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Never Mind the Markets





Updated: 2018-04-25T03:00:39Z

 



Chinas historische Wende

2018-04-24T10:36:49Z

Lange Zeit sah es danach aus, als ob China immer mehr Kohle verbrauchen würde. Nun gibt es erfreuliche Nachrichten. Der Beitrag Chinas historische Wende erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Arbeiter vor einem Kraftwerk in Peking. Foto: Michael Reynolds (Keystone) Die Entwicklung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre hängt ganz wesentlich davon ab, wie sich die Kohleproduktion entwickeln wird. Die letzten zwei Jahrzehnte waren diesbezüglich wenig ermutigend. China und zunehmend auch Indien fuhren ihre Produktion hoch. 2015 betrug der Anteil der Kohle an der globalen Primärenergie-Produktion (TPES) 28 Prozent gegenüber 24,5 Prozent im Jahr 1971. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung anhand der Zahlen der Internationalen Energie-Agentur. Deutlich sichtbar ist der Anstieg seit den frühen 2000er-Jahren. Wird dieser Aufwärtstrend anhalten? Was die Reserven anbelangt, so ist mit einem starken Wachstum zu rechnen. Gemessen an der heutigen Produktion, reichen die bekannten Reserven für mehr als hundert Jahre. Die grössten Reserven befinden sich in China und den USA (je rund ein Fünftel der Weltreserven), Russland (15 Prozent), Australien (9 Prozent) und Indien (9 Prozent). 2013 kam die US Energy Information Administration zum Schluss, dass das Wachstum tatsächlich in grossen Schritten vorwärtsgehen würde. Sie prognostizierte, dass die globale Kohlenachfrage bis 2040 um 39 Prozent steigen würde. Das hätte bedeutet, dass die Weltklimaziele alle weit verfehlt worden wären. Im neusten Bericht vom Herbst 2017 kam dieselbe Behörde hingegen zu einem ganz anderen Schluss. Nun hiess es, der Kohleverbrauch werde in absoluten Zahlen nicht mehr zunehmen. Die folgende Grafik zeigt die neuen Prognosen. Wer eine Begründung für die grundlegende Veränderung der Prognose sucht, wird allerdings enttäuscht. Vermutlich hängt es mit der kurzfristigen Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit zusammen. Der Kohleverbrauch hat sich nämlich in China in den letzten Jahren deutlich verringert. Der Grund, warum eine Reduktion der chinesischen Kohleproduktion nicht zu einer Senkung der globalen Kohleproduktion führen dürfte, ist das Verhalten Indiens. Die Prognose geht davon aus, dass Indien seine Kohlevorräte noch stärker anzapfen werde als bisher. Zur Stabilisierung oder gar Reduktion der CO2-Konzentration würde ein Verharren der Kohleproduktion auf dem heutigen Niveau natürlich nicht ausreichen. Gemäss Prognose wird die Produktion von Erdöl und Erdgas weiter zunehmen. Die erneuerbaren Energien befinden sich im Jahr 2040 immer noch auf Platz 4. Gleichwohl ist die Nachricht erfreulich: Kohle verliert an Bedeutung in China. Es könnte sich im Nachhinein als grosse historische Zäsur erweisen. Der Beitrag Chinas historische Wende erschien zuerst auf Never Mind the Markets. [...]



Die Normalisierung des Frankens und die Inflation

2018-04-23T05:48:39Z

Warum der Aussenhandel Einfluss auf die Inflation in der Schweiz einbüssen dürfte. Der Beitrag Die Normalisierung des Frankens und die Inflation erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Der Aussenhandel ist laut IWF nicht verantwortlich für die tiefen Inflationsraten in den entwickelten Ländern: Blick in ein Labor am Actelion-Hauptsitz in Allschwil, Foto: Gaëtan Bally (Keystone) Letzte Woche hat der Euro erstmals seit dem 15. Januar 2015 wieder 1.20 Franken gekostet. Damit endet zumindest vorerst die Phase der starken Überbewertung der Schweizer Währung. Als Grund für die Bekämpfung des zu teuren Frankens mit Negativzinsen und Devisenkäufen hat die Schweizerische Nationalbank stets den Einfluss der Währung auf die inländische Teuerung genannt. Immerhin besteht der Hauptauftrag der SNB darin, die Preisstabilität zu wahren. Wertet sich der Franken auf, zeigt sich das in einem sinkenden Preis des Euro und damit auch der importierten Güter und Dienstleistungen aus der Währungsunion. Das Umgekehrte geschieht, wenn der Franken sich abschwächt. Dazu später mehr. Nun gehört es zu den heiss debattierten Themen unter Makroökonomen, warum die Teuerung in der gesamten industrialisierten Welt aussergewöhnlich tief bleibt, obwohl gemäss Lehrbuch Bedingungen vorherrschen, die geradezu Inflationsängste schüren müssten: So ist die Geldversorgung der Notenbanken trotz den Berichten über künftig höhere Zinsen noch immer äusserst grosszügig, und der Konjunkturmotor läuft weltweit so heiss wie schon lange nicht mehr. Das gilt auch für die Schweiz – und selbst hier wird im laufenden Jahr nur mit einer Teuerung von 0,7 Prozent gerechnet. Die Importe an sich sind nicht schuld In seinem neuesten Wirtschaftsausblick hat der Internationale Währungsfonds untersucht, welche Rolle der internationale Handel spielt: Sinkende Preise für Importe sind nicht nur das Resultat von Änderungen in den Währungsverhältnissen, sondern auch eines grösseren internationalen Wettbewerbs oder einer sinkenden Inflation bei den Handelspartnern, etwa weil diese in wichtigen Bereichen produktiver sind oder weil dort die Gesamtnachfrage lahmt. Der Preisdruck nach oben wird auch eingeschränkt, weil sich Güter und Dienste heute einfacher grenzüberschreitend verkaufen und Produktionsstätten verschieben lassen. Das eher überraschende Resultat der IWF-Untersuchung: Der Aussenhandel ist nicht verantwortlich für die tiefen Inflationsraten in den entwickelten Ländern. Zum einen war die Teuerung besonders tief im Dienstleistungsbereich, der der Globalisierung nur wenig ausgesetzt ist. Bei grenzüberschreitend gehandelten Gütern wie Fahrzeugen und Kleidern dagegen war sie höher. Was heisst das nun für die Schweiz? Wie die folgende Grafik aus dem jüngsten Quartalsbericht der Nationalbank zeigt, lag es vor allem an der dramatischen Aufwertung des Frankens ab 2015, dass die Inflation hierzulande sogar deutlich in den negativen Bereich fiel. Mit der Abschwächung des Frankens im letzten Jahr ist die Teuerung wieder angestiegen. Endet mit dem Erreichen des Frankenkurses der fairen kaufkraftbereinigten Bewertung auch die Zeit der extremen Währungsausschläge der letzten Jahre, dürfte zumindest der Einfluss des Aussenhandels auf die Inflation in der Schweiz wieder deutlich geringer werden. Doch erst muss sich zeigen, wie sich der Frankenkurs wirklich weiter entwickelt. Der Beitrag Die Normalisierung des Frankens und die Inflation erschien zuerst auf Never Mind the Markets. [...]



Der lange Schatten des Osmanischen Reichs

2018-04-17T11:32:32Z

Wenn von den negativen Folgen des Kolonialismus die Rede ist, geht es immer um den Westen. Diese Sicht ist zu eng. Der Beitrag Der lange Schatten des Osmanischen Reichs erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Die Geburtsstunde des Imperiums: Mehmed II. erobert 1451 Konstantinopel (Gemälde von Fausto Zonaro). Bild: Wikimedia Seit langer Zeit wird im Westen immer wieder diskutiert, wie gross der wirtschaftliche Schaden des Kolonialismus war. Der heutige Stand der Diskussion lässt sich wie folgt zusammenfassen: Es hängt vom Einzelfall ab. Während es zum Beispiel in Indien neben negativen Auswirkungen durchaus auch positive Einflüsse gab (Verwaltung, Rechtssystem, Sprache, Infrastruktur), dürften im Kongo die schädlichen Folgen bei weitem dominieren. Hier wurde bereits zu Beginn der Kolonialzeit ein System ökonomischer Ausbeutung etabliert, das das Land bis heute schwer belastet. Wenig diskutiert werden hingegen die Folgen des nicht europäischen Kolonialismus. Wenn es etwa um den Nahen Osten geht, geht es meist nur um die willkürlichen Grenzziehungen der Westmächte (zum Beispiel 1916 Sykes-Picot) oder die sogenannte Peripherisierung der nahöstlichen Ökonomie innerhalb des kapitalistischen Weltsystems, aber kaum je um die schädlichen Folgen des osmanischen Kolonialismus. Die Einseitigkeit der Diskussion ist umso frappanter, als der osmanische Kolonialismus viel länger gedauert hat als die europäische Besetzung. Ägypten, die Levante und die heiligen Stätten auf der Arabischen Halbinsel wurden allesamt im frühen 16. Jahrhundert erobert (siehe Karte) und blieben bis zum Ersten Weltkrieg (1914–1918) unter osmanischer Herrschaft (mit Ausnahme von Ägypten). Der wirtschaftliche Druck der Westmächte begann hingegen erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Die formelle Besetzung dauerte nur wenige Jahrzehnte. Das Osmanische Reich zu Zeiten seiner grössten Ausdehnung in Europa 1683. Bild: Chamboz/Wikimedia Der osmanische Kolonialismus war in vielerlei Hinsicht von wirtschaftlichem Nachteil. Drei davon seien herausgegriffen und kurz erläutert: Er beruhte auf der Dominanz von Grossgrundbesitzern. Dies brachte eine grosse Ungleichheit auf dem Land hervor und verhinderte grosse Produktivitätsfortschritte in der Landwirtschaft. Er beschränkte Handels- und Finanzgeschäfte auf Minderheiten (Armenier, Griechen, Juden). Damit konnte sich kein muslimisches Bürgertum etablieren, das für Freiheits- und Eigentumsrechte in politischen und wirtschaftlichen Belangen im städtischen Raum kämpfen konnte. Er unterband die Verbreitung wichtiger technologischer Innovationen. Bekannt ist etwa die langjährige Opposition gegen die Verbreitung des Buchdrucks. Erst im 18. Jahrhundert konnte sich diese Schlüsseltechnologie allmählich durchsetzen. Ende der 1830er-Jahre versuchte der Sultan in Istanbul, mit einem Reformprogramm die wirtschaftliche Stagnation zu überwinden. Es begann die sogenannte Tanzimat-Periode. Wenige Jahrzehnte später zeigte sich jedoch bereits, dass die jahrhundertealten Blockaden nicht in kurzer Zeit aufgehoben werden konnten. Mitte der 1870er-Jahre glitt das Osmanische Reich in eine Schuldenkrise. Natürlich lässt sich schwer beweisen, dass die nahöstlichen Gebiete ohne osmanischen Kolonialismus heute besser dastehen würden. Es sind viele Faktoren, die über den wirtschaftlichen Erfolg einer Region entscheiden. Aber diese Feststellung gilt für den westlichen Kolonialismus. Nicht alles, was auf der Welt schiefläuft, ist Resultat von europäischer Dominanz. Der Beitrag Der lange Schatten des Osmanischen Reichs erschien zuerst auf Never Mind the Markets. [...]



Europas ungewöhnliche Zinswende

2018-04-16T09:54:31Z

Die Zinsen in Europa sind zu niedrig und müssen steigen. Wie das geschehen soll, ist offen. Der Beitrag Europas ungewöhnliche Zinswende erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Wartet mit der Zinserhöhung ab: EZB-Präsident Mario Draghi. Foto: Arne Dedert (Keystone) Österreichs Nationalbankchef Ewald Nowotny brach kürzlich das Tabu: Als erstes Mitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) sprach er konkret über Zinserhöhungen. Während seine Amtskollegen bislang auf Journalistenfragen ausweichend antworten, geht Nowotny in seinen Äusserungen ans Eingemachte. Er mutmasst über eine erste Anhebung um 0,2 Prozentpunkte sowie darüber, dass die EZB den «Einlagesatz» früher erhöhen könnte als den traditionellen Leitzins «Hauptrefinanzierungssatz». Die Debatte über die Zinswende in Europa kommt damit ins Rollen. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir voraussichtlich viele unterschiedliche Versionen und Hypothesen darüber hören, wie Notenbanker das Ende der Tief- respektive Negativzinsphase umsetzen wollen. Denn eines steht heute schon fest: Die Zinswende wird diesmal von ungewöhnlich vielen Unwägbarkeiten begleitet. Mehr als technische Details Nowotny hat eine technische Ungewöhnlichkeit bereits angesprochen: Um welchen Leitzins geht es überhaupt? Der Einlagesatz ist der einzige der drei EZB-Leitzinsen, der im Minus liegt (–0,4 Prozent). Er bestimmt die Sätze im Interbankengeschäft, dem wichtigsten Marktsegment, über das die EZB in der Tiefzinsära ihre Zinssignale in die Wirtschaft der 19 Eurostaaten sendet. Traditionell verschiebt die EZB immer alle drei Leitzinsen gleichzeitig. Diesmal könnte sie die Priorität darauf legen, zunächst aus dem Minuszinsregime auszusteigen. Dann würde sie nur am Einlagesatz schrauben und vorerst die anderen Leitzinsen unverändert lassen. Für die Notenbanken der benachbarten Währungsräume wäre das trotzdem ein entscheidender Schritt. Sie halten wegen der EZB ebenfalls ihre Einlagesätze (Dänemark: –0,7 Prozent, Schweden: –1,25 Prozent) oder den Interbankensatz Libor (Schweiz: –0,7 Prozent) im Minus. Sie könnten dann ihrerseits die Negativzinsen abschaffen oder, was anfangs realistischer ist, verringern. Um wie viel? Traditionell gehen Notenbanken in Viertelprozentschritten vor. Auch hier muss neu gedacht werden. Nowotny spricht von 0,2 Prozentpunkten. Der EZB-Einlagesatz würde dann von –0,4 auf –0,2 Prozent abgebaut. Die Schweizerische Nationalbank könnte daraufhin den Libor von –0,7 auf –0,5 Prozent reduzieren, ohne die Zinsdifferenz zwischen Franken und Euro zu schmälern und eine Frankenaufwertung zu riskieren. Aber es sind auch andere Zinsschritte denkbar: in Zehntelprozenten beispielsweise, um den Finanzmärkten die bittere Medizin einer geldpolitischen Straffung tröpfchenweise zu verabreichen. Mehr Optionen, mehr Ungewissheit All diese technischen Finessen sollen helfen, die Märkte zu besänftigen und Zinsschocks zu vermeiden. Die Vielfalt der Optionen hat aber auch zur Folge, dass die Unsicherheit zunimmt. Betroffen sind Marktanalysten, die den Zinspfad vorhersagen müssen, in erster Linie am Geld- und Interbankenmarkt. Dort werden kurzfristige Zins- und Kreditgeschäfte ausgehandelt und wirken sich die Notenbankleitzinsen am stärksten aus. Die Ungewissheit sollte als Risiko nicht unterschätzt werden. Sind die Zinsschwankungen gross, wirken sie sich auch auf die Kapitalmärkte aus. Keine Inflation Die anstehende Zinswende ist noch aus anderen Gründen ungewöhnlich. Die EZB richtet ihre Geldpolitik einzig und allein am Inflationsziel von 1,9 Prozent («nahe, aber unter 2 Prozent») aus. Aber Inflationsgefahr ist weit und breit keine zu sehen. Sie selbst erwartet für 2019 1,4 Prozent und 2010 1,7 Prozent Inflation im Euroraum. Nimmt man die Markterwartungen als Grundlage, dann liegt die Teuerung auch im Jahr 2021 nicht über 1,4 Prozent. Sollte die EZB also ihre Zinswende hinausschieben? Die EZB spielt momentan auf Zeit. Sie sagt, dass sie z[...]



Warum Wettbewerb den Banken schadet

2018-04-11T08:28:40Z

Konkurrenz ist gut für die Wirtschaft und die Kunden - aber nicht immer und nicht in jeder Branche. Der Beitrag Warum Wettbewerb den Banken schadet erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Werbemittel mit Kultstatus: Die SKA verteilte zwecks Imagewechsel 800’000 Skimützen an Kleinkunden. (Foto: Credit Suisse) Wettbewerb ist in der Wirtschaft elementar, um die Innovation voranzutreiben. Das ist hart für diejenigen Firmen, die nicht mithalten können, aber volkswirtschaftlich ist die positive Wirkung des Wettbewerbs kaum zu bestreiten. Jede Grundregel kennt allerdings auch ihre Einschränkungen. Dies gilt insbesondere für den Bankensektor. Zwar hat auch in dieser Branche der Wettbewerb durchaus Vorteile. Wenn ich als Kunde bei der Bank A keinen Kredit bekomme, hilft mir vielleicht Bank B. Ein staatliches Monopolbankensystem brauchen wir nicht. Aber der positive Zusammenhang zwischen Wettbewerb und Innovation ist im Bankensektor weniger klar als in anderen Branchen. Denn Wettbewerb im Bankensektor führt in der Regel nicht zu Innovationssprüngen. Das Bankengeschäft besteht auf der Differenz zwischen Passiv- und Aktivzinsen. Eine Bank kann höchstens das Kreditwachstum erhöhen oder sich stärker im Markt verschulden, um den Eigenhandel hochzufahren. Aber dabei handelt es sich um rein quantitatives Wachstum. Seltene Finanzinnovationen Grundlegende Innovationen sind in der Bankengeschichte selten. Der ehemalige Vorsitzende des Federal Reserve, Paul Volcker, sagte vor zehn Jahren in einem Hearing zur Finanzkrise, er habe in den letzten zwanzig Jahren nur eine wichtige Finanzinnovation erlebt: die Einführung des Bancomaten. Hier ist sein bemerkenswertes Statement in voller Länge (Quelle): The most important financial innovation that I have seen the past 20 years is the automatic teller machine, that really helps people and prevents visits to the bank and it is a real convenience. How many other innovations can you tell me of that have been as important to the individual as the automatic teller machine, which is more of a mechanical innovation than a financial one? I have found very little evidence that vast amounts of innovation in financial markets in recent years has had a visible effect on the productivity of the economy, maybe you can show me that I am wrong. All I know is that the economy was rising very nicely in the 1950s and 1960s without all of these innovations. Indeed, it was quite good in the 1980s without Credit Default Swaps or CDOs. I do not know if something happened that suddenly made these innovations essential for growth. In fact, we had greater speed of growth in the 1960s and more importantly it did not put the whole economy at risk of collapse. Weil das Kreditgeschäft nur kontinuierlich wachsen kann, führt erhöhter Wettbewerbsdruck in erster Linie zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise. Der Mechanismus läuft folgendermassen: Die Starken verdrängen die Schwachen, sodass die Schwachen ins Hochrisikogeschäft ausweichen müssen. Die Schweiz kennt zwei solcher Bankenkrisen: vor dem Ersten Weltkrieg und in den 1990er-Jahren. In beiden Fällen waren die grossen Opfer die Sparkassen und Regionalbanken. Vor dem Ersten Weltkrieg war die schnelle Expansion der durch Staatsgarantie gesicherten Kantonalbanken Treiber des Verdrängungskampfs. Im zweiten Fall waren es die Grossbanken, die im Retailgeschäft ihre Muskeln zeigten und die kleineren Bankinstitute zu einer risikoreichen Geschäftsstrategie drängten. Von der SKA-Mütze zur Bankenkrise Die Entdeckung des Retailgeschäfts durch die Grossbanken ist bis heute rätselhaft. Noch bis in die 1960er-Jahre galt es als zu wenig vornehm und profitabel, Kleinkunden zu betreuen. Dann aber kehrte die Stimmung, und die Grossbanken begannen fieberhaft, überall Filialen zu errichten. Selbst die Kreditanstalt, bis dahin eine elitäre Bank, entdeckte plötzlich das Geschäft mit den Kleinkunden. Zur Änderung des Images erfand die SKA,[...]



Warum die Börsen bei Trumps Tweets erzittern

2018-04-06T15:36:13Z

Welchen Einfluss hat der von den USA angezettelte Handelskrieg auf die Aktienmärkte? Ein Nobelpreisträger erklärt. Der Beitrag Warum die Börsen bei Trumps Tweets erzittern erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Handelskrieg kostet auch Nerven an der Börse: Händler in New York. Foto: Brendan McDermid (Reuters) Lange meinten viele, Donald Trump meine es mit dem im Wahlkampf angekündigten Protektionismus nicht so ernst. Was für ein Irrtum. Die USA und China künden fast täglich Zölle auf immer mehr Güter an. Die unmittelbaren Wirkungen zeigen sich vor allem an den Börsen, die nach jeder neuen Ankündigung weltweit einen Taucher machen und sich bei jeder Hoffnung auf eine weniger drastische Entwicklung wieder etwas erholen. Doch warum sind die Börsen überhaupt betroffen? Die klassische Erklärung für die Bedeutung des Aussenhandels sind die sogenannten komparativen Kostenvorteile. Sie besagt, dass sich Handel für alle Länder lohnt, wenn die Länder jene Güter oder Dienstleistungen austauschen, in denen sie am produktivsten sind – relativ zum Übrigen, das sie bereitstellen könnten. Die Kosten eines Handelskriegs entstehen in diesem Zusammenhang durch eine Umorientierung der Wirtschaft, weil mit Zöllen die Produkte auch der verhältnismässig produktivsten Bereiche zu teuer werden. Güter entstehen international Wie der «New York Times»-Kolumnist und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman in einem Beitrag zeigt, erklären aber die gefährdeten «komparativen Kostenvorteile» die Ausschläge an den Börsen nur zum kleinsten Teil. Eine viel grössere Bedeutung für die Aktienmärkte hat, dass mit einem scharfen Protektionismus eine andere Folge der Globalisierung gefährdet wird: die internationalen Wertschöpfungsketten. Ein iPhone kommt zwar als Produkt der USA daher, seine Elemente werden aber in einer ganzen Reihe von Ländern erstellt. Haben nun hohe Zölle zum Beispiel auf chinesischen Produkten oder Rohstoffen zur Folge, dass die Elemente des iPhone aus China sich verteuern und die Produktion dort für Apple weniger lohnend machen, dann verliert das in China investierte Anlagekapital an Wert. Das führt bei Apple zu Abschreibungen, während das Unternehmen Kosten für einen Ersatz zum Beispiel in den USA auf sich nehmen muss. Die Folge sind sinkende Gewinne. In der stark vernetzten und arbeitsteiligen internationalen Wirtschaft betrifft das sehr viel mehr Unternehmen als nur Apple. Das erklärt die Reaktion an den Börsen auf die angekündigten protektionistischen Massnahmen: Aktienkurse widerspiegeln nichts anderes als die erwarteten Gewinne von Unternehmen. Die Aktienkurse sind allerdings nicht das Hauptproblem von Trumps Protektionismus. Die Hauptleidtragenden sind die Arbeitnehmer in jenen Bereichen, die durch diese Handelspolitik Einkommen und Jobs verlieren. Der Beitrag Warum die Börsen bei Trumps Tweets erzittern erschien zuerst auf Never Mind the Markets. [...]



Amerikanische Lektionen für Europa

2018-04-03T15:42:49Z

Wie die europäische Integration dauerte auch die politische und wirtschaftliche Ausbildung der USA Jahrzehnte. Was die EU daraus lernen kann – und was nicht. Der Beitrag Amerikanische Lektionen für Europa erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Die Bildung einer Union ist ein hoch komplexer Prozess: Flaggen der EU und der USA. Foto: Eeas Der europäische Integrationsprozess ist in vielerlei Hinsicht ein neuartiges historisches Experiment. Noch nie haben sich einzelne Nationalstaaten so stark zu einer Zusammenarbeit verpflichtet. Die UNO, der Völkerbund, der IWF oder die WTO sind mit der heutigen EU nicht vergleichbar. Ganz präzedenzlos ist die europäische Integration gleichwohl nicht. Ein anderes grosses Wirtschaftsgebiet hat sich ebenfalls nur ganz langsam zu einer modernen Union entwickelt: die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Bundesstaaten hatten nämlich lange Zeit grosse Macht und nutzten diese, um eine Zentralisierung zu verhindern. Besonders deutlich war dies bei der Bildung einer politischen Union. Die 13 Kolonien, die von 1775 bis 1783 ihre Unabhängigkeit von der englischen Krone erkämpften, gaben sich zwar 1787 eine Verfassung. Doch damit war die Union keineswegs unerschütterlich. Mitte des 19. Jahrhunderts spaltete die Sklavenfrage das Land. Von 1861 bis 1865 bekämpften sich deswegen die Nord- und Südstaaten in einem Bürgerkrieg. Erst nach dem Sieg des Nordens war die Union unangefochten. In drei Anläufen zur Notenbank Der Bürgerkrieg war ausserordentlich verlustreich. Nie mehr haben mehr amerikanische Soldaten ihr Leben während eines Kriegs verloren als im Bürgerkrieg. Selbst im Zweiten Weltkrieg war die Opferzahl geringer, wie die Grafik zeigt (Quelle). Es erstaunt nicht, dass die Wunden des Civil War bis heute nicht ganz verheilt sind. Auch die Währungsunion war keineswegs von Beginn in vollendeter Form da. Zwar galt der Dollar von Beginn weg als Währung, aber die dauerhafte Gründung einer nationalen Notenbank (Federal Reserve) gelang erst 1913. Die ersten beiden Versuche hingegen waren gescheitert. Die Bank of the United States und die Second Bank of the United States existierten jeweils nur zwanzig Jahre, von 1791 bis 1811 und von 1816 bis 1836. Noch länger dauerte es, bis die Bankenunion vollendet war. Im 19. Jahrhundert kam es wiederholt zu grossen Konkurswellen. Das Bankensystem war schlecht reguliert, es gab keine Einlagenversicherung und keinen Abwicklungsmechanismus. Die Bundesregierung versuchte zwar mit der Gründung von sogenannten National Banks eine Integration des Bankenwesens zu erzwingen, aber dies gelang nicht, weil die Bundesstaaten immer wieder neue Wege fanden, um ihre Interessen im Bankenwesen zu sichern. Die folgende Grafik zeigt, wie instabil das US-Bankensystem in den Jahrzehnten nach Ende des Bürgerkriegs (1865) war (Quelle). Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sah es keineswegs besser aus, obwohl die Gründung der Federal Reserve unter anderem deswegen erfolgt war, weil man Bankenkrisen besser eindämmen wollte. Während der Grossen Depression der frühen 1930er-Jahre gingen von rund 25’000 Banken etwa 10’000 Banken unter. Die Lage beruhigte sich erst mit der Gründung der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), die primär einer modernen Einlageversicherung entsprach, aber auch die effiziente Abwicklung von insolventen Banken erlaubte. Zudem domestizierte die Bundesregierung das Bankensystem durch umfangreiche Kontrollmechanismen. Dazu gehörte auch der Glass-Steagall Act, der die Aufspaltung des Bankensystems in Investmentbanken und Geschäftsbanken durchsetzte. Bankenunion erst seit den 90ern Von einer Bankenunion konnte aber noch immer keine Rede sein. Die Aufsicht war weiterhin noch gespalten zwischen den Bundesbehörden, welche die nationalen Banken regulierten, und den Behörden der einzelnen Bundesstaaten, welche die übrigen Banken beaufsichtigten. Ausserdem war es de[...]



Boom oder Blase?

2018-03-27T14:33:00Z

Im Nachhinein wissen immer alle Bescheid, aber im Voraus herrscht alles andere als Einigkeit. Der Beitrag Boom oder Blase? erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Die Verschuldung der privaten Haushalte ist rekordhoch und konzentriert sich auf Immobilien. Foto: unsplash.com Wenn eine Finanzkrise ausbricht, heisst es jeweils schnell: Das war zu erwarten. Im Voraus hingegen sieht die Sache weniger eindeutig aus. Das zeigt sich besonders deutlich bei der Beurteilung des schweizerischen Immobilienmarktes. Alle warnen vor einer Überhitzung, aber kaum jemand traut sich, eine Prognose abzugeben. Offenbar fehlt es an klaren Indikatoren. So spricht die UBS in ihrem «Swiss Real Estate Bubble Index» von der Stufe Risiko, die zwischen einem Boom und einer Blase angesiedelt ist. Die Botschaft lautet: Die Entwicklung ist besorgniserregend, aber es ist nicht klar, wohin die Reise gehen wird. Klar abgegrenzt wird die momentane Situation von der Überhitzung Ende der 1980er-Jahre. Auch die neuste Publikation der Credit Suisse zeugt von grosser Vorsicht. Die Studie «Wie eine Zinswende die Schweizer Wirtschaft treffen würde» schliesst mit folgenden Worten: Obwohl die Zinselastizitäten sowohl beim Gesamtkonsum als auch bei den Unternehmensinvestitionen gering sind und die tiefe Verschuldung der öffentlichen Hand ebenfalls auf geringe Zinsrisiken hindeutet, sollte das Zinsänderungsrisiko nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Erstens «kennt» unser Modell – wie auch die meisten Wirtschaftsakteure – keine richtig hohen Zinsen, weil es hohe Zinsen in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr gegeben hat, sodass die Auswirkungen eines Zinsanstiegs wohl unterschätzt werden. Zweitens ist die Verschuldung der privaten Haushalte rekordhoch und konzentriert sich auf ein relativ illiquides Anlagegut, nämlich Immobilien. Und drittens ist auch der Unternehmenssektor stark mit Fremdmitteln im Immobilienmarkt investiert, was das «Klumpenrisiko» des tendenziell zinssensitiven Immobilienmarkts weiter erhöht. Ähnlich tönt es bei der SNB. In ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 15. März 2018 schrieb sie: Die Ungleichgewichte am Hypothekar- und Immobilienmarkt bleiben bestehen. Während das Wachstum der Hypothekarkredite 2017 relativ tief blieb, stiegen die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen wieder rascher an. Auch bei den Wohnrenditeliegenschaften setzte sich die Teuerung fort, wenn auch etwas verlangsamt. Aufgrund der starken Zunahme in den vergangenen Jahren besteht besonders in diesem Segment mittelfristig die Gefahr einer Preiskorrektur. Der IWF schloss sich diesem Urteil in seiner kürzlich abgeschlossenen Konsultation an: Reinforcing the macroprudential framework for real estate is needed. A gradual unwinding of ultra-loose global financial conditions would help to support financial stability, while a rapid tightening – which cannot be precluded – could be disruptive. Kurzum: Alle warnen, aber niemand weiss es so richtig. In einer solch unsicheren Situation wäre es ratsam, so vorsichtig wie möglich zu sein. Aber auch diesbezüglich ist es gar nicht so einfach, richtig zu handeln. Verschärft man die Vorschriften für die Banken und Hypothekarschuldner zu schnell, ergeben sich unerwünschte Nebenwirkungen. Das geschah in der Schweiz Mitte der 1970er-Jahre und Ende der 1980er-Jahre, als die Bundesbehörden die Bedingungen auf dem Baukreditmarkt verschärften. Die Lage bleibt unübersichtlich. Der Beitrag Boom oder Blase? erschien zuerst auf Never Mind the Markets. [...]



In Frankreich kostet eine politische Stimme 6 Euro

2018-03-22T14:24:01Z

Eine französische Ökonomin konnte mithilfe von Sarkozys Fehltritten nachweisen, wie Geld den Wahlerfolg beeinflusst. Der Beitrag In Frankreich kostet eine politische Stimme 6 Euro erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Hat er Frankreichs Kontrollsystem unterschätzt? Der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy wurde erneut in Gewahrsam genommen. (Foto: Reuters) Der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy wurde diese Woche erneut in Polizeigewahrsam genommen. Es geht um mutmassliche finanzielle Unregelmässigkeiten im Wahlkampf 2007, der ihm den Weg in den Elysée-Palast ebnete. Libyens Ex-Diktator Ghadhafi soll Millionen in Sarkozys Wahlkampfkasse bezahlt haben. Bereits laufen Untersuchungen wegen Spendengeldern für die Wahlen im Jahr 2012, bei denen Sarkozy gegen den Sozialisten Hollande verlor. Damals soll er 20 Millionen Euro mehr ausgegeben haben, als gesetzlich erlaubt ist. Frankreich zählt zu den Vorreitern in Sachen Wahlspenden-Kontrolle. Seit Jahrzehnten befasst sich der Gesetzgeber mit dem Problem. Es wurden Höchstgrenzen für private Zuwendungen erlassen und die Transparenz der Geldflüsse erhöht. Politische Parteien und die Kandidaten müssen ihre Einnahmen und Ausgaben nach jedem Wahlkampf einer Prüfungskommission offenlegen. Diesem Kontrollsystem ist Sarkozy nun zum Opfer gefallen. Hohe Wahlausgaben lohnen sich Eine französische Ökonomin nutzte die Daten, um den Einfluss von Spendengeldern auf den Ausgang von Wahlen zu erforschen. Julia Cagé, Professorin an der Universität Sciences Po Paris und Harvard-Absolventin, weist nach, dass eine Partei automatisch mehr Stimmen erhält, wenn sie mehr Geld im Wahlkampf ausgibt. Der nachfolgende Chart veranschaulicht dieses Untersuchungsergebnis. Aufgeführt ist das Verhältnis zwischen dem Anteil der Wahlkampfausgaben (horizontale Achse) und dem Stimmenanteil (in der ersten Runde der Parlamentswahlen), die die Kandidaten in den einzelnen Wahlkreisen erhielten (vertikale Achse). In allen Wahlen zwischen 1993 und 2012 fällt die Korrelation positiv aus: Höhere Ausgaben verbessern die Chance, gewählt zu werden. Cagé untersuchte insgesamt neun Wahlen zwischen 1993 und 2014 und kommt zu dem Ergebnis: Der Preis einer Stimme bei den französischen Parlamentswahlen beträgt 6 Euro. Bei den Gemeindewahlen liegt er mit 32 Euro höher. Offensichtlich ist es auf lokaler Ebene aufwendiger für Parteien beziehungsweise ihre Kandidaten, Wähler für sich zu gewinnen. Aber insgesamt sind die Kosten gering, wenn man sie den Summen gegenüberstellt, die den Parteiorganisationen zur Verfügung stehen. Woher stammt das Geld? Vor 1988 gab es keine Auflagen und war alles erlaubt. «Wahlkampfgelder waren de facto Schwarzgeld», urteilt Cagé in einem Vortrag. Und der Zuhörer aus der Schweiz denkt an die Situation daheim, wo bis heute völlige Intransparenz besteht, wer die Parteien und Kampagnen finanziert. Seit 1988 wurden Gesetze beschlossen, um die Wahlfinanzierung zu regeln. Seither haben die politischen Parteien Anspruch auf öffentliche Finanzierung, welche von den Wahlergebnissen abhängt. Darüber hinaus werden den Kandidaten die Wahlkampfkosten erstattet. Das System soll allen politischen Bewerbern Chancengleichheit garantieren – ein demokratisches Grundprinzip. Aus dem gleichen Grund sind private Zuwendungen beschränkt. Natürliche Personen dürfen Kandidaten bis zu 4600 Euro, politischen Parteien bis zu 7500 Euro zukommen lassen. Die Ausgaben können steuerlich abgesetzt werden. Private Spenden von juristischen Personen sind indes in Frankreich verboten. Untersuchungsbedarf auch in Europa In der Praxis erweisen sich öffentliche Gelder als Haupteinnahmequelle der Parteien. Cagé weist aber nach, dass private Spenden und persönliche Zuwendungen letztlich den Unterschied machen. Denn die empirisch nachweisbare Wirkung von Wahlkamp[...]



Das Ende der «Dritten Welt»

2018-03-20T16:36:20Z

Der Abstand zwischen dem Westen und den ärmeren Ländern bleibt gross. Aber es gibt trotzdem gute Nachrichten. Der Beitrag Das Ende der «Dritten Welt» erschien zuerst auf Never Mind the Markets. In den letzten 50 Jahren hat sich das Pro-Kopf-Einkommen in Asien (ausser Japan) versiebenfacht. Von der «Dritten Welt» kann keine Rede mehr sein. Trotzdem ist die Ungleichheit in vielen Ländern beträchtlich. Im Bild: Velofahrer bestaunen einen parkierten Porsche Cayman in Peking, 2007. (Foto: Diego Azubel, Keystone) In Diskussionen über Reichtum und Armut der Nationen wird meist das hohe Wohlstandsniveau der OECD-Länder mit demjenigen der übrigen Länder verglichen. Das ist dann jeweils niederschmetternd. Der Unterschied ist etwas kleiner geworden, aber scheint immer noch unüberwindbar. Auch in der Wirtschaftsgeschichte gilt die volle Aufmerksamkeit dem Unterschied zwischen dem Westen und den übrigen Weltregionen. Oft zitiert wird die «Great Divergence», die 1800 begann. Der Westen erhöht seit 200 Jahren seinen Wohlstand, die anderen Länder kommen kaum nach, mit Ausnahme Japans. Selbst China ist noch weit weg von der Spitze, und es ist gut möglich, dass die Aufholjagd nie ganz gelingen wird. Der Fokus auf die «Great Divergence» lässt sich gut begründen, aber er ist unvollständig. Denn genauso wichtig wie die Frage, warum der Westen so reich wurde, ist die Frage, warum innerhalb der übrigen Ländern zunehmende Unterschiede festzustellen sind. Auf die «Great Divergence» seit dem 19. Jahrhundert folgt offenbar eine «Second Divergence» seit dem späten 20. Jahrhundert. Die folgende Tabelle zeigt klar, wie heterogen die Welt ausserhalb des Westens geworden ist. Der Unterschied zwischen Afrika und Asien (ohne Japan) ist gemäss diesen Schätzungen enorm und wächst fortlaufend. In Asien (ohne Japan) war das durchschnittliche Einkommen pro Kopf zweieinhalb Mal höher als in Afrika. Solche Grössenunterschiede sind gerade bei den unteren Einkommen äusserst relevant. Von einem einheitlichen «Rest» der Welt kann also keine Rede mehr sein. Ein deutscher Entwicklungssoziologe hat deshalb schon vor 25 Jahren vom «Ende der Dritten Welt und dem Scheitern der grossen Theorie» gesprochen. Zur Zeit der Publikation haben viele seine pauschale These kritisiert. Heute wird das Wort «Dritte Welt» kaum mehr verwendet. Die Evidenz, die gegen diesen Sammelbegriff spricht, ist schlicht überwältigend. Das Verschwinden der «Dritten Welt» ist höchst erfreulich. In den 1970er-Jahren herrschte noch tiefer Pessimismus, was die Entwicklungschancen ausserhalb des Westens anbelangte. Offenbar ist das Undenkbare doch möglich geworden. Wenn die Aufwärtsbewegung auch Afrika mitreissen würde, könnte man schon fast von einem goldenen Zeitalter sprechen. Der Beitrag Das Ende der «Dritten Welt» erschien zuerst auf Never Mind the Markets. [...]



Das Genossenschafts-Paradox

2018-03-18T22:46:36Z

In Genossenschaften gebe es weniger Bereicherung und Missmanagement, denken viele. Warum das falsch ist. Der Beitrag Das Genossenschafts-Paradox erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Das Logo der Bank Raiffeisen an einer Filiale in Köniz. (Foto: Gaëtan Bally, Keystone) Sollten die Selbstbereicherungsvorwürfe der Staatsanwaltschaft gegenüber dem einstigen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz zutreffen – und das muss sie erst beweisen –, dann wirft das ein sehr schlechtes Licht auf die Genossenschaftsbank. Die Genossenschafter sind die Eigentümer einer genossenschaftlichen Unternehmung. Meist stehen hier Selbsthilfe und weitere ideelle Ziele im Vordergrund. Sie orientieren sich am Gemeinwohl und verzichten auf eine Gewinnmaximierung. Die demokratische Mitbestimmung hat hier ein besonders grosses Gewicht, und es ist, anders als etwa bei Aktiengesellschaften, nicht möglich, sich durch Geld eine stärkere Mitbestimmung zu erkaufen. Auf den ersten Blick müsste daher erwartet werden, dass derart motivierte Genossenschafter besonders gut auf das Verhalten ihrer Führung schauen und dass sich die Spitze einer Genossenschaft durch ein Verhalten auszeichnet, das stärker im Sinne der Allgemeinheit oder zumindest der Genossenschafter ist als bei anderen Unternehmen. In der Sprache der Ökonomen bedeutet das: Die Corporate Governance müsste besser sein. Die Grösse macht den Unterschied Der 1998 verstorbene US-Ökonom Mancur Olson hätte diesem positiven Bild zur Führung von Genossenschaften klar widersprochen. Nicht weil er etwas gegen Genossenschaften hatte, sondern weil er in seinem Werk «Logik des kollektiven Handelns» gezeigt hat, dass grosse Gruppen mit gemeinsamen Interessen deutlich weniger tun, um diese durchzusetzen, als kleine. Die Konsequenz davon: Je grösser eine Bewegung mit einem gemeinsamen Interesse ist, desto weniger wird ihre Führung durch diese Bewegung eingeschränkt und kontrolliert. Ihre Macht ist daher besonders gross. Auch die Macht zum Missbrauch. Die Logik ist relativ simpel: Es hat in einer grossen Bewegung wie einer Genossenschaft schlicht niemand einen Anreiz, die Führung zu kontrollieren. Denn das ist mit sehr viel Aufwand verbunden: Man muss sich Informationen beschaffen, man muss sich hervortun und damit Risiken eingehen, man muss Zeit und Geld aufwenden. Doch wenn man damit für die Bewegung insgesamt etwas Positives bewirken kann, dann kommt das allen ihren Mitgliedern im gleichen Mass zugute wie jener Person, die dafür den Aufwand betrieben und die Kosten auf sich genommen hat und das Risiko eingegangen ist. Kurz: Jedes Mitglied einer Bewegung oder Genossenschaft sagt sich «Warum soll ich es tun?» und wird tendenziell darauf warten, dass jemand anders handelt. Doch weil sich alle in der genau gleichen Ausgangslage befinden, tut niemand etwas. In Aktiengesellschaften spielt die gleiche Dynamik Ganz anders sieht es in kleinen Gruppen aus, wie Olson in seinem Werk überzeugend aufzeigt: Denn hier ist die Wahrscheinlichkeit deutlich grösser, dass das einzelne Mitglied durch sein Engagement einen Vorteil erzielt, der sich nicht nur für die Gruppe, sondern auch für das sich engagierende Mitglied lohnt. Für eine grössere Bewegung und damit auch für eine grosse Genossenschaft hat das zur Folge, dass die meist kleine Führungsgruppe oder sogar die Person an der Spitze einen besonders grossen Einfluss hat. Durch die grosse Mitgliederschaft wird die Macht jedenfalls kaum beschränkt. Bei sehr grossen Aktiengesellschaften mit einem sehr breit gestreuten Aktionariat, und wenn niemand darunter über einen bedeutenden Anteil verfügt, besteht das gleiche Problem wie bei den Genossenschaften. Ganz anders sieht es aber aus, wenn einzelne Aktionäre oder Aktionärsgruppen über einen bedeutenden Anteil an einem Unterne[...]



Trumps Zollkrieg – worum es wirklich geht

2018-03-16T10:49:38Z

Die Strafaktion gegen die Handelspartner der USA ist nicht gänzlich unberechtigt. Aber dem US-Präsidenten geht es nicht primär um faireren Handel. Der Beitrag Trumps Zollkrieg – worum es wirklich geht erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Donald Trump unterzeichnet, inmitten von Arbeitern aus der Stahlindustrie, ein Dekret über Importzölle auf Stahl und Aluminium. Foto: Leah Millis (Reuters) Nächsten Freitag will Donald Trump Strafzölle gegen ausländische Importgüter einführen. Im Vordergrund stehen Stahl und Aluminium aus Europa und Asien, für die US-Abnehmer bis zu 25 Prozent mehr zahlen sollen. Das soll den Kauf importierter Waren drosseln und die heimische Produktion vor unfairer Konkurrenz schützen. So argumentiert der US-Präsident. Allerdings wirft er die Begründung in der Praxis gleich wieder über den Haufen, denn er verfügt die Strafzölle nicht auf der Grundlage eines Dekrets gegen unfaire Handelspraktiken, Dumping oder Ähnliches. Sondern er wendet ein Gesetz aus den Zeiten des Kalten Kriegs an, das Gegenmassnahmen erlaubt, falls Importe bestimmter Güter die nationale Sicherheit der USA gefährden. Worum geht es Trump überhaupt? Überkapazitäten im Stahlsektor Rein ökonomisch betrachtet, gibt es durchaus Handlungsbedarf. Weltweit bestehen Überkapazitäten im Stahlsektor. Sie belaufen sich nach offiziellen Schätzungen auf 737 Millionen Tonnen (2016). Das ist der grösste Angebotsüberhang in der Geschichte. Im Rahmen der OECD befasst sich ein Ausschuss, dem alle wichtigen Staaten angehören (G-20-Staaten), eigens mit dem Thema. Seit Jahren bekräftigen die Regierungsvertreter auf Gipfeltreffen, dass sie aktiv und gemeinsam die Überkapazitäten abbauen würden: «Members should consider the extent to which their framework conditions and institutional settings ensure proper market functioning and policy objectives consistent with the need for reducing global excess capacity.» (G-20 Global Forum on Steel Excess Capacity, November 2017) Die Absichtserklärungen brachten bisher jedoch keinen einschneidenden Erfolg. Die G-20 beschlossen im vergangenen Sommer, die Gespräche fortzusetzen, man wolle sich 2018 dreimal treffen. Die neue US-Regierung zeigte sich bereits damals unzufrieden mit dem mageren Ergebnis und kündigte eine härtere Gangart an. Das ist in den offiziellen Dokumenten nachzulesen: «…this has reinforced the U.S. commitment to combat unfairly traded imports and address global excess capacity, particularly in view of the Global Forum’s limited results. Unlike past U.S. administrations, President Trump intends to deal decisively with the problem.» Trumps Strafaktion kommt also nicht aus heiterem Himmel. Kein anderes Land importiert so viel Stahl aus dem Ausland wie die USA. Verständlicherweise ist dort die Sorge über den wachsenden globalen Angebotsüberhang auch grösser als anderswo. Die EU ist protektionistischer Trumps Schwarzweissmalerei, wonach die USA fairen Handel betrieben und das Ausland unfairen, ist unzutreffend. Aber genauso falsch ist die europäische Sichtweise, wonach die EU nur Opfer von zu hohen US-Zöllen sei. Im direkten Vergleich zwischen den USA und der EU verhängen nämlich die Europäer mehr und höhere Zölle. Das Münchner Ifo-Institut untersucht die Zollsätze im transatlantischen Handel und kommt zum Ergebnis, dass die EU protektionistischer ist, als es die USA sind. Bei 48 Prozent aller Produkte verlangt die EU einen höheren Zollsatz als die USA, und nur bei 30 Prozent der Produkte sind die US-Zölle höher. Bei den übrigen Waren liegen die Sätze in beiden Wirtschaftsräumen genau gleich hoch oder sie betragen null (exakt 1540 Waren). Der Chart gibt einen Überblick. Aufgeführt ist rechts von null, bei wie vielen Produkten die EU-Aussenz[...]



Aufstand der Kleinen

2018-03-13T17:23:08Z

Frankreichs Präsident Macron hat grosse Pläne für die Währungsunion. Nun wehren sich die Nordländer. Der Beitrag Aufstand der Kleinen erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Emmanuel Macron will neue Institutionen für die Eurozone. Foto: Thomas Samson (AP) Alle wissen es, alle beklagen es: Die Europäische Währungsunion funktioniert in der heutigen Form nicht richtig. Deshalb hat der französische Präsident Emmanuel Macron vor einigen Monaten einen Vorschlag zur Verbesserung der Euro-Architektur gemacht. Im Kern läuft es auf eine stärkere Integration hinaus, die mittels eines eigenen Parlaments, eines Finanzministers und eines gemeinsamen Budgets stabilisiert werden soll. Konzeptuell ist der Vorschlag folgerichtig. Eine Währungsunion ohne politische und Fiskalunion ist ein instabiles Gebilde. Es braucht Ausgleichsmechanismen, um die schwachen Mitglieder der Währungsunion bei der Stange zu halten. Gut ist auch, dass die Reform in einer ruhigen Phase angegangen wird. In Krisenzeiten, die bestimmt wieder kommen werden, gilt die ganze Aufmerksamkeit der Bekämpfung der kurzfristigen Schäden. Wie realistisch sind die Pläne Macrons? In den letzten Monaten wurde in der Presse oft berichtet, dass die neue Merkel-Regierung mitziehen würde. Kann sein, aber plausibel ist es nicht. Kanzlerin Merkel hat bisher keine einzige Idee zur Stabilisierung des Euro geäussert. Zudem hat sie seit den letzten Wahlen kein Mandat, selbst wenn sie nun plötzlich eine Reform anstrebte. Die euroskeptischen Kräfte sind enorm gestärkt worden. Die FDP und die AfD wollen keine weitere Integration. Des Weiteren sperren sich seit neustem die nordeuropäischen kleinen Länder gegen weitere Integrationsschritte. Weitgehend unbeachtet von der schweizerischen Öffentlichkeit haben die Finanzminister der baltischen Länder, Dänemarks, Finnlands, Schwedens und der Niederlande vor einer Woche ihre Positionen umschrieben (Quelle). Sechs klare Forderungen Der Spielraum für Veränderungen wird dabei eng gezogen. Nur bei zwei Themen sind sie bereit für Konzessionen: bei der Bankenunion und dem Ausbau des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu einem Rettungsfonds für Staaten, die sich in Schuldennot befinden. Ansonsten plädieren die Finanzminister der kleinen Nordländer für wirtschaftspolitische Disziplin. Das Communiqué beginnt mit der Feststellung, dass die momentane Stärke der Eurozone neben den Massnahmen auf europäischer Ebene – gemeint ist die expansive Geldpolitik der EZB – vor allem auf die weitreichenden Reformen auf nationaler Ebene zurückzuführen sei. Im Folgenden stellen sie sechs Forderungen auf, die mit einer Ausnahme den Plänen Macrons diametral widersprechen: Die EU und die Eurozone dürfen nicht auseinanderdividiert werden. (Macron will neue Institutionen für die Eurozone.) Die Stärkung der Währungsunion könne in erster Linie durch weitere Reformen auf nationaler Ebene und Einhaltung der bestehenden Regeln erreicht werden. (Macron will Integration.) Die Regierungen der Eurozone sollen sich auf Ziele konzentrieren, die von der eigenen Bevölkerung unterstützt werden. (Macron verfolgt seine Ziele ohne Rücksicht auf die Mehrheitsverhältnisse.) Die bisher unvollendet gebliebene Bankenunion soll gestärkt werden. (Macron will dies auch, und alle sind sich einig, dass hier grosser Handlungsbedarf besteht.) Der ESM solle gestärkt und möglicherweise in einen Europäischen Rettungsfonds umgewandelt werden, aber weiterhin der Kompetenz der Euro-Mitgliedsländer unterstehen, nicht einem neu zu schaffenden Parlament. (Macron will den ESM zum Kern einer neuen Finanzpolitik machen.) Die Überwachung der Fiskalregeln soll in Zukunft besser überwacht werden. (Für Macron ist dieses Ziel z[...]



Italien kommt nicht vom Fleck

2018-03-07T11:32:20Z

Seit zwei Jahrzehnten siecht die italienische Wirtschaft vor sich hin. Die Wahlergebnisse sind eine Folge davon. Der Beitrag Italien kommt nicht vom Fleck erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Die Wirtschaft stagniert: Baustelle in Rom. Foto: Alessia Pierdomenico (Getty) Das Ergebnis der italienischen Wahlen ist alles andere als überraschend, wenn man die ökonomischen Daten betrachtet. Seit bald zwanzig Jahren kommt die Wirtschaft kaum vom Fleck. Auch die jüngste Konjunkturaufhellung in Europa ändert wenig an der italienischen Tristesse. Um die jahrelange Stagnation zu überwinden, wäre ein überdurchschnittliches Wachstum erforderlich. 2017 wuchs die Wirtschaft nicht einmal um zwei Prozent, wie die neusten Daten von Eurostat zeigen (Quelle). Die folgenden beiden Grafiken dokumentieren das Ausmass der Stagnation. Sie zeigen die Entwicklung des realen BIP und des realen BIP pro Kopf. Letzterer Wert liegt immer noch unter dem Niveau von 2000. Man kann also durchaus von zwei verlorenen Jahrzehnten sprechen. Was sind die Gründe für die italienische Schwäche? In der Regel gibt es bei einer Diskussion zwei Lager. Das erste Lager ist überzeugt, dass strukturelle Probleme entscheidend seien: unflexibler Arbeitsmarkt, starres Lohn- und Preissystem, dysfunktionales Bildungssystem, geringe private Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die veraltete Industriestruktur. Das zweite Lager betont die schädliche Rolle des Euro. Wie Griechenland sei Italien ein Verlierer der Währungsunion. Um seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren, müsste Italien eine deutlich schwächere Währung als heute haben. Hohe Lohnstückkosten Mir hat nie eingeleuchtet, warum sich die beiden Lager immer wieder heftige Rededuelle liefern. Oft geht es um eine fast schon religiöse Frage: Bist du für oder gegen den Euro? Die Wahrheit ist doch, dass sich die beiden Sichtweisen gut ergänzen. Italien hat ohne Zweifel grosse strukturelle Probleme. Aber genau deswegen war der Beitritt zur Währungsunion ein kapitaler wirtschaftspolitischer Fehler. Nur wenn ein Land über eine hohe Flexibilität verfügt – wie zum Beispiel die baltischen Länder –, ist es in der Lage, den realen Wechselkurs über Lohn- und Preissenkungen zu schwächen. Wenn aber diese Flexibilität nicht gegeben ist, verschärft die Euromitgliedschaft die strukturellen Probleme. So sind die Löhne in Italien seit Ausbruch der Eurokrise 2010 nicht gesunken. Damit sind auch die Lohnstückkosten gegenüber Deutschland nicht wesentlich zurückgegangen. Italien bleibt nach wie vor zu teuer im Verhältnis zu seiner wirtschaftlichen Produktivität. Rekordhohe Staatsschulden Wie weiter? Eine Möglichkeit wäre, aus der Währungsunion auszutreten. Dafür gibt es aber keine Mehrheit, weil die Angst vor dem Unbekannten grösser ist als die Mühsal mit den bestehenden Verhältnissen. Das ist gut zu verstehen. Ein Austritt birgt kurzfristig enorme Risiken. In Griechenland schreckte Tsipras 2015 genau aus diesem Grund vor einem Austritt zurück. Das machte ihn erpressbar, sodass er heute Vorlagen bringen muss, die das Demonstrations- und Streikrecht in Griechenland eindämmen. Mit linker Politik hat das nichts mehr zu tun. Die andere Möglichkeit wäre eine grundlegende wirtschaftspolitische Reform. Doch dies ist genauso unrealistisch, mindestens in der kurzen Frist, denn die Veränderung des Bildungssystems oder die Erhöhung der privaten Ausgaben für Forschung und Entwicklung lassen sich nicht von einem auf den anderen Tag beschliessen und umsetzen. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass die EZB die Zinsen möglichst lange tiefhält, damit der Staat die steigenden Schulden bedienen kann. Mittlerweile befinden sich die Staatsschulden[...]



Die Lehren aus der Toilettenpapier-Krise

2018-03-05T09:17:46Z

In Taiwan horten die Menschen Klopapier. Das zeigt beispielhaft die ökonomischen Folgen von veränderten Erwartungen. Der Beitrag Die Lehren aus der Toilettenpapier-Krise erschien zuerst auf Never Mind the Markets. Panikkäufe verbindet man normalerweise eher mit Lebensmitteln. In Taiwan aber horten die Menschen gerade Toilettenpapier. Foto: David Chang (Keystone) Erwartungen spielen in der Ökonomie eine grosse Rolle. Auf Kapital- und Devisenmärkten sind sie sogar entscheidend. Aktuelle Langfristzinsen oder Devisenverhältnisse werden stark durch die Erwartungen an die Geldpolitik der Notenbanken bestimmt. Aktienkurse drücken künftige Gewinnerwartungen aus und solche zur weiteren Zinsentwicklung. Aber Erwartungen haben auch auf Märkten für sehr viel alltäglichere Produkte einen grossen Einfluss. Das erleben die Bewohner der Pazifikinsel Taiwan gerade. Denn dort herrscht eine eigentliche Toilettenpapierkrise. Ihr Verlauf ist ein Lehrbeispiel für die ökonomischen Folgen einer veränderten Erwartung. Nachdem die Produzenten von Toilettenpapier die Detailhändler informiert hatten, dass die Preise von Klopapier ab etwa Mitte März zwischen 10 und 30 Prozent ansteigen würden, tätigten die Konsumenten Hamsterkäufe und räumten die Regale leer. Die Produzenten haben auf die Knappheitskrise mit der Zusicherung reagiert, dass sie die Preise nicht schon frühzeitig anheben würden. Ankündigungen wirken sofort Doch sie wären naiv, hätten sie deshalb mit einer Beruhigung der Lage gerechnet. Wenn eine Sache, wie in diesem Fall das Toilettenpapier, lange haltbar bleibt und die Preiselastizität gering ist – das heisst, man kann auch bei höheren Preisen schlecht darauf verzichten –, dann macht es für die Konsumenten Sinn, in der Erwartung des Preisanstiegs so viel Klopapier wie möglich noch im Vorfeld zu kaufen. Ebenfalls zu erwarten war daher ein sofortiger Preisanstieg. Das ist angesichts des Ansturms die ökonomische Antwort auf die entstehende Knappheit. Doch die Regierung hat bereits angekündigt, Händler zu büssen, die entsprechend handeln. Damit haben diese jetzt einen starken Anreiz, das Klopapier zu horten, weil sie das noch zu tieferen Preisen eingekaufte Papier später deutlich teurer absetzen können. Das dürfte die Knappheit weiter verschärfen und die Panikkäufe befeuern. Die Geschichte ums Klopapier in Taiwan ist aber auch ein Lehrbeispiel für die Abhängigkeiten in einer globalisierten Wirtschaft: Denn die Gründe für die erwartete Preiserhöhung liegen weit weg von der Pazifikinsel: in Waldbränden in Kanada und Produktionsproblemen in Brasilien. Beides verteuert den Zellstoff, den es zur Herstellung des Klopapiers braucht. Dass es in anderen Ländern nicht zur gleichen Entwicklung gekommen ist, liegt unter anderem daran, dass der Anteil an rezykliertem Toilettenpapier in Taiwan mit nur 5 Prozent im internationalen Vergleich sehr gering ist. In Japan liegt er bei 65 Prozent, in den USA und Europa bei rund 50 Prozent. Der Beitrag Die Lehren aus der Toilettenpapier-Krise erschien zuerst auf Never Mind the Markets. [...]