Erledigung von schulischen Aufgaben verwendet habe und dass ich bei anderen Gelegenheiten deutlich unter 35 Stunden dafür aufgebracht habe. Aber immer habe ich es für wichtiger gehalten, meinen Pflichten nachzukommen, als zu überprüfen, wie viel Zeit ich dafür verbra[...]



Haltung, Empörung, Konsens, Verantwortung

2018-01-26T10:39:04.455+01:00

Mehr Haltung als Voraussetzung für einen großen gesellschaftlichen Konsens fordert Nico Hofmann in der zweiten Mannheimer Rede. (Mannheimer Morgen 26.1.2018, S.F4)Recht gebe ich ihm insofern, als eine gesellschaftliche Diskussion nur dann voranbringen kann, wenn auf beiden Seiten Lernbereitschaft besteht (oder entsteht). Abwertung des Widerparts trägt nur zur Spaltung bei.Das ist die gefährliche Entwicklung, die wir gegenwärtig beobachten.Und doch hat Hessel recht, wenn er auffordert: "Empört euch!"Wenn bei den Entscheidungsträgern eine Fehlentwicklung entsteht, besteht zunächst keine Gesprächsbereitschaft mit Kritikern. Dann braucht es einen "Aufschrei" der Empörung, damit das Gespräch erst in Gang kommt.Ein Musterbeispiel ist Stuttgart 21.* Die Empörung führte zu einer Mediation mit einem - angesichts des damaligen öffentlichen Kenntnisstandes - vernünftigen Konsens.Der entscheidende Fehler passierte, als die Entscheidungsträger sich - angesichts neuer, ihre Kritiker bestätigender Erkenntnisse - über die Vereinbarung (4,5 Mrd Höchstkosten) hinwegsetzten und selbst jetzt bei geschätzten über 8 Mrd nicht die Kraft zum Aufhören aufbringen.Da ist es dann zu spät für Gespräche. Dann müssen die Entscheidungsträger zur Verantwortung gezogen werden. (Weshalb das nicht geschehen ist, ist ein eigenes Thema.)*mehr dazu: Wikipediaartikel;   Fontanefans SchnipselVideo mit Kurzauschnitten und Kurzcharakterisierung der Gesamtaussage.unter anderem:Soziale Medien als "Abfallgrube de eigenen Emotion", aber auch Voraussetzung für die Entstehung von großen Debatten. [von Hofmann nicht ausdrücklich genannt: #MeToo und #Aufschrei]Schriftliche Kurzdarstellung zur Rede:"Im Zentrum der "Mannheimer Rede" spricht Nico Hofmann von den Zusammenhängen zwischen Geschichte und dem Bewusstsein, das wir ihr gegenüber entwickeln. "Ich bin der festen Überzeugung, dass es ohne eine Beschäftigung mit unserer Vergangenheit und ein Lernen daraus kein Verständnis für die Probleme der Gegenwart und vor allem keine seriöse Gestaltung von Zukunft geben kann", sagt er. Er halte es für dringend geboten, "dass wir nicht aufhören, uns darüber bewusst zu werden, mit welcher Vorgeschichte und auf welcher geschichtlichen Basis die Gesellschaft, in der wir leben und die wir täglich weiter gestalten müssen, aufgebaut ist." Hofmann betont: "Ich halte es geradezu für eine Verpflichtung, dass wir die Deutung dieser Geschichte – auch und besonders, was die Zeit des Nationalsozialismus angeht – dabei nicht den Populisten überlassen.""Aussagen von Björn Höcke sind brandgefährlich"Wenn Gruppierungen wie die AfD anfingen, Terrains unserer Geschichte "nach ihrem Belieben wieder nationalistisch zu belegen" und mit "einem Gedankengut zu unterfüttern, das es in leidvoller Weise schon einmal gab", dann müssten Menschen wie Hofmann, die sich mit demselben Themenspektrum beschäftigen und über öffentliche Aufmerksamkeit verfügen, öffentlich Position beziehen.Nicht nur, so Hofmann, weil er die Ansichten der AfD ablehne. Auch, so sagte er, "weil ich Aussagen, wie wir sie von jemandem wie Björn Höcke hören, für brandgefährlich halte." Seiner Meinung nach bedienen sie "genau die Mechanismen der Menschenverachtung und der Ausgrenzung, die schon einmal zu Faschismus und Verfolgung geführt haben." Auf diese Weise würden sie auch genau die nationalistischen Ressentiments schüren, die Europa und die Welt schon einmal ins Unglück gestürzt hätten.Zum Schluss seiner Rede spricht Hofmann dann über die Diversität in unserer Gesellschaft, die "bunt und vielfältig" sei, "offen und durchlässig", und auch über intellektuelle Debatten. Schade sei, dass sich "Vielfalt in vielen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens noch längst nicht so abbildet, wie es notwendig wäre." Dafür müsse jeder Einzelne beitragen. Hofmann: "Dafür zu sorgen, dass sich das ändert und dass wir unsere Gesellschaft auc[...]



BLOGPARADE: Ein wunderbarer Moment im Referendariat

2018-01-21T23:35:44.762+01:00

Angeregt durch Bob Blume


Meine erste Überlegung: Den gab es nicht:
Eifrige Schülerinnen, die so viel fragten, dass das Tafelbild am Schluss aus zwei Wörtern bestand. 
Ein Studienseminarleiter, der deshalb behauptete, er könne die Stunde nicht beurteilen. Eine Mentorin, die mich danach aufbaute.
Engagierte und sehr fähige Mentoren, die über Jahrzehnte hin Freunde geblieben sind, obwohl ich neun Jahre im Ausland war. 
Ein Zwischending von Planspiel und Simulation einer Nahostkonferenz, das so weit gelang, dass ein Referendar von mir es später auch durchführte, nur deutlich besser als ich.

Lauter nette, hilfreiche Leute, aber einen wunderbaren Moment, der, dargestellt, heutige Referendare ermutigen könnte. Ich glaube, der wird mir nicht einfallen. Denn damals war das Referendariat offener organisiert, und wir haben noch Vorstellungen von einer Lehrerrolle entwickelt, die heute als völlig utopisch gelten würden. 
Aber es ist ja noch Zeit bis zum 31.1., und da kann ich noch viele Nächte darüber schlafen.

Doch es gab wunderbare Momente, nur sind die mir nicht im Zusammenhang mit dem Wort Referendarzeit eingefallen. 
Zum einen die Liebe meines Lebens. 

Zum anderen der Lehrer meines Lebens. Über den will ich schreiben.

Er war krank geworden, und ich hatte als Vertretung für ihn den Deutschunterricht übernommen. Damals war es möglich, Salinger im Deutschunterricht zu behandeln. Damit glaubte ich einen schülernahen Stoff gefunden zu haben. Es lief aber ziemlich zäh.
Dann kam der Lehrer wieder. Ich konnte vom Unterrichten zum Hospitieren übergehen.
Stoff war der Woyzeck. Dazu hatte ich an der Uni an einer Lehrveranstaltung teilgenommen.
Der Lehrer begann mit einem ausführlichen Lehrervortrag, weit über dem Niveau dessen, was ich an der Uni erlebt hatte.
"Das geht über die Schüler hinweg", dachte ich, "ich kenne doch die Schüler". Aber nach dem Lehrervortrag ging das Unterrichtsgespräch auf diesem Niveau weiter. 

Danach habe ich dann erlebt, wie in einer Klasse anhand eines Readers von Senghaas zur Friedensforschung die neuen Entwicklungen der internationalen Friedensforschung nachvollzogen wurden. Ich war beeindruckt, hatte ich mir doch kurz zuvor dies Gebiet im Hochschulbund für Friedensforschung erarbeitet.
Dann kam ich in den Unterricht des Lehrers. Ich kann mich an keine Textgrundlage erinnern, aber das Unterrichtsgespräch behandelte genau diese aktuellen Probleme, und es war ein Gespräch.

Ich habe später ausgezeichnete Lehrer erlebt, zu denen ich jeden Schüler nur beglückwünschen könnte. Aber irgendwie konnte ich nachvollziehen, weshalb sie so gut waren. Bei diesem Lehrer ist es mir ein Geheimnis geblieben. Was in seinem Unterricht passierte, war ein Wunder.

Als rationale Erklärung kann ich anbieten, dass ich noch nichts von Unterricht verstanden hätte. 
Aber ein wunderbares Erlebnis war es. 
Freilich nichts, was mir vermittelt hätte, dass ich jemals auch so etwas könnte. 

Aber es spricht viel dafür, dass ich in meinem Lehrerleben, obwohl es da auch Gelungenes gab, je wieder so wunderbare Momente erlebt hätte.



Demokratie und Verantwortung

2018-01-25T23:40:34.870+01:00

Die SPD müsse Verantwortung übernehmen und eine deutsche Mehrheitsregierung ermöglichen, damit Europa wieder handlungsfähig werde, wird gesagt. Dafür müsse sie mit der Union Koalitionsverhandlungen aufnehmen. An dem gemeinsamen Beschluss der CDU/CSU eine "atmende Obergrenze" für die Aufnahme von Flüchtlingen festzulegen sei freilich nicht zu rütteln.Der Zukunftsforscher Jørgen Randers vom Club of Rome argumentiert, Demokratie verlangsame Entscheidungen oft um Jahrzehnte. Verzögerte Entscheidungen könnten aber über das Wohlergehen und das Überleben von Milliarden von Menschen entscheiden. Daher sieht er es positiv, dass in China, wo bei der nachholenden Wohlstandsentwicklung der ökologische Fußabdruck sich sehr schnell vergrößere, aufgrund der Parteidiktatur Entscheidungen im Sinne des Umweltschutzes schneller durchgesetzt werden können.*Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi antwortet auf Fragen zum Schicksal der in Myanmar verfolgten Rohingya ausweichend. Wie weit trägt sie für das Schicksal der Rohingya Verantwortung, wie weit der Präsident Myanmars Htin Kyaw, wie weit die Militärs, die bis zum Demokratisierung die volle Entscheidungsgewalt hatten und sie nur zum Teil abgegeben haben? Oder sind es die handelnden Generäle vor Ort? Wie weit sind politische Entscheidungen in Myanmar von China abhängig, auf dessen Investitionen Myanmar angewiesen ist? Wer trägt die Verantwortung für das Schicksal der 400000  Rohingya, die nach Bangladesch geflohen sind?Wie sind individuelle Menschenrechte gegenüber dem Allgemeinwohl zu gewichten? Die Frage stellt sich bei der Abwägung zwischen dem Asylanspruch eines Verfolgten und dem Interesse einer Gesellschaft an der Aufrechterhaltung der vorhandenen Ordnung, aber auch bei der Frage, ob ein von Terroristen gekidnapptes Flugzeug abgeschossen werden darf. Die Auffassungen differieren dabei zwischen westlichen und asiatischen Ländern, aber auch zwischen herrschenden Eliten, Reformern und Revolutionären innerhalb Asiens. Aber auch in westlichen Ländern wird zunehmend im Blick auf Klimawandel und Umweltschutz die ein Vorrag individueller Menschenrechte gegenüber dem Allgemeinwohl in Zweifel gezogen.* *"Die Botschaft »Grenzüberziehung aufgrund verzögerter Entscheidungen« von GdW stößt nicht auf breites Verständnis. Das war vor einer Generation nicht überraschend, denn 1972 (als der menschliche ökologische Fußabdruck etwa halb so groß war wie heute) wurde es als ziemlich undenkbar gesehen, dass sich die Weltgesellschaft erlauben würde, über die nachhaltige Tragfähigkeit des Planeten hinaus zu wachsen. […] Kluge Politik muss sicherstellen, dass der menschliche Fußabdruck keine nicht-nachhaltige Größenordnung annimmt. Das bedeutet, von Expansion abzusehen, die einen nur kurzfristigen Vorteil brächte. Dies ist schwierig in einer Demokratie, die von kurzfristig denkenden Wählern bestimmt wird, und in Märkten, die von kurzfristig denkenden Investoren dominiert werden." (Randers: 2052, S.359-361)*"Wir werden zu lange dem Ideal verhaftet bleiben, dass individuelle Rechte Priorität gegenüber dem Allgemeinwohl genießen, eine Sichtweise, die in einer immer dichter gedrängten Welt immer weniger hilfreich sein wird." (Randers: 2052, S.58)Im Blick auf die Globalisierung wird die Verantwortung nationaler Regierungen wie auch einzelner Personen nicht allein auf das Wohlergehen einzelner Gruppen oder Staaten bezogen sein dürfen. Andererseits wird diese Verantwortung nur in besonderen Ausnahmefällen im Sinne eines militärischen Schutzes (Schutzverantwortung oder resposibility to protect) einer Gruppe vor staatlichen Übergriffen interpretiert werden dürfen. Umstritten ist z.B. der internationale Militäreinsatz in Libyen 2011, obwohl er zumindest teilweise durch eine UNO-Resolution gedeckt war. [...]



Wechsel im Vorstand - ZUM im Wandel

2017-11-21T07:30:35.931+01:00

Karl Kirst scheidet aus dem Vorstand der ZUM aus, Ralf Klötzke steigt ein.Wenn man das Wichtigste dazu wissen will, liest man Karl Kirsts Blogbeitrag über das, was er in der ZUM geleistet hat, und sieht sich das DSD-Wiki an, das Ralf ganz allein aufgebaut hat, außerdem seinen Blog Landeskunde und im DAF-Wiki die Seiten Fortbildung sowie seine Benutzerseite R.Kloetzke. Unvollständig wäre das Bild freilich ohne einen Blick in das ZUM-Willkommen.de Wiki, das seine Entstehung der Zusammenarbeit von Ralf Klötzke und Karl Kirst verdankt.Für mein Gefühl ist aber selbst das viel zu wenig. Daher möchte ich dem kurz meine persönliche Sicht der Entwicklung der ZUM hinzufügen. Wenn ich dabei allzu sehr in Hochglanzbroschürensprache verfallen sollte, bitte ich um Verständnis. Meine persönlichen Gefühle gehören meiner Meinung nach nicht in diesen Blog, und ohne die droht jedes Lob klischeehaft zu werden.Wer die ZUM* kennt, weiß, dass sie zum einen auf der mehr oder minder stark koordinierten Arbeit von sehr vielen überaus engagierten Lehrern beruht, aber auch, dass sie nicht das hätte werden können, was sie in 20 Jahren geworden ist, wenn es nicht zwei Personen gegeben hätte: Margit Fischbach und Karl Kirst.Als Margit Fischbach 2012 für ein Youtube Video erzählt hat, wie die ZUM zustande kam, hat es mir schon sehr imponiert. Doch erst jetzt nach weiteren fünf Jahren bin ich mir so recht bewusst geworden, was für eine unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte die ZUM dank ihrer Gründerin Margit Fischbach erlebt hat.Wie kommt es zu einer erfolgreichen Internetinstitution? Die Gründer sind jung, männlich und Informatiker. Margit Fischbach war eine gereifte Lehrperson, weiblich und hatte die Fächer Geschichte und Latein.Und welche Schwierigkeiten waren damals alle zu bewältigen. Damals schien es unmöglich, dass sie es schaffen konnte, und von heute ist es immer noch kaum nachzuvollziehen. Freilich die Personen, die nach zwei Jahren einer Zentrale für Austausch von Unterrichtsmaterialien zu ihr gestoßen waren, waren auch nicht ohne.Und als im Zeichen von Wikipedia die Zeiten stärker in Richtung Kooperation standen, fand sich Karl Kirst, der im ZUM-Wiki das geleistet hat, was in der deutschen Wikipedia von 200 Administratoren nur unvollständig bewältigt wird, nämlich zum einen Ordnung gewahrt und Vandalismus verhindert, vor allem aber einen kooperativen Umgangsstil entwickelt, der es zu einer Freude macht, dort zu arbeiten. (In der Wikipedia muss man deutlich abgehärteter sein oder in Cliquen zusammenarbeiten, um sich gegen mancherlei nervraubende Attacken zu sichern.)Was ein Glück für das ZUM-Wiki und dann für die ZUM insgesamt war, war die Sorge der Mitarbeiter in der ZUM-Wiki-Family.  Kann Karl die unglaubliche Leistung, die stark wachsende Familie der Wikis auf ZUM.de zusammenzuhalten, neben seinem Beruf unbeschadet überstehen?Und können die Wikis überstehen, wenn er nicht mehr überall seine ordnende Hand hat.Und dann ist es gelungen. Karl, ein Netzwerker par excellence, hat so viele ausgezeichnete Leute für die Mitarbeit im Vorstand gewinnen können, dass auch die, die es sich vorher nicht vorstellen konnten, hoffnungsvoll in die Zukunft der ZUM schauen können.Karl hätte man gewünscht, dass er sich früher aus er Arbeit der ZUM hätte zurückziehen können, der ZUM muss man wünschen, dass er es nicht vollständig tut. Aber auch das könnte die ZUM verkraften. Das zeigt sich daran, dass mit Ralf Klötzke eine weitere hoch erfahrene Spitzenkraft hinzugewonnen werden konnte.* Video über die ZUM auf Youtube[...]



Eindrücke vom ZUM-Treffen 2017

2017-11-28T19:32:04.684+01:00

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."

Es ist schwer, kein Vertrauen zu haben, wenn ein Vorstand, der so unterschiedlich zusammengesetzt ist nach Temperamenten, Fachrichtungen, Schulformen und inhaltlichen Schwerpunkten so gut zusammenarbeitet, aufgeschlossen ist für Kritik und immer mehr Mitglieder außerhalb des schulischen Umfeldes für die ZUM hinzu gewinnt.
Hier der Rechenschaftsbericht des ZUM-Vorstandes

Neidisch wurde ich freilich auf die überaus konstruktive Kritik, die formuliert wurde (Matthias!), nicht so sehr aus Sicht des Vorstandes, sondern aus Sicht eines Mitglieds. Denn wenn ich so leidenschaftlich ein Ziel vertrete, fällt es mir schwer, mich in den Formulierungen so zurückzunehmen, wie es Matthias fertiggebracht hat.
Schwer vorstellbar, dass dieser Vorstand den Hinweis nicht sehr ernst nimmt und genau überdenkt.

Schwer fällt es mir auch, den Eindruck zu unterdrücken, dass ich in eine Elite hineingeraten bin, in die ich nicht recht passe. Nur dass diese Elite sich so wenig elitär gibt, dass ich mich dennoch wohl fühle, weil ich ja durch meine Teilnahme zu der Buntscheckigkeit und damit zum "schönen, wichtigen, bunten Fleck" der ZUM (David Klett) beitrage.

Weil aber die Erwartungen an die ZUM so hoch - "die kommenden Jahre entscheiden" (ciffi) und vielseitig sind, bin ich sicher, dass auch der neue Vorstand nicht alle Erwartungen erfüllen kann und dass er zumindest - wie auch dieses Jahr - so manchen Zeitplan nicht einhalten kann.

Das braucht aber nicht problematisch zu sein, wenn es gelingt, dass an den Schulen der Geist der Zusammenarbeit noch mehr wächst und von den Anregungen mehr aufgegriffen wird als nur das ZUMpad. Dass da ein Bedarf getroffen worden ist, ist eindeutig.

Ganz besonders wichtig erscheint mir, dass der folgende Schülerwettbewerb aufgegriffen wird:

Schülerwettbewerb Erinnerung sichtbar machen 
(https://www.zum.de/portal/Erinnerung-sichtbar-machen-80-Jahre-Reichspogromnacht-2018)

Denn idealerweise wäre sein Ziel ja, dass jede Erinnerungsstätte an Reichspogromnacht und Judenverfolgung erfasst würde. Und wenn das auch nicht schon am Ende des Wettbewerbs im November 2018 erreicht werden kann, wäre es doch wichtig, dass bis dahin dieses Ziel wenigstens allgemein bekannt wird.
In diesem Sinne bitte ich um Weitersagen.





Was mich hoffnungsfroh stimmt

2017-11-28T20:14:08.578+01:00

Stimmen zu 20 Jahren ZUM20 Jahre ZUM     1997-2017      ZUM.deRechenschaftsbericht des ZUM-Vorstandes zu 2016/17Bericht des ZUM-Teams über das TreffenDie Tweets zeigen Höhepunkte der Tagung auf. Sie war - wie üblich bei ZUM-Treffen - inspirierend.Hier setzt ich nur noch die wichtigsten Links hin, auf die ich während der Tagung hingewiesen wurde, sowie wenige Fotos.Schülerwettbewerb Erinnerung sichtbar machen (https://www.zum.de/portal/Erinnerung-sichtbar-machen-80-Jahre-Reichspogromnacht-2018)DaFWEBKONWebkonferenz für Deutschlehrendewww.dafwebkon.comOpen-Data SchulprojektTeachsamteachsam.deOER: edu-sharing.netedu-sharing.netOER SongYoutubevideo zur Geschichte der ZUM20 Jahre ZUM und OERMartin Lindner: "Die Bildung und das Netz" wurde von der ZUM gefördert.Interview mit Martin LindnerSchmerlenbachBericht über die Anfänge von 1997Ehrung der anwesenden GründungsmitgliederBild im Kreuzgang: Sola...la...?!Foto von @Bingenberger [...]



"Lasst alle Hoffnung fahren!"

2017-11-12T09:33:23.772+01:00

Gerhart Hauptmann hat eine sorglose Kindheit verbracht, wo ihm die Eltern alle Freiheit ließen und er als Bürgersohn von der Dorfjugend anerkannt sich als Bandenführer stark fühlen konnte und andererseits das Kunststück fertig brachte, die geistigen Anregungen der bürgerlichen Welt zu erhalten und sich gleichzeitig als Angehöriger zu Unterschicht zu fühlen und in ihren Kreisen zu leben. Als er - von der Dorfschule kommend, wo er nichts gelernt hatte, aber auch nichts zu lernen brauchte - nach Breslau an die Realschule kommt, wird er zum Schulversager. Er erlebt dann eine Zeit in der Landwirtschaft, die er erst als Befreiung und bald als wiederholtes Scheitern erlebt.Er erlebt immer wieder Aufschwünge, auf die Abstürze folgen. Seine Hoffnung, er könne ein großer Bildhauer werden, führt ihn an die neue Breslauer Kunsthochschule, wo er, ohne irgendwelche Fortschritte zu machen, ins Bummelantentum verfällt und Schulden macht und sich durchhungert, um abends bei Bier und Tabak mit seinen Genossen zusammensitzen und über Kunstideale reden zu können. Nachdem er an einem Zwischenfall aufgezeigt hat, wie auch moralisch heruntergekommen die Kreise waren, in denen er verkehrte, schreibt er dann:"Ein häßlicher Gemeingeist des rettungslos Mittelmäßigen in der Schule wirkte sich in dem Bestreben aus, nach Möglichkeit alles zu entmutigen, herabzustimmen, zu hindern, zu lähmen, was einen höherstrebenden Zug mit Hoffnung zu verbinden schien. Man konnte sich seiner nur schwer erwehren. Da hieß es: »Sie wollen ein Rauch, Sie wollen ein Hähnel werden! Bilden Sie sich nur das nicht ein! Sagen Sie nur gleich Michelangelo!« Immer wieder vernahm man die Worte: »Sie werden sich schön in die Nesseln setzen!« oder: »Bilden Sie sich nur das nicht ein! Machen Sie sich nur keine Hoffnungen!« – Die Nesseln aber, sie waren das Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit. Das, was man sich nicht einbilden sollte, war: ein großer Künstler zu werden, will heißen, überhaupt ein Künstler zu werden, da doch, genaugenommen, man entweder ein großer Künstler oder gar keiner ist. »Sagen Sie nur gleich Michelangelo!« sollte eine allgemeine Höhe bezeichnen, in die hinaufzustreben erwiesener- und anerkanntermaßen für einen Menschen unserer Tage Irrsinn sei. »Machen Sie sich nur keine Hoffnungen«: »Lasciate ogni speranza!« Dante hat diese Worte über dem Eingang zur Hölle gefunden."(Gerhart Hauptmann: Das Abenteuer meiner Jugend, 1937)Die Hoffnung - bei ihm belebt durch die immer wieder erneuten Aufschwünge durch geistige Anregungen und Anerkennung - hält ihn in aller Not und aller Verwahrlosung aufrecht. Und die Hoffnung brauchen wir für uns und für die, für die wir verantwortlich sind.Wenn wir diese Hoffnung aufgeben, verstoßen wir uns und die, denen wir weiterhelfen wollen, in die Hölle. mehr dazu:Auszüge aus "Das Abenteuer meiner Jugend"Volltext: Das Abenteuer meiner JugendHauptmann hat diesen autobiographischen Text im Alter von 66 bis 73 Jahren verfasst. Begonnen in der Weimarer Republik zur Zeit der Weltwirtschaftskrise wurde er in der NS-Zeit nach der Berliner Olympiade und dem Einmarsch ins Rheinland herausgegeben. [...]



In einer Bildungseinrichtung kann man nicht nicht didaktisch handeln

2017-10-16T15:13:24.795+02:00

" Das berühmte Axiom von Paul Watzlawick lautet: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Die Begründung ist: Jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) sei Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten könne, könne man nicht nicht kommunizieren.

Entsprechendes gilt nach  auch für Lehren. Wie auch immer man lehrt. Man handelt didaktisch. 
sieh:  Gabi Reinmann, "Das Didaktik-Axiom"






Kinder für Klimaschutz

2017-10-11T21:56:08.554+02:00

Angefangen hat alles mit einem Schulreferat – heute ist Plant-for-the-Planet eine globale Bewegung mit einem großen Ziel: auf der ganzen Welt Bäume pflanzen, um die Klimakrise zu bekämpfen.Zur Geschichte:Die Schülerinitiative Plant-for-the-Planet wurde 2007 vom9-jährigen Felix Finkbeiner gegründet.Inspiriert von Wangari Maathai, die in Afrika in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt hat, formuliert Felix seine Vision, Kinder könnten in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen. Und so auf eigene Faust einen CO2-Ausgleich schaffen, während die Erwachsenen nur darüber reden. Denn jeder gepflanzte Baum entzieht der Atmosphäre pro Jahr ca. 10 kg CO2.2.859.664.398 Bäume sind gepflanzt, es sollen 1 Trillion Bäume werden.2017:Heute sind über 100.000 Kinder weltweit fürPlant-for-the-Planet aktiv.63.000 von ihnen sind Botschafter für Klimagerechtigkeit. Das sind Kinder von 9-12 Jahren, die ihr Wissen auf den Akademien an andere weitergeben und sie ebenfalls zu Botschaftern ausbilden.So erreicht Plant-for-the-Planet möglichst viele Kinder und motiviert sie, für ihre Zukunft aktiv zu werden.Sieh auch: Drei Billionen Bäume vernichtetDer Mann, der die Wüste aufhielt (2012)[...]



Ich war aufgewachsen, wie eine Rebe ohne Stab, ...

2017-10-07T17:23:11.298+02:00

Ich war aufgewachsen, wie eine Rebe ohne Stab, und die wilden Ranken breiteten richtungslos über dem Boden sich aus. Du weißt ja, wie so manche edle Kraft bei uns zu Grunde geht, weil sie nicht genützt wird. Ich schweifte herum, wie ein Irrlicht, griff alles an, wurde von allem ergriffen, aber auch nur für den Moment, und die unbehülflichen Kräfte matteten vergebens sich ab. Ich fühlte, daß mirs überall fehlte, und konnte doch mein Ziel nicht finden. So fand er mich.Er hatt an seinem Stoffe, der sogenannten kultivierten Welt, lange genug Geduld und Kunst geübt, aber sein Stoff war Stein und Holz gewesen und geblieben, nahm wohl zur Not die edle Menschenform von außen an, aber um dies wars meinem Adamas nicht zu tun; er wollte Menschen, und, um diese zu schaffen, hatt er seine Kunst zu arm gefunden. Sie waren einmal da gewesen, die er suchte, die zu schaffen, seine Kunst zu arm war, das erkannt er deutlich. Wo sie da gewesen, wußt er auch. Da wollt er hin und unter dem Schutt nach ihrem Genius fragen, mit diesem sich die einsamen Tage zu verkürzen. Er kam nach Griechenland. So fand ich ihn. [...]O es sind goldne unvergeßliche Tage, voll von den Freuden der Liebe und süßer Beschäftigung! [...]Ach! es kann ja nicht einmal ein schöner Traum gedeihen unter dem Fluche, der über uns lastet. Wie ein heulender Nordwind, fährt die Gegenwart über die Blüten unsers Geistes und versengt sie im Entstehen. [...]Du wirst einsam sein, mein Liebling! sagte mir damals Adamas auch, du wirst sein wie der Kranich, den seine Brüder zurückließen in rauher Jahrszeit, indes sie den Frühling suchen im fernen Lande. Und das ists, Lieber! Das macht uns arm bei allem Reichtum, daß wir nicht allein sein können, daß die Liebe in uns, so lange wir leben, nicht erstirbt.[...]Aber sage nur niemand, daß uns das Schicksal trenne! Wir sinds, wir! wir haben unsre Lust daran, uns in die Nacht des Unbekannten, in die kalte Fremde irgend einer andern Welt zu stürzen, und, wär es möglich, wir verließen der Sonne Gebiet und stürmten über des Irrsterns Grenzen hinaus. Ach! für des Menschen wilde Brust ist keine Heimat möglich; und wie der Sonne Strahl die Pflanzen der Erde, die er entfaltete, wieder versengt, so tötet der Mensch die süßen Blumen, die an seiner Brust gedeihten, die Freuden der Verwandtschaft und der Liebe. [...] (Hölderlin: Hyperion 1797/99, 6. Kapitel, zitiert in Eva-Maria Hagen: Eva und der Wolf, 1998, S.201/02)"Voll Lieb und Geist und Hoffnung wachsen seine Musenjünglinge dem deutschen Volk heran; du siehst sie sieben Jahre später, und sie wandeln, wie die Schatten, still und kalt, sind, wie ein Boden, den der Feind mit Salz besäete, daß er nimmer einen Grashalm treibt; und wenn sie sprechen, wehe dem! der sie versteht, der in der stürmenden Titanenkraft, wie in ihren Proteuskünsten den Verzweiflungskampf nur sieht, den ihr gestörter schöner Geist mit den Barbaren kämpft, mit denen er zu tun hat." (Hölderlin: Hyperion 1797/99,  67. Kapitel, zitiert in: Wolf Biermann: Warte nicht auf bessre Zeiten, 2016, S.142)"BürgerliedOb wir rothe, gelbe Kragen,Hüte oder Helme tragen,Stiefeln oder Schuh’;Oder, ob wir Röcke nähen,Und zu Schuh’n die Fäden drehen –Das thut nichts dazu.Ob wir können decretiren,Oder müssen Bogen schmierenOhne Rast und Ruh;Ob wir just Collegia lesen,Oder ob wir binden Besen –Das thut nichts dazu.Ob wir stolz zu Rosse reiten,Ob zu Fuß wir fürbaß schreitenUnsrem Ziele zu;Ob uns vorne Kreuze schmücken,Oder Kreuze hinten drücken –Das thut nichts dazu.Aber, ob wir Neues bauen,Oder’s Alte nur verdauenWie das Gras die Kuh –Ob wir für die Welt was schaffen,Oder nur die[...]



Zum Zusammenhang von Duzen und Rechtschreibung

2017-09-24T15:39:57.226+02:00

Wolfgang Steinig beschreibt in "Grundschulkulturen" unterschiedliche Lernkulturen. Die informelle orientiert sich stärker an den Bedürfnissen des Kindes, die formelle dagegen stärker an den Anforderungen der Gesellschaft. Auf die Rechtschreibung wirkt sich das insofern aus, als in der informellen Kultur die Rechtschreibung nicht von Anfang an gepflegt wird (man schreibt, wie man spricht), während sie in der formellen von Anfang an eine größere Rolle spielt.
Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass Kinder aus den so genannten bildungsnahen Elternhäusern mit der informellen Schulkultur sehr gut zurechtkommen, während die mit "bildungsfernem" Hintergrund größere Schwierigkeiten haben, einmal entstandene Defizite aufzuholen.
Das liegt nicht nur daran, dass deren Eltern weniger Hilfestellungen geben können, sondern auch daran, dass sie keinen Nachhilfeunterricht finanzieren können oder wollen. 

In der informellen Kultur duzen die Kinder die Lehrer länger, in der formellen werden sie früher zum Siezen angehalten. Beim Duzen spricht man lockerer und unbekümmerter, beim Siezen achtet man mehr auf formale Korrektheit. Das bedeutet dann auch, dass man sich mehr an der Schriftsprache orientiert - eine Hilfe beim Übergang zum Schreiben. 

So gesehen könnte die informelle Kultur für den in Deutschland besonders auffälligen Abstand zwischen den besten und den schlechtesten Leistungen mitverantwortlich sein.

Ich selbst habe bei einem Unterrichtsbesuch in einer 2. Grundschulklasse, in der beim Aufsatz keinerlei Wert auf Rechtschreibung gelegt wurde, ein Heft gesehen, in dem ich keinen einzigen Rechtschreibfehler entdecken konnte. Das konnte nicht dem Unterricht zuzuschreiben sein, sondern da musste es eine zusätzliche Unterstützung gegeben haben. 
Denn Kinder mit einem großen Wortschatz kommen öfter in die Situation Wörter zu verwenden, die nur selten oder gar nicht gelesen haben. 
Wenn eine Lernkultur dazu beiträgt, Kinder mit schlechteren Lernvoraussetzungen zusätzlich zu benachteiligen, gibt es gute Gründe, neue Wege zu suchen.



Wird auch im Internet weniger gelesen?

2017-09-23T11:30:40.969+02:00

Sandra Kegel konstatiert in der FAZ:

"Jedenfalls lässt sich feststellen, dass es kaum noch Bücher gibt, die das ganze Land beschäftigen. Der intellektuelle Resonanzraum schrumpft stetig – und weicht dem Raum für Events. Statt selbst zu lesen, besucht das Publikum lieber spaßige Veranstaltungen in Literaturhäusern oder bei Lesefesten, die längst nicht mehr nur in Großstädten ausgerichtet werden. Damit ist die Literatur im Unterhaltungssegment angekommen, wo sie mit Comedy-Auftritten, Zaubershows und Facebook konkurriert." (Ist das Buch am Ende? faz.net 20.9.17)

In meiner Umgebung wird weniger ferngesehen als Youtube angeschaut. Immer häufiger werden mir statt Leseempfehlungen Hinweise gegeben, ich solle mir eine Sendung ansehen.

Ich lese weit lieber in einem Buch als am Bildschirm, zumal ich ständig am Bildschirm lese. Aber statt dessen unausgereifte Formulierungen anhören, die ich nicht mit copy&paste speichern und verarbeiten kann, will ich eigentlich nicht. Aber ich beobachte an mir selbst, dass ich nach einem gewissen Lesepensum stark ermüde. 
Wird Youtube die Zeitung der Zukunft?



Klare Signale als Voraussetzung für Verhaltenssicherheit

2017-09-11T13:51:12.665+02:00

Mit Rollenspielen zu einer klaren Körpersprache

Podcast mp3

Manuskript  pdf

Wenn ich sehe, wie Lehrer, die Schauspielerfahrung haben, zugleich beliebt und strikt sein können (natürlich nicht nur die), dann denke ich mir, so ein Training hätte mir und meinen Schülern geholfen.
Freilich, es darf nicht unter Erfolgszwang geübt und nicht nach einem Modul abgeprüft werden. Dann könnte es zu leicht auf Überforderung hinauslaufen. Aber Selbsterfahrung und Training in diesem Bereich dürften der Mehrzahl der LehrerInnen mehr bringen als so manches Modul.

Und Schüler brauchen heute offenbar noch mehr als früher klare Signale, um im vielfältigen Informations- und Kommunikationsangebot nicht unterzugehen.

Noch wichtiger ist freilich, dass die Lehrerschaft einer Schule ein Team bildet und eine Schulgemeinschaft aufbaut. (sieh: Hauptschulblues hier, hier und hier)






Jean-Pol Martin: Wir brauchen neue Menschenrechte!

2017-08-14T22:31:44.392+02:00

Ich möchte hier einige zentrale Aussagen von Jean-Pol Martin über die Notwendigkeit einer Neuformulierung der Menschenrechte im Lichte gesellschaftlicher Veränderungen und neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse vorstellen. Das vollständige Manifest findet sich in seinem Blogartikel:  Wir brauchen neue Menschenrechte!"[...] Gestützt auf diese Erkenntnis und auf die Tatsache, dass Planen und Reflektieren zu den Dispositionen und Bedürfnissen des Menschen gehören, sollten bei der Auflistung von Grundrechten neue Prioritäten gesetzt werden. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte entstand entsprechend dem historischen Entstehungskontext in der Tradition der Aufklärung auf philosophischer, idealistischer Basis. Sie stützte sich nicht auf ein wissenschaftlich abgesichertes, kohärentes Menschenbild, aus dem sich logisch ableitbare Handlungsempfehlungen aussprechen lassen. Die Artikel scheinen ihre Reihenfolge und ihre Unterteilung vielfach dem Zufall zu verdanken. Die zentralen Begriffe, allen voran „die Menschenwürde“, oder „die Freiheit“ sind unscharf und lassen großen Spielraum für philosophisch oder theologisch geprägte Interpretationen.Daher sollte bei der Auflistung von Menschenrechten direkt an die Konstitution des Menschen und an seine Bedürfnisse angeknüpft werden.Es werden Forderungen an die politischen Verantwortlichen gestellt.  Diese verändern radikal den Blick auf die Welt.Unter den einzelnen Artikeln stehen die Artikel aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die sich zur entsprechenden Thematik einordnen lassen.Präambel:GlückZiel aller Maßnahmen weltweit ist die Schaffung von Strukturen (wirtschaftlichen, politischen, ethischen), die für ein Mehr an Entfaltung für die Natur und an Glück* für alle Lebewesen sorgen. Die nachfolgenden Artikel bilden dazu Voraussetzungen.Allg. Erklärung: FehlanzeigeArtikel 1: DenkenZentrales Grundbedürfnis des Menschen ist das Denken (Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung).Es müssen alle Bedingungen geschaffen werden, damit alle Menschen Zugang zu Informationen und zur Möglichkeit der Konzeptualisierung erhalten. Optimales Denken setzt die optimale Realisierung der Artikel 2 bis 6 voraus.Allg. Erklärung: Artikel 18, 19, 26, 27Artikel 2: GesundheitAlle Maßnahmen werden weltweit getroffen, damit Lebewesen ihre physiologischen Bedürfnisse befriedigen können. Dies schließt auch das Bedürfnis nach Sexualität ein. Mit der Natur als Reservoir wird sorgfältig und schonend umgegangen.Allg. Erklärung: Artikel 24, 25Artikel 3: SicherheitEs wird weltweit angestrebt, Strukturen zu schaffen, die ein Maximum an Sicherheit für alle Lebewesen sorgen. Mit der Natur wird in diesem Zusammenhang schonend umgegangen.Allg. Erklärung: Artikel 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 17, 22, 28Artikel 4: Soziale EinbindungEs wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen sich in einem sozial stützenden Umfeld bewegen. Es sollen Strukturen geschaffen werden, die Selbstverwirklichung sozial unterstützen.Allg. Erklärung: Artikel  1,  16, 20, 22, 25, 26, 27Artikel 5: Selbstverwirklichung und PartizipationEs wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen alle ihre Potenziale zur Entfaltung bringen. Dabei wird schonend mit der Natur umgegangen. Da die Entfaltung des Einzelnen nur im Rahmen der ihn umgebenden Strukturen erfolgen kann, muss die Möglichkeit bestehen, Einfluss auf diese Strukturen zu nehmen, also zu partizipieren. Die Gesellschaft ist zur Optimierun[...]



Die Flüchtlingskrise in den Medien

2017-07-21T19:23:56.954+02:00

"Die überregionalen Medien haben die Bevölkerung vergessen" Deutschlandfunk 20.7.2017
"Während der Flüchtlingskrise sei zu unkritisch über die Zuwanderung berichtet worden - das ist das Ergebnis einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung"

mehr dazu

Ich freue mich, dass jetzt in einer Studie untermauert worden ist, wovor ich seit Herbst 2015 gewarnt habe und was ich im Februar 2016 ausführlich als Blauäugigkeit kritisiert habe. 
In der Flüchtlingskrise 2015 wurden die moralischen Appelle seitens der Politik und in den zentralen Medien überbetont und die Schwierigkeiten klein geredet. 
Gut ist, dass jetzt ein größerer Realismus in Berichten und Kommentaren eingekehrt ist.
Beschämend ist, dass er nach den Ereignissen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht 2015/16 so schlagartig einsetzte, als wären die Medien zentral gesteuert. 
Und bedauerlich ist, dass der Deal der EU mit der Türkei zu selten realistisch behandelt wird als ein Umschwenken in der Flüchtlingspolitik, das wegen der Überforderung der Institutionen notwendig, aber nicht von den notwendigen Maßnahmen zur Stärkung der Aufnahmebereitschaft von Flüchtlingen begleitet wurde.
Dieser sehr problematische Deal wurde meist entweder radikal verworfen oder nahezu unkritisch gerechtfertigt. 
Ich hoffe, dass die Qualitätsmedien aus ihren Fehlern genügend gelernt haben, dass sie nicht wieder so energisch in die Falle einer törichten Einseitigkeit tappen. 

Natürlich war es ein Segen, dass das Sterben Zehntausender im Mittelmeer in den Blick geriet.
Aber das - politisch verständliche - "Wir schaffen das"  in den Medien unkritisch zu begleiten, war kontraproduktiv.

Es macht mich freilich auch nicht glücklich, dass manche Zeitung frühere Fehler dadurch gut zu machen versucht, dass sie nun dem AfD-Wahlkampf besondere Aufmerksamkeit zuwendet. 



Zur Sicherung der schriftlichen Überlieferung

2017-07-21T17:29:41.621+02:00

Rettung von Bücherschätzen: In guter Ordnung, aber schlechter Verfassung FAZ 18.7.2017
"Wissenschaft und Gesellschaft brauchen beides, das Original und das Digitalisat. Aber weder mit der Bewahrung der Originale noch mit der Digitalisierung der historischen Buchbestände geht es in Deutschland recht voran. Dabei müsste die Sicherung der schriftlichen Überlieferung auf der kulturpolitischen Agenda ganz oben stehen. [...]
Fast alle Nationen empfinden es als ehrenvolle Pflicht, ihre in Jahrhunderten entstandene schriftliche Überlieferung in das gemeinsame Haus Europa einzubringen. Ausgerechnet Deutschland lässt seine Originale unsichtbar in den Magazinen und riskiert ihren physischen Verfall, als ob die deutschen Bibliotheken nicht schon im Zweiten Weltkrieg fünfzehn Millionen Bände verloren hätten. Der deutsche Beitrag zur europäischen schriftlichen Überlieferung, der bisher nur als Underperformance bezeichnet werden kann, muss auch im Online-Portal Europeana erkennbar werden."

Dazu auch:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/gedruckt-oder-digital-e-read-erforscht-das-lesen-14936028.html

Ich habe vor, auf das Thema zurückzukommen, möchte aber jetzt schon darauf hinweisen.



Guter Unterricht

2017-07-19T14:17:46.758+02:00

Lehrer über Inklusion: So könnte guter Unterricht gehen Spiegel online 18.7.17
"Viele Eltern und Lehrer kritisieren die Inklusion - wegen fehlenden Personals und mangelnder Ausstattung. Für Lehrer Philipp Krüger nur die halbe Wahrheit. Er fordert anderen Unterricht."

 Den lieb ich, der Unmögliches begehrt.“ 

Philipp Krüger hat Recht, wenn er einen anderen Unterricht als Voraussetzung dafür fordert, dass Inklusion gelingen kann. Schließlich gibt es Beispiele, wo er möglich ist.

Ich wünsche mir, dass diese Forderung allgemeiner verbreitet wäre und auch in der Lehrerausbildung berücksichtigt würde. Bis dahin aber wird Inklusion ohne zusätzliches Personal bei den jetzigen Organisationsformen nur unter besonderen Umständen erfolgreich sein können. Im Regelfall brauchen benachteiligte Schüler andere Organisationsformen. 
Schüler, die in der Regelschule gescheitert sind, können so schon heute angesammelte Lerndefizite wieder ausgleichen. 




Deutschland als Exportweltmeister und das Flüchtlingsproblem

2017-08-13T21:14:03.508+02:00

Wikipedia Commons, Strich von Fontanefan"If you draw an angled line between Bristol and the Wash, you divide the country into two halves with roughly twenty-seven million people of each side. Between 1980 and 1985 the southern half lost 103,600 jobs. In the northern half in the same period they lost 1,032,000 jobs, alsmost exactly ten times as many. And still factories are shutting. [...] So I ask again: What do all those people in all those houses do - and what, more to the point, will their children do?" (Bill Bryson: Notes from a small Island, S. 212 Copyright 1995)Die möglichen Folgen des Brexit sind dabei nicht eingerechnet. Ich möchte die Frage aber "more to the point" zu einer Linie west-östlich durch das Mittelmeer stellen und mich speziell auf den Handel der EU mit Afrika und auf Deutschlands Rolle als Exportweltmeister beziehen: Was werden die Menschen in Afrika in 20 Jahren tun, wenn wir an unserer Politik festhalten? (Fontanefan)Weiteres zu Deutschland als ExportweltmeisterUnd hier ein Auszug aus einem Blogartikel von apanat vom 1.10.2010:"Den Titel des Exportweltmeisters gegen China verteidigen zu wollen, wäre Rückfall ins 20. Jahrhundert. Es gilt, die Marktnischen zu finden, die der Koloss China bei seiner Aufholstrategie nicht besetzen kann.Für die heutige Bundesrepublik ist ein Festhalten am Gigantismus überholt, und ein Kampf gegen die eigene Bevölkerung, wie ihn China 1989 am Platz des himmlischen Friedens geführt hat, wäre heute selbst für China eine überholte Strategie.„Die gesamte Geschichte, unabhängig von Zeit und Ort, durchzieht das Phänomen, daß Regierungen und Regierende eine Politik betreiben, die den eigenen Interessen zuwiderläuft“, sagt Barbara Tuchmann in ihrem Werk „Die Torheit der Regierenden“.Es steht zu hoffen, dass die, die gestern noch die Polizei zu ihrem Büttel gemacht haben, ihre eigenen Interessen erkennen. Das gilt nicht nur für die Regierungen [...], sondern auch für die Manager multinationaler Konzerne in Europa und Nordamerika.Rund 10 Milliarden DM betrugen die in den Sand gesetzten Investitionen in die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf. Das Festhalten an überholten Verkehrs- und Energiekonzepten würde die Konzerne weit teurer kommen und sie gewiss ihre Konkurrenzfähigkeit kosten."Den EU-Handelsprotektionismus und das Flüchtlingsproblem gab es damals schon längst, nur war es damals noch wenig erfolgversprechend, auch damit zu argumentieren.Eine Nachricht aus Kamen. Dort geht es um einen Flüchtling aus Afghanistan.Damit auch eine Argumentation für Deutschland als Exportweltmeister verglichen werden kann, hier Uwe Jean Heuser "Böser, böser deutscher Export" vom 12.7.2017Dafür aber auch eine sehr klar formulierte Kritik am ExportÜberschuss:Mehr zu Exportweltmeister und Exportüberschuss[...]



Moderne Didaktik - Kompetenzorientierung

2017-07-15T14:14:05.291+02:00

Bildungskatastrophe: Abiturienten scheitern schon am Bruchrechnen Wirtschaftswoche 10.7.2017Die Klage über die Unkenntnis der neuen Generation ist schon Jahrtausende alt. Insofern ist die Kritik eines emeritierten Fachdidaktikers an seinen jungen Fachkollegen kein Wunder.Dennoch sind mit jeder Modernisierung früher beherrschte Fähigkeiten verloren gegangen. Was ein jungsteinzeitlicher Handwerker konnte, eignen sich experimentelle Archäologen heute mühsam an.Mit jeder neuen Zivilisations- und Kulturstufe geht ein Stück Fähigkeit, ohne sie auszukommen, verloren. (Lars Gustafsson: Die Stille der Welt vor Bach)Ich will hier nur an das Problem erinnern, es nicht genauer erörtern. Zu Beginn meiner Studienzeit klagte Walther Killy über den "mittleren Studenten"*. Ich war ein solcher Student und habe doch lange geglaubt, man müsse als Deutschlehrer auch die pädagogische Provinz (Wilhelm Meister) und die Campagne in Frankreich kennen.Zukünftige deutsche Kommunikationswissenschaftler (die Germanistik geht gegenwärtig offenbar in diesem umfassenderen Wissensgebiet auf) werden sicher alle noch Goethe dem Namen nach kennen, aber gewiss nur noch wenige seiner Werke gelesen haben. Früher oder später aber wird die Fähigkeit, flüssig von Hand zu schreiben, nur noch von wenigen Spezialisten der historischen Kommunikationswissenschaft weitergegeben werden.Jede neue Generation wird darüber entscheiden müssen, an welcher Überlieferung festgehalten werden soll und welche man in "Orchideenwissenschaften" im elfenbeinernen Turm verwahrt, bis sie wie heute die Islamwissenschaften wieder brandaktuell werden.Als Pensionär mache ich hier keinen Versuch, ein fundiertes Urteil über Kompetenzorientierung abzugeben.Ich halte nur fest, ich bin alt genug, ihr kritisch gegenüber zu stehen, und zu jung, um zu meinen, dass alles, was einmal zum Mittelstufenstoff gehörte, auch in künftigen Jahrzehnten noch von allen Abiturienten beherrscht werden müsste. (Ich verweise dazu auf das "Säbelzahn-Currikulum"*.)Bruchrechnung war schon lange nicht jedermanns Sache, Es gibt aber immer noch Optimisten, die meinen, dass nicht nur besonders Begabte sie frustfrei lernen können.Manche Sprache, die schon ausgestorben schien, wurde neu belebt; aber gleichzeitig verwandeln sich lebende Sprachen bis zur Unkenntlichkeit.Ich hätte mir als Fünftklässler ("Sextaner") nicht vorstellen können, welche Schwierigkeiten heute hochqualifizierte Journalisten mit der Unterscheidung von Genitiv und Dativ haben. Dabei ist das Deutsche im Verhältnis zum Englischen ja noch stabil; denn es wird nur von - vergleichsweise - wenigen Millionen als Zweit- oder Drittsprache verwendet.Zwei Fragen:Ist die Fähigkeit zur Unterscheidung von Fällen im Deutschen noch eine Kompetenz oder gehört sie schon zur überholten "Stoffdidaktik"?Muss man das Säbelzahn-Curriculum kennen, um zu verstehen, dass schon altsteinzeitliche Jäger kompetenzorientiert lernten, aber auch über einen umfassenden Fundus an Kenntnissen über Pflanzen, Tiere, Geräusche ... hatten. (Auch wenn ihre Pflanzenkenntnis geringer gewesen sein wird als die der Sammlerinnen.)* Der mittlere Student (1963) in: Killy, Walther: Bildungsfragen München 1971*"Aber - aber jedenfalls müssen Sie zugeben, daß sich die Zeiten geändert haben. Könnten Sie es mit diesen modernen Dingen nicht wenigstens versuchen? Vielleicht haben sie doch einen gewissen erzieherische[...]



Kindesmissbrauch

2017-06-15T17:30:18.502+02:00

Es geschieht jeden Tag, jede Nacht ZEIT 13.6.17"Wollen wir erreichen, dass die Zahl der jährlichen Missbrauchsfälle zurückgeht und Betroffene die erforderliche Unterstützung erhalten, darf es ein einfaches "Weiter so" nicht geben. Ich plädiere dafür, dass Bund und Länder gemeinsam mit mir im Jahr 2018 ein neues Programm für den verstärkten Schutz gegen Kindesmissbrauch aufstellen."Kommission zur Aufarbeitung: Zwischenbericht 14.6.17"Kinder haben oft keine oder erst spät Hilfe erfahren, weil Familienangehörige zum Teil lange etwas von dem Missbrauch wussten, sie dennoch nicht davor schützten und handelten.Insbesondere die Rolle der Mütter steht im Fokus. Mütter treten nach den Erkenntnissen der Kommission auch als Einzeltäterinnen auf, aber vorwiegend als Mitwissende und damit als Unterstützende der Taten. Gründe für das Dulden des Missbrauchs sind u.a. Abhängigkeiten, erlebte Rechtlosigkeit, Ohnmachtserfahrungen und Gewalt in der Partnerschaft, jedoch auch die Angst vor dem Verlust des Partners oder der gesamten Familie sowie bereits eigene vorausgegangene Missbrauchserfahrungen in der Familie. In den wenigsten Fällen haben die Mütter ihren Kindern geglaubt und sie vor weiterem Missbrauch geschützt. Hilfe von außerhalb der Familie erfahren Betroffene selten, weil die Familie, als Privatraum gesehen wird. Aufarbeitung muss sich folglich mit der Wirkung gesellschaftlicher Vorstellungen von Familie sowie der Rolle von Eltern und anderen Angehörigen befassen. Zu klären ist auch, welche Bedeutung das Dilemma zwischen dem Schutz der Privatsphäre und der Aufgabe des staatlichen Wächteramtes hat." (Hervorhebung von Fonty)Es reicht nicht, Täter und Mitwisser von Kindesmissbrauch zu verurteilen. Es müssen Strukturen geschaffen werden, wo Kinder Hilfe finden können. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.dazu auch:Aguas BravasEin ErlebnisberichtElisas Not FR 26.4.2010Bodo Kirchhoff über seine Erfahrung als MissbrauchsopferBis zu 700 Missbrauchsopfer bei Regensburger Domspatzen, SZ 8.1.16 Tweets zu #DomspatzenEinstellung zu sexuellem Umgang von Erwachsenen mit Kindern um 1980Link zu allen Artikeln zu sexuellem Missbrauch an Kindern auf diesem Blog[...]