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nomeata’s mind shares



Joachim Breitners Denkblogade



 



Trump is so mean

Sun, 29 Jan 2017 21:31:18 -0500

Vor zweieinhalb Monaten berichtete ich an dieser Stelle von meinen Eindrücken nach der Präsidentschaftswahl (Danke für die motivierenden Rückmeldungen!). Inzwischen ist Donald Trump Präsident, und nun geht es so richtig los. Am Tag der Amtseinführung habe ich nicht viel mitbekommen. In Philadelphia gab wohl es Proteste, insbesondere am Tag drauf, als hier wie in vielen anderen Städten in und außerhalb der USA der „Women’s March“ statt fand. Über Facebook konnte ich mitverfolgen, welche meiner Bekannten teilnahmen, das war es aber auch erst mal. Zumindest in Philadelphia halten viele wenig von Trumps Verordnungen Interessant wurden die nächsten Tage, als sich zeigte, dass Trump es ernst meint und mit einer Verfügung nach der anderen seine Vorstellungen in die Tag umsetzen wollte. Ich will hier nicht alles wiederholen, was schon ausführlichst in den Nachrichten, auch in Deutschland, behandelt wurde (die BBC hat eine gute Zusammenfassung der ersten Woche). Für mich und mein akademisches Umfeld am relevantesten waren zwei Entwicklungen: Zum einen verfügte Trump einen Maulkorberlass für viele Behörden, und für das Umweltamt sogar einen kompletten Einstellungs- und Auftragstop, und von der Seite des Weißen Hauses verschwanden Abschnitte zum Klimawandel. Auch wenn sich ein paar Nationalparkranger dem Anfangs widersetzten – das ist nicht mehr ein Umfeld von freier Wissenschaft und Ratio-geleiteter Politik. Noch heftiger war die Reaktion dann als Trump plötzlich und ohne Vorwarnung die Einreise von Bürgern sieben vorwiegend muslimischer Staaten, darunter dem Iran, stark einschränkte. Einige Reisende oder Wiederkehrende aus diesen Staaten wurden nun am Flughafen länger befragt, abgewiesen oder direkt zurückgeschickt. In meinem Freundeskreis hier sind auch Wissenschaftler aus dem Iran, deren Vertrauen in eine verlässliche Zukunft in den USA nun schwer beschädigt ist. Denn betroffen sind nicht etwa nur Bewerber um neue Visas, die sich nun auf längere Wartezeiten einstellen müssten, sondern auch solche, die schon längst ein Visum – oder gar eine permanente Aufenthaltsgenehmigung (green card)1 – haben und sich in den Staaten eine Existenz aufgebaut haben. Eine Anspielung auf das bekannte Niemöller-Zitat Über Facebook erfuhr ich dass einige meiner Freunde, insbesondere eben jene Iranerin, an einer spontanen Demonstration heute Nachmittag am Flughafen von Philadelphia teilnehmen wollten, und dem schloss ich mich an. Allerings nicht nur ich, so dass schon die Autobahn zum Flughafen von den Autos empörter Bürger verstopft war und zeiweise die Autobahnausfahrten gesperrt waren. Einige parkten weiter weg und liefen zum Flughafen (und waren schneller) Die Empfangshalle des Flughafens, dem angedachten Ort für den Protest, war angesichts von über 5000 Teilnehmern schon längst voll. Die in großer Zahl (und mit Pferden) aufmaschierte Polizei sperrte den Zugang und verlegte den Protest vor das Gebäude. Eines von vielen Kindern auf der Demo Ich mischte mich also eine Weile unter das dort protestierende Volk, lauschte den Sprechchören („No hate, no fear – refugees are welcome here“, „Let them in“, „This is what democracy looks like“) und bewunderte die unzähligen Pappschilder. Die Bilder hier sind eine Auswahl der besten (und weitere gibt es auf meiner Bilderseite). So etwas wie Beamtenbeleidigung kennt man im Land der free speech nicht Hier wurde später zurückgerudert.↩ [...]



Drei Jahreszeiten

Sun, 20 Nov 2016 16:51:19 -0500

Hier in Pennsylvania tickt das Wetter etwas anders als bei uns…

Sommer

Dieses Wochenende fuhr ich mit einer Freundin in die Poconos Mountains. Wir bezogen eine kleine Holzhütte im Wald. Samstag morgen frühstückten wir draußen. Wir wanderten im T-Shirt durch den Beltzville Park und picknickten mittags am Ufer von der Sonne beschienen und unter blauem Himmel. Temperatur vielleicht 26°C.

(image)

Frühstück in der Sonne

Herbst

Im Anschluss wanderten wir durch die Lehigh Gorge. Ein kühler Ostwind blies uns um die Ohren und lupfte das Laub in die Höhe. Wir futterten in Jim Thorpe und als wir wieder im Auto waren, fielen die ersten Regentropfen aufs Dach. Temperatur vielleicht 10°C.

Winter

Irgendwann hörte ich abends den Regen nicht mehr – er wurde zu Schnee. Und Sonntag morgen war die Hütte, das Auto und der Wald um uns herum mit einer 15cm dicken Schneeschicht bedeckt. Das Thermometer zeigte -3°C. Wir gingen wieder spazieren, diesmal um den Gipfel des Camelback Mountain herum. Alles war weiß und dick eingepudert,

(image)

Kein Frühstück im Schnee

Drei Jahreszeiten an einem Wochenende – das nenn ich effizienten Urlaub.

(Mehr Bilder auf meiner Bilderseite.)




Nach der Wahl

Tue, 15 Nov 2016 09:31:07 -0500

„Wie sieht’s aus in Trump-Land?“ Gute Frage. Ich kann ja mal ein paar Eindrücke schildern. Wahlkampf Anfangs war alles noch nett und lustig. Mit Arbeitskollegen schaute ich das erste Fernsehduell zwischen Clinton und Trump. Es wurde viel getrunken, vor allem wenn Trump den Mund aufmachte, aber insgesamt machte Hillary Trump fertig. Sah also gut aus. Auf Facebook (und den auf Facebook verlinkten Medien) wurde sich über Trump’s Persönlichkeit ausgelassen, und ich wundere mich, warum so wenig über seine Politik geredet wird – lieber ein Arschloch als Präsident, der das richtige macht, als ein Traumschwiegersohn mit den falschen Zielen, würde ich sagen – aber wohl zurecht wurde ich darauf hingewiesen, dass man auf seine Wahlversprechen eh nichts geben kann. Trotzdem halte ich fest dass die Übermoralisierung des Politikers hier weiter fortgeschritten ist als in Deutschland. Die letzte Woche vor der Wahl war überraschend ruhig. Die Prognosen sahen gut aus (Gewinnwahrscheinlichkeit für Clinton war bei ⅔). Viele meine Kollegen beteiligten sich ehrenamtlich am Wahlkampf, klingelten Telefonlisten durch oder marschierten von Haus zu Haus. Dabei geht es nicht darum, Wechselwähler oder gar Trumpwähler umzustimmen, sondern lediglich, die demokratisch gesinnten Wähler auch zum Wählen zu kriegen. Wahltag Am Wahltag war -- soweit ich das erkennen kann -- gerade zu heitere Stimmung. Das Wetter war gut, und auf dem Campus trug jeder stolz seinen „I voted“-Aufkleber auf der Brust, den man hier bekommt. Man fragte sich gegenseitig, ob man schon wählen war. Abends verfolgte eine Freundin und ich das Geschehen in einer Kneipe hier in West-Philadelphia, es lief CNN. Als verkündet wurde, dass Michigan an die Republikaner ging, war ihr klar, dass hier etwas gewaltig schief lief. CNN berichtete noch von neuen Meldungen aus den verschiedenen Staaten, aber die Prognose auf nytimes.com sagte schon eine Wahrscheinlichkeit von >95% für Trump. Die Wahl war gelaufen, und sie lief anders als von allen in meiner Umgebung hier erhofft, und auch anders als erwartet. Für mich fühlte es sich wie eine Wiederholung des Brexit-Wahlabends an. Auch Pennsylvania kippte und wählte insgesamt für Trump. Wir hatten keine Lust mehr auf Kneipe und verzogen uns. Nach der Wahl Selbst das Wetter war deprimiert. Davor noch herrlich sonnig, war es jetzt plötzlich kalt und regnerisch. Tränen hier in meiner WG. Eine Mitbewohnerin macht sich Sorgen um ihre Krankenversicherung wenn Obamacare gestrichen wird. An der Uni gedrückte Stimmung. Auf Facebook gingen die Emotionen um. Freunde luden Freunde zum gemeinsamen Wundenlecken ein. Am zweiten Abend gab es in der Innenstadt Protestmärsche gegen Trump mit mehreren Tausend Teilnehmern. Gleichzeitig gab es Berichte über sogenannte „hate crimes“ im ganzen Land (eine von Schwarzen genutzte Kirche wurde noch vor der Wahl abgefackelt, weitere andere nach der Wahl beschmiert und in Philadelphia (Hakenkreuz-Graffiti und Nazi-Sprüche an Wänden, sexistische Sprüche in die Autofenster einer Professorin geritzt). Facebook-Freunde von mir erkundigen sich nach geeigneten Kampfsportarten und Selbstverteidigungskursen um bei eventuellen Auseinandersetzungen ihre Freunde und sich selbst schützen zu können. Es werden Parallelen zu Deutschland nach dem ersten Weltkrieg und Hitlers Machtübernahme gezogen. An der Universität werden schwarze Studenten per „GroupMe“ mit rassistischen Sprüchen überzogen. Große Aufregung mit mehreren Rundmails des Präsidiums an alle Mitglieder der Studenten, FBI eingeschaltet, und Ermittlungen in Oklahoma, wo die Täter wohl sind. Eine andere Rundmail der Präsidentin an alle Mitarbeiter, dass einige Studenten jetzt nach der Wahl sicherlich eine schwere Zeit durchmachen, und an solle doch bitte nachsichtig und einfühlsam zu sein, und flexibel was Hausaufgaben oder so angeht. Und ich? Unmittelbar betrifft mich die Wahl von Trump nicht. Ich bin kein Muslim, ich bin kein Mexikaner, ich bin keine Frau, nicht Qu[...]



Die Taxitür und ich

Thu, 20 Oct 2016 13:06:28 -0400

Hier in Philadelphia radele ich täglich von meiner Wohnung in der Baltimore Avenue zur Uni. Praktische alle Straßen, die ich dabei nehme, haben einen explizit markierten Fahrradstreifen, so dass das im Großen und Ganzen gut geht. Aber halt nicht immer… Die Türe öffnet sich Ich fuhr also gerade die leicht abschüssige Spruce Street hinab, als in etwa hier ein Taxi vor mir nach rechts ausschert und den halben Fahrradstreifen blockiert. Gerade als ich an ihm vorbeifahren wollten, macht der Passagier die hintere rechte Türe auf und blockiert meinen Weg. Ich konnte wohl noch etwas, aber nicht vollständig abbremsen. Mein Vorderrad muss noch zur Hälfte rechts an der Türe vorbeigekommen sein, bevor ich von der Kante der Türe endgültig gestoppt wurde. Das Taxi verschwindet Der Passagier stieg aus, erkundigte sich knapp nach meinem Wohlergehen. Nach einem schnellen Check entdeckte ich nur eine Schramme unter der linken Brust und eine Delle am linken Bremshebel, aber sonst schien alles in Ordnung und das Fahrrad sah auch gut aus. Ich sagte „I’m ok“ und er verschwand. Der Taxifahrer machte keine Anstalten auszusteigen oder sich nach mir zu erkundigen. Entweder er war eine Weile unschlüssig und wartete ob ich mich melde, oder hat das gar nicht mitbekommen. Ich wusste nicht recht was zu tun ist und habe den Taxifahrer nicht konfrontiert (was hätte ich auch sagen sollen?), aber ich hab ein Photo von seine Nummernschild gemacht, während sich das Taxi nach ein paar Momenten (vielleicht einer halben Minute?) von dannen fuhr. Die Uniformierten helfen Ein Security-Mensch des Krankenhauses, vor dem sich das zugetragen hat und wohl das meiste gesehen hat, wollte wissen wie es mir geht. Ich entdeckte noch weitere Schrammen am linken Oberarm, aber nichts weiter. Alle Rippen fest am Platz, Atmen normal möglich. Er fragte, ob er die Polizei rufen soll. Ich zögerte und druckste herum – es schien ja nichts kaputt zu sein, weder an mir noch am Fahrrad, also was soll der Terz? – aber druckste wohl zu lange, denn er sprach irgendwas in sein Funkgerät und wenige Minuten später war eine Polizistin (selbst auch per Rad unterwegs) da. Die ausgesprochen freundliche Vertreterin der Uni-eigenen Polizei nahm meine Personalien auf und ließ sich den Tathergang beschreiben. Sie bestärkte mich darin, einen Bericht zu erstatten: Der Taxifahrer hat sich klar falsch verhalten (die Fahrradspur missachtet, nicht auf Radfahrer geachtet, weggefahren ohne zu sich zu kümmern). Sie trieb auch einen Zeugen auf, der in seinem Wagen auf dem Parkstreifen direkt hinter der Unfallstelle saß und meinen Bericht bestätigen konnte. So hab ich jetzt eine Berichtnummer und eine Telefonnummer wo ich mich melden kann falls sich noch etwas ändert. Wenn ich innerhalb von 24 Stunden noch etwas entdecke, was kaputt ist (was ja nicht unwahrscheinlich ist, sobald das Adrenalin weg ist), wird das noch dem Unfall zugeordnet. Aber es scheint tatsächlich nicht mehr kaputt zu sein. Nachbemerkungen Meine Kollegen sagen, dass man hier sehr vorsichtig Fahrrad fahren muss. Manche nutzen die Fahrradspur nicht, sondern fahren immer mittig auf einer Autospur. Und nur weil Taxifahrer berufsmäßige Autofahrer sind, heißt das nicht, dass sie auch professionell fahren… Das ist ja auch alles richtig, und ich weiß natürlich, dass ich als Radfahrer hier ein erhöhtes Risiko eingehe. Trotzdem halte ich es es für gerechtfertigt, auch wenn ich den Crash vielleicht bei anderer Fahrweise vermeiden hätte können, mir an diesem Crash keine Schuld zuzuweisen. Und vielleicht hat die Geschichte den Effekt dass zumindest ein Taxifahrer hier in Zukunft besser auf die Fahrradspur aufpasst.[...]



Swing-Tanzen in Philadelphia

Sat, 17 Sep 2016 19:03:50 -0400

Ich bin mal wieder unterwegs, diesmal auf dem Weg zur ICFP in Nara in Japan, und habe Zeit einen weiteren Bericht aus Philadelphia zu schreiben. Wie manchen versprochen erzähle ich heute, wie es mit Swing-Tanzen in Philadelphia aussieht. Man könnte meinen ich hätte meine Wohnung strategisch günstig zum Swing-Tanzen gewählt, denn die beiden wöchentlichen Events sind in unmittelbarer Nähe: Jazz Attack Donnerstags findet in den Räumlichkeiten der University City Arts League Jazz Attack statt: Um 20 Uhr gibt es einen Kurs mit monatlich wechselnden Themen (im August waren es Turns, Tension und Stretch beim Charlston, jetzt im September lernen wir Balboa), stets parallel zu einer Einführung für absolute Anfänger. Einsteigen ist also jederzeit möglich. Die Kurse werden von Freiwilligen gehalten (und sind nicht ganz so lehrreich wie bei einer „richtigen“ Tanzschule). Mit 7 Dollar ist man dabei, und darf auch gleich zum Social bleiben, der von 21 bis 23 Uhr geht. Jazz Attack Das Gebäude ist – wie auch jenes in dem ich wohne – ein ganz normales Reihenhaus, geschätzt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das heißt man tanzt im 1. Stock auf schönem Parkett. Wenn im Kurs alle im gleichen Takt ihre Schritte machen, dann wackelt und rödelt die Schiebetür, und im Erdgeschoss sieht man die Decke zentimeterhoch beben und fragt sich, was da ein Statiker zu sagen würde. Aber es scheint zu halten. Leider ist der Tanzraum nicht besonders groß, vielleicht so groß wie die reine Tanzfläche im Schlachthof in Karlsruhe, und jetzt, wo das Semester begonnen hat, wird es ziemlich voll. Die Organisatoren installieren zwar eine mobile Klimaanlage in einem der Fenster, aber gegen die Tänzer kann die nicht viel ausrichten. Immerhin gibt es gegenüber einen kleineren zweiten Raum, in dem man sich ein wenig abkühlen und auch besser unterhalten kann. Clark Hop Sonntags mittags von halb 1 bis halb 3 findet im Park direkt vor meiner Haustüre der kostenlose Open-Air-Social Clark Hop (ja, der im Hintergrund auf dem Titelbild der Seite bin ich) statt. Zumindest sofern das Wetter mitspielt – im August hat die Hitzewelle hier ein paar mal dafür gesorgt, dass es abgesagt werden musste. Live-Musik im Clark Park In der Regel wird der kleine Beton-Platz vor der Charles-Dickens-Statue von einer Boombox beschallt, doch schon zweimal seit ich hier bin spielte eine lokale Band auf, die sich ganz nonchalant auf der Parkbank zurecht macht und für gute Musik sorgt. Der Boden ist nur mäßig zum Tanzen geeignet, und meine guten Schuhe bleiben Sonntags zu hause (Karlsruher, eure Holzinsel am ZKM ist echt was wert!). PILE Letzten Samstag fand der jährliche Swing-Exchange Philadelphias mit dem etwas unvorteilhaften Namen PILE statt: Workshops von 10 bis 3 Uhr, dann Wettbewerbe (an denen nur Vollzeitstudenten teilnehmen durften, ich hatte also Pause, die ich nach 4 Stunden Workshop auch brauchen konnte) und abends ein Social. Wir tanzten in der Houston Hall, einem stattlichen Gebäude der University of Pennsylvania mit schön großem Saal. Ich habe am Advanced-Workshop teilgenommen, mit zwei Lehrern aus New York, und war auch entsprechend gefordert (Twenties-Charlston – nie gemacht!), aber nicht fehl am Platz. Leider ist auch bei den neuen Figuren da das Problem, dass ich sie schnell wieder vergesse. Advanced-Kurs bei PILE Bal Night Jeden zweiten Freitag im Monat findet die Bal Night statt: Ort, Aufbau und Kosten wie Jazz Attack, nur dass Balboa getanzt wird. Nachdem jetzt bei Jazz Attack geschickter weise auch Balboa gelehrt wurde, kann ich mich in Zukunft öfter auf der Bal Night blicken lassen. Blues Diese ganzen Veranstaltungen werden vom Verein LaB (Lindy and Blues) organisiert, und so findet Montag abends in der Innenstadt Powerhouse Blues statt. Ich war bisher einmal dort, als ein Einstieg für Anfänger geboten wurde, und auch Blues macht Spaß. Weniger hektisch, mehr Improvisation. Ich werde es im Oktober wohl nochmal prob[...]



Ein Krankenhausbesuch in den USA

Wed, 07 Sep 2016 20:01:50 -0400

Seit gestern morgen habe ich einen ziemlich rauen Hals und hab mich auch sonst nicht gesund gefühlt (fiebrig, Kopfweh). Heute erfahre ich von einem Kollegen, mit dem ich am Samstag gemeinsam unterwegs ist, dass er auch krank ist und „Strep“ hat, eine bakterielle Entzündung des Rachens. Da das ansteckend ist und behandelt schneller weg geht empfiehlt er mir (per Mail), einen Schnelltest zu machen. Ich nehme das als Anlass, meine ersten Erfahrungen mit dem US-Gesundheitssystem zu machen. Über meine Anstellung an der Uni habe ich eine Krankenversicherung, die aber nur für bestimmte Ärzte und Kliniken in vollem Umfang bezahlt. Auf deren Homepage kann ich für mein Anliegen (Untersuchung mit Strep-Schnelltest) mir sagen lassen, wie viele ich dabei wohl zuschießen muss (20$) und wo ich entsprechende Ärzte finde. Die nächste Klinik, das „Presbyterian Medical Center“ ist direkt auf dem Campus und gehört zur Universität. Ich mache mich also auf den Weg und gehe dort zur Information am Haupteingang. Der Wachmann dort lässt mich wissen, dass ich zum „Emergency Walk-In“, also der Notaufnahme, gehen muss (auch wenn das nicht gerade meinem Verständnis eines „Notfalls“ entspricht), und ein kräftiger Sicherheitsmann führt mich durch das Gebäude, zu einem Neben-Ausgang, und weißt mir da den Weg zum „Emergency Walk-In“. Hier muss ich erst durch eine Sicherheitskontrolle mit Röntgengerät. Dann ein Empfang, wo ich ein paar Daten (Name, Social-Security-Nummer, Geburtsdatum sowie Anliegen) abgebe, und im Gegenzug ein Papierband mit Barcode für mein Handgelenk erhalte. Damit setze ich mich in den Wartebereich und warte (ein Glück dass ich eine e-Book-Lese-Programm auf mein Handy geladen habe.) Mir fällt auf dass hier im Wartesaal außer mir nur Schwarze warten, und die meisten sehen nicht aus als ob sie gerade von einem Akademiker-Job kommen. Habe ich etwas falsch gemacht (oder zumindest anders als meine Kollegen machen würde)? Hätte ich vielleicht statt dessen einen Termin mit einem Arzt ausmachen sollen? Oder in die Sprechstunde eines HNO-Arzt gehen? Nach 1½ Stunden werde ich von einer freundlichen Krankenschwester ausgerufen und in ein Untersuchungszimmer geführt. Sie fragt nach meinen Symptome, Medikamenten, Allergien und misst Blutdruck, Puls, Temperatur. Dann meint sie ich wäre gerade zur richtigen Zeit da und werde jetzt „fasttracked“, was wohl heißen soll, dass ich jetzt schnell behandelt werde. Sie führt mich in ein anderes Untersuchungszimmer („Super Track 3“) und lässt mich auf die Ärztin warten. Nach einer halben Stunde kommt nicht die Ärztin, sondern eine Mitarbeiterin, die mehr Daten von mir will (Adresse, Versicherungskarte, Notfallkontakt). Während ich ihr das noch alles buchstabiere, kommt dann die Ärztin. Auch sympathisch, fragt die Symptome ab, schaut mir in die Ohren und den Rachen, hört meine Lunge ab und holt dann den Schnelltest, für den sie einen Rachenabstrich macht. Sie meint, das braucht 20 Minuten, und lässt mich im Untersuchungszimmer warten. Hier warte ich also, lese weiter, und hole irgendwann meinen Laptop raus um diesen Text zu schreiben. Zwischendurch kam eine Mitarbeiterin und legte Aufkleber auf den Tisch. Dann kam eine Schwester und holte die Aufkleber, um damit den Test zu bekleben, und meinte das dauert nochmal eine Stunden. Dann wieder die Mitarbeiterin, die mir verkündet, dass mein Beitrag nicht 20 sondern 75 Dollar sind. Ich gebe ihr meine Bankkarte, sie geht und kommt zum Unterschreiben wieder. Ich warte weiter. Dann kommt sie nochmal und will meine Telefonnummer. Mein Hals tut weiter weh, aber so langsam krieg ich Hunger. Eine Stunde später kehrt die Ärztin wieder und verkündet mir ein negatives Testergebnis. Weil der Schnelltest aber nicht 100% sicher ist macht sie noch einen Abstrich für einen Labortest, dessen Ergebnisse ich in zwei Tagen bekommen kann. Sie vermutet einen Virus und will mir ents[...]



Eine Woche Philadelphia

Fri, 05 Aug 2016 20:52:01 -0400

Es ist wieder Freitag, und ich sitze wieder in einem Zug. Letzte Woche war es der ICE nach Philadelphia (mit einmal Umsteigen am Flughafen Frankfurt), jetzt ist es der Amtrak Northeastern Regional train nach Boston, wo ich übers Wochenende eine Freundin besuche. Erzählen will ich jetzt aber nicht von Boston, sondern von meiner ersten Woche Philadelphia. Die Wohnung Nach dem dank Premium-Economy-Platz (günstiger als ein Economy-Flug mit zusätzlichem Freigepäck) recht angenehmen Flug und einer Stunde unnützem Warten in der Schlange vor der Passkontrolle erreichte ich am späten Nachmittag per Taxi mein neues Zuhause im Westen von Philadelphia. Es war heiß, schwül und unangenehm schwitzig. Der Schlüssel lag – wie vereinbart – im Briefkasten. Der erste Eindruck des Wohn- und Esszimmers war mäßig: Geräumig, aber es stand viel Krempel herum. Anders mein Zimmer: In dem als „möbliert ohne Bett“ beworbenem Zimmer stand weniger herum als erwartet. So war da zwar ein kleiner Schreibtisch, aber kein Stuhl dazu. Was auch nicht da war war die aufblasbare Luftmatratze meiner Mitbewohnerin, die mir versprochen hatte, diese in das Zimmer zu legen. Ich spazierte noch einmal die Baltimore Avenue entlang und kaufte bei einem genossenschaftlich betriebenen und ökologisch angehauchtem Supermarkt das nötigste (Tee, Milch, Oatmeal). Aber bald machte sich die Müdigkeit breit (gefühlt war es ja bereits vier Uhr morgens). Ich hatte zwar kein Bett, aber zum Glück hatte ich Isomatte und Schlafsack mitgenommen. Die breitete ich aus, steckte als Kissen einen Pulli in einen Stoffbeutel, und legte mich schlafen. Wegen Hitze und unbequemer Matratze schlief ich allerdings nicht ein, und kurz drauf klopfte es an meiner Tür: Jene Mitbewohnerin zeigte sich und brachte mir die Luftmatratze. Dank elektrischer Pumpe war diese auch schnell einsatzbereit, so dass ich die erste Nacht doch auf etwas halbwegs bettähnlichem verbringen konnte. Am nächsten Tag oder, besser, in der nächsten Nacht machte sich der Jetlag noch deutlich bemerkbar. Ich schlief nur bis zwei Uhr morgens (ich bin die letzten Jahre wohl zu regelmäßig um acht Uhr aufgestanden). Ich versuchte dann noch so gut es geht zu dösen, aber um vier Uhr war ich endgültig zu wach und begann, Zeug am Rechner zu erledigen. Als es dann wirklich Morgen war und ich gefrühstückt hatte (und ich die Theorie aufgestellt habe, dass dort wenige Leute den Schwarztee zum selber abfüllen kaufen, er daher entsprechend lange in dem Laden stand und so etwas an Geschmack verloren hat) machte ich mich auf den Weg, die wichtigsten ersten Erledigungen zu machen: Erst eröffnete ich ein Bankkonto, was erstaunlich unproblematisch war, zumindest solange mir die Debit-Karte reicht. Dann ging es zum IKEA. Bisher habe ich IKEA gemieden und versucht, bei Einzelgeschäften oder kleineren Ketten zu kaufen, aber in dem Fall überwog die Bequemlichkeit, zu einem Laden zu gehen, wo ich ungefähr weiß, was mich erwarte, wo ich alles bekomme was ich brauche und der mir die Einkäufe nach Hause liefert. Ich brauchte etwa eine Stunden mit dem Bus von West Philadelphia zum IKEA in Süd-Philadelphia, und besorgte mir ein Bett, eine Matratze, eine Decke, Kissen, Bezüge, einen Schreibtischstuhl und ein Bücherregal. Das zu finden brauchte auch nur kaum länger als das Warten am Schalter der die Nach-Hause-Lieferungen entgegennimmt. Aber das Warten zahlte sich aus: Nicht nur dass die Möbel für nur 40$ noch am gleichen Tag geliefert werden, auch entdeckte der Mitarbeiter auf dem Kassenzettel dass mir der Bettrahmen doppelt berechnet wurde, und der Fehler lies sich korrigieren. Mit der Ansage, dass „zwischen fünf und neun Uhr“ meine Möbel geliefert werden, und einem großen Beutel mit allen kleineren Artikeln, die sie nicht liefern wollten in der Hand machte ich mich auf dem Weg zur Bushaltestelle. Kurz vor fünf war ich dann zu Hause und warte[...]



Ein schlüsselloser Moment

Fri, 29 Jul 2016 09:07:37 +0200

Im Moment nenne ich keinen Schlüssel mein eigen. Ein seltener und seltsamer Zustand, der nur eines heißen kann: Ich ziehe gerade um. Gerade bin ich, mit großem Koffer, großem Rucksack, Handgepäckkoffer und Laptoptasche beladen, in einen gut gefüllten ICE gestiegen. Der bringt mich an den Frankfurter Flughafen, und von dort geht es dann non-stop nach Philadelphia, wo ich die nächsten zwei Jahre leben und an der University of Pennsylvania arbeiten werden. Reisefertig Es gab mehrere Wünsche nach Berichten. Statt Rundmails zu schicken fülle ich lieber -- wie schon während meiner Zeit in Ghana, Indien und Cambridge -- meinen Blog wieder mit mehr (nicht-technischem) Leben. Nun bin ich zwar noch nicht in Philadelphia, aber die ersten Reise-bezogenen Anekdoten kann ich bereits zum Besten geben. Die Abmeldebestätigung Wer aus Deutschland wegzieht hat sich behördlich abzumelden, so will es das Gesetz. Also gut, ich gehe Anfang Juli zum Bürgerbüro (das unterbeschäftigte in Hagsfeld, wo man immer sofort drankommt). Erst verlangt die Mitarbeiterin eine Bescheinigung der Vermieterin, dass ich die Wohnung gekündigt habe. Nun kann ich eine solche nicht vorlegen: Meine Vermieterin wollte mich opportunistischer weise nicht aus dem Mietvertrag entlassen, sondern verlangte, dass meine Mitbewohnerin und ich erst ordnungsgemäß kündigen, bevor sie – eventuell und zu schlechteren Bedingungen – mit ihr einen neuen Vertrag aussetzt. Darauf haben wir uns nicht einlassen wollen, und so bleibe ich weiterhin, zumindest pro-forma, Mieter der Wohnung. Nach ein bisschen gut Zureden akzeptierte die Frau vom Bürgerservice das und verzichtete auf eine Kündigungsbescheinigung. Dann fiel ihr Blick auf mein Auszugsdatum und sie meinte, dass ich zu früh da wäre: Abmeldungen sind erst eine Woche vor dem Wegzug möglich! Welch unsinnige Regel… und ich hatte wenig Lust, in der letzten, mit Umzugs- und Abschiedsstress gefüllten Woche, nochmal nach Hagsfeld zu radeln. Ich: „Kann ich den Antrag eigentlich auch per Post schicken?“ Sie: „Ja, das geht auch.“ Ich: „Und was passiert wenn ich das schon heute per Post schicke?“ Sie: „Dann bleibt es bis eine Woche vor Ihrem Wegzug liegen.“ Ich: „Aha. Kann ich dann den Antrag nicht einfach jetzt bei Ihnen lassen?“ Sie: „Öh. Ja. Das geht auch.“ Sie legte den Antrag auf einen der Schreibtisch-Stapel, und schrieb in Ihren Papier-Kalender für den letzten Monat groß „Abmeldung Breitner“. Zufrieden ging ich von dannen, in der Erwartung die Sache geklärt zu haben und am Dienstag die Bescheinigung (die ich für GEZ, Banken, Versicherungen etc. brauche) im Briefkasten vorzufinden. Am Dienstag war nichts im Briefkasten. Am Mittwoch nicht. Gestern radelte ich also zum Amt. Die Dame erinnerte sich wohl, zog ohne Kommentar meinen Antrag aus dem Stapel, auf den sie ihn vor drei Wochen legte, und meinte, es fehle ja noch die Bescheinigung vom Vermieter… Erneut erklärte ich meine Situation, wedelte mit Visum und Mietvertrag in Philadelphia. Wenige Minuten später lief ich mit der Abmeldebestätigung in der Hand aus dem Büro. Selber und vor Ort klären ist halt doch das einzig wahre. Das Paket Wer denkt, dass ich wohl kaum mit den vier oben genannten Gepäckstücken einen Umzug hinbekomme, hat recht: Ein paar Sachen (Brettspiele, Bücher, Wintersachen) wollte ich per Post vorausschicken. Verunsichert durch Horrorgeschichten über die Behandlung von Postpaketen folgte ich dem Rat einer Freundin, statt Pappkartons stapelbare Kunststoffkisten vom Baumarkt zu nehmen, die nicht nur den Inhalt besser schützen sondern auch dort zum Verstauen geschickt sind. Nun heißt es auf der Webseite von DHL, dass ein Postpaket eine „formstabile Außenhülle aus Pappe, Wellpapper oder Packpapier hat“. Ist meine Kiste nun ein Postpaket? Wie heut zu Tage Usus fragte ich per Twitter bei DHL nach. Die Ant[...]



Eine Woche Freizeitstress in Cambridge

Sun, 19 Jan 2014 17:22:56 Z

So als Strohwitwer hat man ja wenig Gründe, den Feierabend einfach nur zu hause herumzusitzen, und daher habe ich meine Woche inzwischen gut mit Programm gefüllt. Die letzte Woche beispielsweise sah so aus: Montag Montag abends gings zu einem Tanzkurs des Cambridge Dancer’s Club, dem Tanzverein der Universität. Ich habe mich am Kurs „Ballroom and Latin Advanced“ versucht, und eigentlich war das auch mal mein Tanzniveau, aber das ist etwa 11 Jahre her... und so tat ich mich doch recht schwer. In dem Kurs ging die Zahl der Frauen und Männer auf, und so tanzte ich durchgehend mit einer vielleicht 70-jährigen Dame, die ebenso Schwierigkeiten mit den Figuren hatte, was natürlich auch nicht geholfen hat. Direkt im Anschluss war ein etwas einfacherer Kurs, in dem ich besser mithalten konnte. Hinterher habe ich gesehen dass dieser als  „DanceSport Ballroom Improvers“ deklariert ist, also für Leute die in Richtung Tanzwettbewerb gehen wollen, was ja nicht mein Ziel ist. Ich bin mir noch unschlüssig ob ich hier weiter mache, oder den Tag anders füllen will. Dienstag Diestag abend ist die traditionelle „Microsoft Research Interns Movie Night“, deren Organisation inzwischen bei mir gelandet ist. Diese Woche haben wir die neuste Folge der BBC-Serie „Sherlock“ im Auditorium – also mit großem Beamer und Kino-mäßigen Sesseln – geschaut; für nächste Woche ist „Gran Turino“ geplant. Mittwoch Mittwochs gehts stets zu einer Brettspielrunde, die ich übers Internet gefunden habe, mit einer Spielauswahl fast so groß wie beim Spieleabend in der Karlsruhe Spielepyramide, darunter sehr viele Spiele aus Deutschland, oft auch in der deutschen Ausgabe, mit einer aus dem Internet besorgten englischen Übersetzung. Zum Abschluss spielen wir immer noch eine Runde Bohnanza, wobei aus der Brechbohne dann die „Breckbean“ wird. Donnerstag Ich bei meinem Schüleraustausch in den USA vor 12 Jahren dort ein bisschen Swing, insbesondere Lindy Hop, getanzt, und seit dem nicht mehr. Daher war ich hoch erfreut zu sehen, dass hier gerade wieder ein Kurs beginnt: Diesmal nicht von der Universität aus, sondern von Cambs and Beds Lindy Experience, die in der Village Hall von Grantchester (da wo die berühmten Cambridger Auen sind) erst Lindy Hop und dann Balboa lehren. Von Lindy Hop hab ich sogar noch einen kleinen Rest im motorischen Gedächtnis, welches mir aber beim Balboa Schwierigkeiten macht: Der Tanz ähnelt oberflächlich dem Disco Fox, das heißt wenn ich auf die Füße achte, mache ich plötzlich Disco-Fox-Figuren (und verwirre meine Tanzpartnerin), und wenn ich auf die Figuren achte machen die Füße Mist. Da hilft wohl nur üben... Freitag Freitags kann ich dann üben, allerdings wiederum Latein- und Standardtanz, beim freien Tanzen in der Cafeteria des University Centers. Diese Woche mit dem unerfreulichen Zusatzprogramm „Fahrradschieben“, weil sich ein Glassplitter in den Reifen gebohrt hat. Aber ich bin hier ja ein verwöhnter Leihfahrradfahrer und hab das Rad also auf dem Rückweg beim Fahrradladen am Bahnhof (soweit sehr zu empfehlen!) angeschlossen, den Schlüssel mit einer kleinen Notiz in den Briefkasten geworfen und am nächsten Morgen frisch repariert und gewartet abholen können – daran könnte man sich gewöhnen. Samstag Samstags hab ich noch nichts wöchentlich regelmäßiges; diese Woche war ein Brettspieletag in Ely (etwa 40 Auto-Minuten nördlich von Cambrige), mit noch mehr neuen Brettspielen. Dort wurde ich auch auf yucata.de hingewiesen, ein Portal, in dem man viele Brettspiele kostenlos und asynchron, also ohne ständig online zu sein, spielen kann. Das wäre die ideale Plattform für meine eigenen Versuche, Brettspiele umzusetzten (zuletzt meine Adaption von Sim Salim als Sum Serum), doch leider ist mir die technische Umsetzung mit .NET [...]



Eine Geschichte über Heizungen in Großbritannien

Sun, 01 Dec 2013 10:42:31 Z

Am Mittwoch nach der Arbeit kam ich nach hause und hörte so ein nerviges Piepen. Meine erste Vermutung war, dass einer der vielen Rauchmelder sich beschwert, dass seine Batterie leer geht. Das Piepen kam aus dem kleinen Zimmer, in dem ich die ersten zwei Nächte wohnte, und es war dann auch tatsächlich ein Melder, aber kein Rauchmelder, sondern ein der Kohlenmonoxidmelder, der unter dem Heizungs-Boiler liegt. Allerdings beschwerte der sich nicht über Kohlenmonoxid, sondern über das Wasser, das kräftig auf ihn drauf tropfte.

Ich hab ihn erstmal abgetrocknet und dann die Batterien rausgenommen, um meinen Ohren eine kleine Pause gönnen zu können. Kurz drauf stellte ich fest dass alle Steckdosen im Haus keinen Strom hatten (die Lichte allerdings gingen). Leider wusste ich nicht wo die Sicherungen sind, ging also erstmal einkaufen und wartete auf meinen Mitbewohner.

Der stellte dann fest, dass wenn man die Sicherung reinmachte, sie gleich wieder raussprang. Das ging so lange so bis wir den Boiler komplett vom Strom trennten – der hat sich wohl selbst einen Kurzschluss verpasst.

Mein Mitbewohner telefonierte dann mit dem Vermieter, der telefonierte dann mit British Gas und brachte die dazu, am gleichen Abend noch einen Techniker zu schicken (wozu er wohl etwas dick auftragen musste und behauptete, der Strom würde gar nicht mehr tun). Und entgegen allen Unkenrufen meiner Mitbewohner und der mittwöchlichen Brettspielrunde, dass man sich bei British Gas keine große Hoffnungen machen muss, kam dann auch ein Techniker. Der stellte dann größere Schäden am Boiler fest, für die erstmal Ersatzteile besorgt werden müssen – bis Freitag bleibt die Heizung kalt.

Ich hab mir zwar inzwischen die dickste Decke gekauft gehabt, die es im Sainsbury gab, aber die Nächte waren doch recht frostelig.

Am Freitag war ich dann von uns vier Mitbewohnern (der fünfte ist ja praktisch nicht existent) wohl der mit den flexibelsten Arbeitszeiten und dem gutmütigsten Chef, so dass ich vormittags zu hause blieb und um 10 Uhr einen freundlichen Menschen von Britisch Gas empfing und mit Tee versorgte, während der – laut über das alte Gerät schimpfend, das wohl schon längst ausgetauscht gehörte – den Boiler wieder instand setzte.

Passend dazu übrigens ein Artikel in der neusten Zeit über das Verhältnis der Briten zum Heizen, den ich nun voll bestätigen kann – dass ich hier doppelt verglaste Fenster hab muss man schon als Glück bezeichnen.

An der Stelle interessant: Trotz der unglaublich schlechten Isolation der britischen Häuser und deren Einstellung zur Heizeffizienz produzieren wir in Deutschland mehr CO₂ pro Nase. Was vermutlich daran liegt dass die Briten vor einer Weile weitgehend auf ihren industriellen Sektor verzichtet haben.




Meine erste Woche in Cambridge

Thu, 21 Nov 2013 19:32:47 Z

Vor sieben Tagen bin ich nach einer längeren und relativ ereignislosen Zugfahrt über Köln, Brüssel und London hier in Cambridge angekommen, und so langsam wird es Zeit für einen kleinen Bericht. Ich versuche mal das Erzählenswerte thematisch zu sortieren. Meine Unterkunft Ich hatte mich schon vor einigen Wochen nach Zimmern umgeschaut und dann über die Wohnungsvermittlungswebsite der Universität ein Zimmer gefunden. Es ist eines der typischen britischen Reihenhäuser, für mich sehr geschickt gelegen (direkt neben einem großen Supermarkt, und Bahnhof und Microsoft Research in weniger als 10 Minuten mit dem Fahrrad zu erreichen). Ich teile es mir mit vier Master- und Ph.D. Studenten aus England, Deutschland und irgendwo her (jenen sieht man auch praktisch nie), und komme soweit mit allen gut zurecht, inkl. gemeinsam Essen bestellen und XBox zocken. Die Sauberkeit entspricht etwa dem, was ich aus der Insterburg gewohnt bin. Mein erster Eindruck des Zimmers war nicht so gut: Klein, ein Fenster zur Straße hin, das zum vernünftig Lüften zu klein ist (was man roch) und vor allem der war darin – gut versteckt – der Kessel der Gasheizung, der laufend geräuschvoll ansprang. Aber man gewöhnt sich an vieles... Muss man aber nicht: Zwei Tage später war ein Mitbewohner etwas verwirrt als ich meinte dass ich auf Grund der Beschreibung und dem Bild auf der Wohnungsvermittlungsseite dachte dass ich in das Zimmer ziehe das die Frau bewohnt hat, die vor mir hier im Haus gewohnt hat. Aber die wohnte nicht in dem Zimmer in dem ich wohnte, als ich einzog, sondern in dem Zimmer, in dem da der andere Mitbewohner wohnte, welcher ursprünglich im kleinen Zimmer wohnte. Alles klar soweit? Der war dann überrascht dass ich dachte dass ich das Zimmer bekomme in dem er zu dem Zeitpunkt wohnt, fand es aber schon komisch dass ob für das kleinere Zimmer die Miete des größeren zahlen solle (immerhin 50£ Unterschied). Ich hatte zwar gedacht, dass das alles so seine Richtigkeit hat – schließlich hat die Vermieterin einem Bekannten von mir, der in Cambridge wohnt und den ich zur Zimmerbesichtigung in die Brooks Rd schickte, auch schon das kleine Zimmer gezeigt. Andererseits war ich mir sicher dass die Zimmerbeschreibung, die ich gelesen hatte, nur auf das größere Zimmer passt. Er fragte dann bei der Vermieterin nach, was denn nun Sache sei und tatsächlich: Ich sollte das größere Zimmer bekommen. Es war also alles nur ein Missverständnis (wenn auch ein vielleicht billigend in Kauf genommenes – wer weiß). Also flugs Zimmer getauscht und nun habe ich ein größeres Fenster, Blick auf den Garten und kein Heizungskessel neben dem Bett. Ganz toll ist das Zimmer aber trotzdem nicht (wobei da die anderen nicht besser sein werden): Nachts wird die Heizung abgestellt und da wurde es schon arg kalt, so dass ich vorgestern um halb 5 aufwachte und frierend nicht mehr einschlafen konnte, bis ich dann einen dicken Pulli angezogen hab. Aber gerade komme ich vom Sainsbury mit der dicksten Decke, die sie hatten, zurück; damit sollte auch das klappen. Ansonsten ist das Haus auf einem Stand wie man ihn erwartet, wenn man ein eher günstiges Zimmer in guter Lage erwischt (und dafür wohl wieder ganz gut). Die Dusche läuft warm, aber wenig, Küchengeräte etc. sind vorhanden (der Geschirrspüler ist kaputt), und dass ich meinen Rasierer im Bad nur mit Verlängerungskabel verwenden kann ist wohl in ganz England so – 230V-Steckdosen sind hier in Bädern verboten. Ich hab ein paar Bilder von Zimmern und Haus hochgeladen. Fahrrad Da ich mein Laptop mitgebracht hatte war das das nächst wichtigste, was ich noch brauchte, ein Fahrrad. Hier hab ich mir den Luxus eines Mietrads gegönnt, statt lange nach günstigen gebrauchten zum Kaufen und Wiederverkauf[...]



A post card on detours

Mon, 11 Jul 2011 11:19:21 Z

During my stay in India, I sent weekly post cards to my girlfriend. Not all of them arrived, but even now, seven weeks after my return, occasionally a card arrives. Yesterday, a card arrived that I have sent on April 30th from Leh, by giving it to the hotel reception. According to the stamp, it has reached the post office in Leh already by June 17th! But even that does not explain the delay completely – but another stamp on the card does: „Missent to MPC Jakarta 10900“. I have no idea why anyone would think this card was destined for Indonesia, but it’s nice to be able to send cards from places where I haven’t even been close to.




Satire on Gender Issues at IIT Bombay

Thu, 02 Jun 2011 13:42:36 Z

IIT Bombay, like most likely most Indian educational instituates, has some rules and regulations about the interaction between boys and girls that, at least to the uninitiated eye of a foreigner who was brought up in a liberal society, seem arbitrary and archaic. At IIT Bombay, for example, there may be no visits in hostels by students of the other gender (yes, there are separate boys’ and girls’ hostels) between 10pm and 7am, and during the day any such visit has to be registered at the reception security guard. And when there was need for more room for girls and they reassigned one wing of a boys’ hostel to the adjacent girls’ hostel, they closed the connection by bricking it and split the lawn by a fence. With barbed wire on top.

I took this as a theme for a satirical inspection of these policies which comes to the conclusion that IIT Bombay is a very progressive institute that puts these rules in place as affirmative action towards same-gender relationships. After some discussion with the editors the text got actually published in the institutes’ bi-monthly newspaper “Raintree”, unfortunately only now, two weeks after I left India. You can read the text on the bottom of page 8 in the 6MB PDF file.

I cannot predict how it will be received, but at least Utkarsh Raut, who illustrated the text, clearly got the message right. Thanks for the nice and very fitting drawing!




Spaziergang nach Süden

Thu, 14 Apr 2011 15:20:28 Z

Heute war ein Feiertag. Nationale Feiertage werden in Indien wohl vier Wochen vorher von der Regierung ausgerufen, und uns Studenten dann drei Tage vorher mitgeteilt. Eigentlich wäre dies mein letzter Vorlesungstag gewesen, aber so hatte ich frei und nahm mir vor, einfach mal gen Süden zu gehen, schauen wie weit ich komme und was ich dabei entdecke. Ich machte mich also vom Market Gate des IIT auf durch Powai und dann die Straße über den Hügel nach Vikhroli. Aber statt dann der Straße wieder in die Ebene zu folgen, lief ich quer in das Viertel, das sich an diesen Osthang schmiegt. Ich glaube nicht dass sich oft Ausländer hier hin verirren, denn die Kinder waren alle hocherfreut und aufgeregt, und alle wollten das ich Bilder von ihnen mache. Ein paar hundert Meter weiter winkte mich dann ein junger Mann zu sich. Generell bin ich bei solchen am ehesten vorsichtig, aber Hallo sagen schadet ja nicht. Er wollte natürlich wissen wo ich hin will und als ich meinte, ich erkunde ziellos die Gegend, bot er mir an mich auf den Bergkamm zu führen, von wo ich nach Osten, nach Vikhroli und Ghatkopar, als auch nach Westen, in das noble und teuere Hiranandani-Viertel, blicken und photographieren kann. Das lies ich mir nicht entgehen und so stapfte ich ihm hinterher durch immer kleinere Gassen zwischen den Gebäuden und zuletzt über ein paar Quadratmeter Müll auf den Hügel, und die Aussicht war in der Tat sehenswert. Wir befanden auf einer Straße die zu einem eingezäunten Helikopterlandeplatz führt, den wir leider nicht betreten dürfen. Es handelt sich dabei angeblich um den privaten Landeplatz von Mr. Hiranandani, der diese Gegend bebaut. Richtung Westen sah ich also Vikhroli, ein Viertel dass Nitesh, wie mein Guide heißt, ohne weitere Umschweife als „Slum“ bezeichnete. Ich selbst bin da eher vorsichtige, immerhin waren es alles gemauerte Häuser und es gab Stromzähler, aber nichts desto trotz war es ein starker Kontrast zu den Hiranandani-Apartment-Hochhäusern. Ich fragte Nitesh, wie teuer so eine Wohnung ist, und er meinte dass eine Zwei-Zimmer-Wohnung 80 Crore kosten würde. Das wären 13 Millionen Euro und doch mehr als ich glauben wollte, aber „viel“ stimmt sicherlich. Beim Abstieg merkte Nitesh wohl dass ich auch von dem Slum (ich sag das jetzt einfach auch) Photos mache und begann eifrig mich auf Motive aufmerksam zu machen: Dort nochmal eine enge Gasse, da ein paar Hunde, hier ein Tempel. Ich bekam Durst und wollte eine Pepsi kaufen. Der Laden, den Nitesh ansteuerte, hatte nur 7up, was mir auch recht war. Nitesh trank auch eine Flasche und bestand dann darauf, dass er zahle. Kurz darauf gingen wir auch noch in einen Saftladen und tranken, weil ich sagte dass ich keinen Zuckerrohrsaft mag, bestellte er etwas das entweder Karotte oder Rote Beete war. Auch hier lud er mich ein. Ich fragte ich natürlich ein bisschen aus und fand heraus dass er eine verheiratete Schwester und einen älteren Bruder hat und einen Bachelor of Business gemacht hat. Ich fragte ihn auch ob er eine Freundin hat und, als er das bejahe, woher er sie kennt. Die Geschichte, die ich dann zu hören bekam, ist auf jeden Fall erzählenswert, auch wenn ich mir nicht in allen Details sicher bin dass ich ihn richtig verstanden hat: Er arbeitete einmal beim Vodafon-Callcenter und eine junge Frau rief an um ihren caller tune zu kündigen. Caller tune heißt dass ein Anrufer kein ödes Tüten hört, sondern irgendeine peppige aktuelle Musik – das gabs in Deutschland doch auch mal, oder? Er hat sie gefragt, warum sie dass denn nicht mehr wolle und sie hatte ihn angefahren was ihn das denn angehe. Das muss Eindruck gemacht haben, so dass er sich ihre Nummer notierte. Ein halbes[...]



Familiengerechte Arbeitsbedingungen

Sat, 05 Mar 2011 17:06:55 Z

Auch in Indien bin ich regelmäßiger, wenn auch stets etwas verspäteter Leser der ZEIT. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, gibt es in Deutschland gerade eine Debatte um Frauen in Top-Positionen in der Wirtschaft, möglichen Frauenquoten und dabei Streit zwischen unseren Bundesministerinnen. Ich will mich in die Diskussion auch gar nicht einschalten (da wäre ich wohl – wenn ich das richtig mitbekommen habe – auch der erste Mann), sondern lediglich eine Beobachtung mit euch teilen.

Meine Vorlesungen hier am IIT Bombay finden im KReSIT-Gebäude statt, das ich also täglich mit dem Fahrrad ansteuere. Direkt gegenüber ist die Baustelle eines neuen Gebäudes (eine von vielen auf dem Campus). Auf dieser Baustelle arbeiten, neben einer Reihe von Männern, mehrere Frauen, meist im schicken Sari und darunter auch einige die bei uns wohl schon längst Rente beziehen würden, anscheinend völlig gleichberechtigt (oder sollte ich sagen gleichverpflichtet?) mit – da werden Steine geschleppt oder in archaisch aussehenden Schubkarren kutschiert, Kies geschaufelt, Bambusstäbe für die Gerüste getragen. So etwas habe ich in Deutschland noch nicht gesehen, da waren die einzigen Frauen aufm Bau allenfalls Architekten oder Bauherrinnen.

Um die Frauen herum, zwischen Gräben, Erd- und Schotterhaufen und schwerem Gerät, tollen dann die Kinder der Frauen herum, wobei die jüngsten wohl gerade erst das Laufen gelernt haben. Ich bin noch nicht so alt als dass ich nicht mehr wüsste was für grandiose Spielplätze Baustellen aus Kindersicht sind, aber aus heutiger Perspektive ist mir das nicht ganz geheuer. Aber diese Art von vorsorglicher Sicherheit wie wir sie in Deutschland kennen ist hier eher selten – seien es die steilen Felsen um den Ellora-Tempel herum, die ohne Geländer auskommen, seien es oben offene Wasserlöcher in den Kanheri-Höhlen, bei denen ich mir nicht einmal sicher bin ob sie Ausgänge haben. Aber zurück zum Thema: So gesehen muss eine indische Baustelle wohl als mustergültiges Beispiel für einen frauen- und familienfreundlichen Arbeitsplatz angesehen werden!